Bayer teuerstes Unternehmen Deutschlands
Leitbranche IT beherrscht die Weltbörsen

US-Konzerne dominieren die Weltbörsen: Die zehn wertvollsten Unternehmen der Welt haben ihren Sitz in den Vereinigten Staaten. Und von den 100 höchstbewerteten Unternehmen der Welt kommen mehr als die Hälfte aus den USA, nur 26 aus Europa und 17 aus Asien. Das teuerste Unternehmen der Welt bleibt Apple: Der Börsenwert des iPhone-Herstellers ist zwar seit Mitte des Jahres um 127 Mrd. US-$ (18 Prozent) gesunken. Das Unternehmen bleibt aber mit einer Marktkapitalisierung von 596 Mrd. US-$ die weltweite Nummer Eins vor dem Google-Nachfolgeunternehmen Alphabet, dessen Aktienkurs im Lauf des vergangen Halbjahrs massiv – um 47 Prozent – zugelegt hat und das aktuell 531 Mrd. US-$ wert ist. Drittteuerstes Unternehmen der Welt ist ebenfalls ein US-Technologiekonzern: Microsoft ist derzeit 447 Mrd. US-$ wert – das sind 25 Prozent mehr als zur Jahresmitte.
Wertvollstes europäisches Unternehmen ist der Schweizer  Pharmakonzern Roche auf Platz 13. Das teuerste deutsche Unternehmen folgt erst auf Rang 67: Der Pharmakonzern Bayer ist aktuell knapp 105 Milliarden US-Dollar wert. Mit insgesamt sechs Unternehmen unter den 100 wertvollsten Unternehmen der Welt – zur Jahresmitte waren es nur fünf Unternehmen – kann Deutschland zum Jahresende seinen vierten Rang im Länderranking behaupten – hinter den USA, China und Großbritannien (elf bzw. acht Unternehmen).
Neben Bayer können sich SAP (Platz 72; 99 Mrd. US-$), Daimler (Platz 81; 91 Mrd. US-$), Siemens (Platz 88; 86 Mrd. US-$) sowie – als Neueinsteiger im Top-100-Ranking – die Deutsche Telekom auf Rang 92 und die Allianz auf Rang 95 platzieren. Nicht mehr im Top 100 Ranking vertreten ist Volkswagen: Der Wolfsburger Konzern landet mit einem Börsenwert von knapp 77 Mrd. US-$ auf Platz 103. Zur Jahresmitte – vor dem Bekanntwerden der Diesel-Affäre – war Volkwagen an der Börse noch gut 110 Mrd. US-$ wert und belegte Platz 65.
Die Mehrheit der in den Top 100 notierten Aktiengesellschaften hat in den vergangenen sechs Monaten an Börsenwert eingebüßt – insgesamt sank die Marktkapitalisierung der Top-100-Unternehmen im zweiten Halbjahr um etwa ein Prozent auf 15,8 Bio.US-$, nachdem sie im ersten Halbjahr noch um drei Prozent gestiegen war. Der Börsenwert der sechs deutschen Unternehmen gab ebenfalls leicht nach: um ein Prozent auf 545 Mrd. US-$.
Das sind Ergebnisse einer Analyse der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (Ernst & Young), die die Marktkapitalisierung der 100 bzw. 300 am höchsten bewerteten Unternehmen weltweit untersucht. Die aktuelle Dominanz der US-Unternehmen – vor einem halben Jahr hatten „nur“ acht der zehn teuersten Unternehmen der Welt ihren Sitz in den USA – führt EY-Partner Thomas Harms auf die gute wirtschaftliche Entwicklung in den USA sowie auf den moderneren und zukunftsweisenderen Branchenmix in den Vereinigten Staaten zurück: „Während in Europa traditionell die Industrie und die Rohstoffkonzerne dominieren, sind in den USA neue Leitbranchen ins Zentrum gerückt – und haben eine große Dynamik entwickelt.“

USA dominieren IT-Branche

Vor allem die IT-Branche spielt in den USA eine deutlich größere Rolle als in Europa: Im Ranking der 300 teuersten Unternehmen der Welt können sich aktuell insgesamt 21 IT-Konzerne (Computer/Internet/Software) platzieren –13 davon haben ihren Sitz in den USA, vier sind in China ansässig und gerade einmal zwei Unternehmen kommen aus Europa. Der Börsenwert der US-IT-Konzerne in den Top 300 liegt bei knapp 2,8 Bio. US-$ – die beiden IT-Konzerne mit Sitz in Europa – SAP und Accenture – sind zusammen etwa 167 Mrd. US-$ wert.
Dass in den USA so viele relativ junge IT-Unternehmen in die Riege der Top-Konzerne aufsteigen konnten, hängt nach Harms‘ Einschätzung vor allem mit der ausgeprägten Gründungskultur, dem hohen gesellschaftlichen Ansehen des Unternehmertums sowie den besseren Finanzierungsbedingungen in den USA zusammen: „In den USA ist es jungen Unternehmen in den vergangenen Jahrzehnten viel besser gelungen, völlig neue Konzepte und Geschäftsmodelle zu entwickeln und damit neue Branchen zu erobern – diese Unternehmermentalität zahlt sich jetzt aus.“
Diese deutliche Vormachtstellung der USA in der IT-Branche bereitet Harms Sorge. „Die Digitalisierung erfasst alle Branchen und Lebensbereiche – darin steckt noch ein enormes Wachstumspotenzial, nicht nur für einzelne Unternehmen, sondern auch für ganze Volkswirtschaften. Die Wirtschaft wird zunehmend digital, was fundamentale Veränderungen und Risiken, vor allem aber erhebliche Chancen bietet. Die Anbieter der entsprechenden IT-Lösungen kommen allerdings derzeit in erster Linie aus den USA.“ In der weltweiten IT-Industrie spiele Europa seit Jahren nur eine untergeordnete Rolle. Europa drohe diesen Zug zu verpassen, so Harms. „Es sind aktuell die US-Technologiekonzerne, die sich anschicken ganze Branchen umzukrempeln und die Spielregeln neu zu schreiben. Europa kann da nur zuschauen.“
Die aktuelle Schwäche Europas im Ranking – die Zahl europäischer Unternehmen in den Top 100 ist binnen eines halben Jahres von 28 auf aktuell 26 gesunken – führt Harms zum einen auf den unvorteilhaften Branchenmix und die nach wie vor schwierige konjunkturelle Lage in vielen europäischen Ländern zurück. Zudem führe der Wertverlust des Euro (und des russischen Rubel) zu schlechteren Platzierungen der Unternehmen aus dem Euro-Raum bzw. Russland. Die Schwäche der europäischen Unternehmen im Ranking resultiere auch aus dem gesunkenen Eurokurs. Die an europäischen Börsen gelisteten Konzerne verlieren im internationalen Vergleich an Wert, während der starke US-Dollar US-Konzerne aufwerte.

Ölkonzerne verlieren an Börsenwert

Hauptverlierer im aktuellen Börsenranking sind zum einen die chinesischen Unternehmen, die aufgrund des Crashs an den chinesischen Börsen im zweiten Halbjahr etwa ein Fünftel ihres Wertes einbüßten, sowie die Ölkonzerne: Die acht im Ölgeschäft tätigen Unternehmen, die sich im aktuellen Top-100-Ranking platzieren können, haben in der zweiten Jahreshälfte in Summe knapp 250 Mrd. US-$ bzw. 16 Prozent an Wert eingebüßt. Der Branchenprimus Exxon rutscht im Jahresvergleich vom zweiten auf den fünften Platz.
Der Preisverfall beim Öl wirke in den Industrieländern als Konjunkturpaket. Die Verbraucher werden bei den Heizkosten und beim Tanken spürbar entlastet, und haben nun mehr Geld übrig für andere Ausgaben. Die Schattenseiten: „Letztlich kann niemandem an einem zu starken Rückgang des Ölpreises gelegen sein:  Die Neuinvestitionen in der Öl- und Gasindustrie gehen massiv zurück, Ölfirmen und Zulieferer müssen Personal entlassen, das niedrigere Preisniveau führt auch in anderen Branchen wie der Chemiebranche zu Umsatzeinbußen. Zudem hängt der Staatshaushalt etlicher Schwellenländer zu großen Teilen von den Ölverkäufen ab. Diese Länder befinden sich aktuell in einer wirtschaftlichen Abwärtsspirale – und fallen damit auch als Absatzmärkte für die Produkte etwa der deutschen Unternehmen weitgehend aus“, so Harms. Obendrein trage der Ölpreisverfall dazu bei, die politische Lage in den Ölförderländern zu destabilisieren.

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Artikel veröffentlicht am:
29.12.2015
Quelle(n):
Textquelle: EY.
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