Bundesbank-Symposium
Konsolidierung bleibt auf der Tagesordnung

Die Deutsche Bundesbank hat die aktuellen und mittelfristigen Herausforderungen im deutschen Bankensektor skizziert. Ein zentraler Aspekt sei weiterhin das Thema Regulierung, betonte Vorstandsmitglied Joachim Wuermeling beim Bundesbank-Symposium „Bankenaufsicht im Dialog“ am Dienstag in Frankfurt am Main. „Das Bankenpaket der EU wird nach heutigem Stand noch vor den Mai-Wahlen zum Europäischen Parlament verabschiedet werden“, erklärte Wuermeling laut Redetext. Die in dem Paket enthaltenen Regeln würden den Risikoabbau vorantreiben. „Damit ist die Risikoreduktion gewiss noch nicht abgeschlossen. Aber es macht mich zuversichtlich, dass in Europas Bankenunion auch die verbleibenden Risiken mit der nötigen Entschlossenheit adressiert werden“, fügte Wuermeling hinzu.

Wuermeling richtete seinen Blick zudem auf die geringen Margen im Bankensektor. Die Branche müsse sich auch in Zukunft auf ein niedriges Zinsniveau einstellen. „Ich sage es hier in aller Offenheit: Ihr Geschäftsmodell muss auch mit niedrigen Zinsen funktionieren. An den Bilanzen von 2018 sehe ich, dass viele von Ihnen, aber nicht alle, beherzt Ihre Hausaufgaben machen“, kritisierte der Notenbank-Vorstand. Von der Geldpolitik sei zu erwarten, dass sie sich ausschließlich am Ziel der Preisstabilität orientiere. Sie könne sich nicht an „Ertragsaussichten von bestimmten Wirtschaftsteilnehmern ausrichten“, warnte Wuermeling.  

Zahl der Kreditinstitute kontinuierlich gesunken

Ein Dauerbrenner werde auch das Thema Konsolidierung bleiben. Fusionen könnten ein wirkungsvolles Instrument sein, um hohe Verwaltungsaufwendungen aufzufangen. Seit den frühen 1990er-Jahren sei die Zahl der Kreditinstitute in Deutschland kontinuierlich gesunken – von fast 4.500 im Jahr 1991 auf heute etwa 1.800. Fusionen seien jedoch nicht das einzige Instrument von Konsolidierung. Es werde viel zu wenig gesehen, in welchem Umfang in Deutschland Effizienzpotenziale gehoben worden seien – und weiter gehoben werden könnten, führte Wuermeling aus. Dies könne etwa innerhalb eines Instituts, in Verbünden oder durch Kooperationen geschehen.

Wuermeling sah den Finanzsektor mit Blick auf die digitale Transformation vor großen Herausforderungen. „Die ganze Wucht der digitalen Veränderung der Welt können wir heute kaum abschätzen, jedenfalls nicht überschätzen“, hieß es. In fünf Jahren würden Fintechs mit den traditionellen Instituten organisch verknüpft sein. Darüber hinaus täten sich aber ganz neue Dimensionen auf. „Wer weiß schon, welche Möglichkeiten sich aus Blockchain, BigTechs und verändertem Kundenverhalten ergeben?“ Das habe eine Konsequenz, die sich bis zur Dramatik entwickeln könne: „Geschäftsmodelle müssen nicht nur überprüft und angepasst werden, sie müssen teilweise neu entworfen werden. Und sie müssen in der Lage sein, sich ständig weiterzuentwickeln“, resümierte Wuermeling. (ud)

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Artikel veröffentlicht am:
19.03.2019
Autor/in 
Redaktion die bank
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