Strategie der Commerzbank steht
„Machen die Bank wetterfest“
 

Vorstand und Aufsichtsrat der Commerzbank AG haben das Strategieprogramm Commerzbank 5.0 erörtert und verabschiedet. Damit sind die in der letzten Woche ad hoc vorgestellten Spar- und Kürzungsmaßnahmen fix: Die Bank wird netto 2.300 Vollzeit-Arbeitsplätze abbauen, ihr Filialnetz auf 800 Stellen reduzieren, die Tochter comdirect integrieren und ihre Anteile an der polnischen mBank verkaufen.

„Mit Commerzbank 5.0 machen wir die Bank wetterfest. Wir stellen sie so auf, dass sie auch in einem schwierigen Marktumfeld mit ihren Kunden erfolgreich ist“, sagte Vorstandschef Martin Zielke. Das bedeute vor allem, die Kostenbasis deutlich zu verringern. Sie soll bis zum Jahr 2023 um 600 Mio. Euro sinken und sich dann höchstens noch auf 5,5 Mrd. Euro belaufen. Zielke skizzierte weiter: „Gleichzeitig investieren wir kräftig in den Vertrieb und eine schnellere Digitalisierung.“

Im Rahmen des Strategieprogramms will die Commerzbank insgesamt rund 1,6 Mrd. Euro in die Digitalisierung und die weitere Verbesserung ihrer Kosteneffizienz investieren: 750 Mio. Euro fließen als zusätzliche Mittel in die Digitalisierung, IT-Infrastruktur und Wachstum, der größere Rest entfällt auf Restrukturierungskosten im Zusammenhang mit Stellenabbau und Filialstreichungen. Wo das Geld herkommt, erläuterte Finanzvorstand Stephan Engels: Aus dem Verkauf der mBank. Dieser führe zu einer deutlichen Reduzierung der risikogewichteten Aktiva um rund 17 Mrd. Euro und zu einer Freisetzung von Eigenkapital bei der Commerzbank.

 

„Mobile first“

Die künftig noch verbleibenden 800 Filialen sollen flächendeckend verteilt sein, geplant sind zudem 50 neue regionale Immobilienzentren. Mit der sukzessiven Schließung von rund 200 Filialen und der passenden Kombination von Filialtypen stelle man sich auf die verändernden Kundenbedürfnisse ein, teilte die Bank mit. Schon heute entfielen 1,2 von täglich insgesamt 1,7 Millionen Kundenkontakten auf die Kanäle mobil und online, und die verstärkte Nutzung digitaler Kanäle werde sich fortsetzen. Deshalb setze die Bank für Privat- und Unternehmerkunden mit der „Mobile first“-Strategie auf den konsequenten Ausbau des Mobile Bankings. Im Nebeneffekt ließen sich dabei auch zusätzliche Daten gewinnen, die neue Geschäftspotenziale erschließen können.

Die Commerzbank möchte im Segment Privat- und Unternehmerkunden „dosiert weiterwachsen“. In den vergangenen Jahren wuchs die Basis netto um 1,3 Millionen Kunden, bis 2023 sollen noch einmal eine Million Neukunden hinzukommen. Denen gibt man durch eine neue Preisstrategie mehr Wahlmöglichkeiten, ein Basisangebot soll durch modulare Angebote ergänzt werden – was natürlich zu einer differenzierten Bepreisung führt. Und Konten sollen aktiv genutzt werden, denn: „Bei kostenlosen Basisprodukten wird künftig im Sinne einer Fair-Use-Policy auch Inaktivität bepreist“, heißt es in der Pressemitteilung. 

 

Integration der comdirect

Das Geschäft mit Privat- und Unternehmerkunden soll durch die geplante Integration der comdirect in die Commerzbank gestärkt werden, sodass die große digitale Kompetenz der Tochter, die seit 1994 mit innovativen Services und Produkten Maßstäbe im Online Banking setzte, für den gesamten Konzern nutzbar wird. Das Brokerage-Angebot der comdirect werde unter der gleichen Produktmarke weitergeführt, umgekehrt könnten comdirect-Kunden zusätzlich die Filialen der Commerzbank nutzen. 

Die Transaktion muss noch von den Aufsichtsbehörden genehmigt werden. Für die noch ausstehenden Aktien der comdirect, an der sie bereits 82 Prozent der Anteile besitzt, will die Commerzbank ein freiwilliges öffentliches Erwerbsangebot unterbreiten. Das Angebot von 11,44 Euro je Aktie in bar entspreche einer Prämie von 25 Prozent auf den Xetra-Schlusskurs der Aktie vom 19. September – dem Tag vor Veröffentlichung der Ad-hoc-Mitteilung zum Strategieentwurf 5.0.

 

Firmenkundengeschäft 

Ihre Stärken im Firmenkundengeschäft will die Commerzbank mit noch mehr Digitalisierung ausbauen. „Dabei wird die Balance zwischen zusätzlichem Geschäft, Risikoappetit und Kapitaleffizienz klar in den Vordergrund gestellt“, so die Mitteilung. 150 neue Vertriebskräfte in Deutschland sollen eine intensivere Betreuung der Kunden sicherstellen. Zudem werde die Effizienz der Plattformen für das Firmenkundengeschäft erhöht. Künftig wolle die Bank möglichst viele internationale Buchungen auf der deutschen IT-Plattform vornehmen. Kapitaleffizienz und Kostendisziplin sollen die Rendite im Firmenkundengeschäft erhöhen, dazu erhofft man sich auch vom designierten neuen Firmenkundenvorstand Roland Boekhout die Entwicklung einer schlagkräftigen Agenda.

 

Gesellschaftliche Verantwortung 

Im Rahmen der neuen Strategie wird die gesellschaftliche Verantwortung der Bank künftig noch stärker im Geschäftsmodell verankert. Die gesellschaftliche Akzeptanz des täglichen Handelns sei die Basis für den ökonomischen Erfolg. „Als verantwortungsvolle Bank hat die Commerzbank schon lange eine klare Haltung zu umstrittenen Themen wie Waffen, umweltbelastenden Energieträgern oder spekulativen Geschäften mit Grundnahrungsmitteln.“ Zum verantwortlichen Handeln gehöre heute aber auch ein sorgfältiger, sicherer Umgang mit den Daten der Kunden. 

Künftig will die Commerzbank sich noch ambitionierter in Fragen der Nachhaltigkeit und Ökologie positionieren und die Pariser Klimaziele offensiv verfolgen. Aus dieser Haltung erwüchsen neue Geschäftspotenziale wie ein „grünes“ Produktangebot. So haben Privatkunden seit dieser Woche die Möglichkeit, eine grüne Baufinanzierung abzuschließen. Und auch das Kreditportfolio für Firmenkunden werde künftig stärker an Nachhaltigkeitskriterien ausgerichtet. (kra) 

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Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
27.09.2019
Quelle(n):
Bildquelle: Commerzbank AG
Autor/in 
Redaktion die bank
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