Ergebnisse des LSI-Stresstests
Kleine Banken auch im Stressfall solide kapitalisiert
 

Obwohl die Banken unter der Niedrigzinsphase und schwächelnder Rentabilität leiden, sind sie doch im Durchschnitt ausreichend kapitalisiert, um auch im Krisenfall stabil zu bleiben, fasste BaFin-Exekutivdirektor Raimund Röseler die Ergebnisse des jüngsten Stresstests für die LSI-Institute zusammen. LSI bedeutet Less Significant Institutions, gemeint sind also die kleinen und mittelgroßen Banken und Sparkassen in Deutschland. Sie stehen für 89 Prozent aller deutschen Kreditinstitute und machen rund 38 Prozent der aggregierten Bilanzsummen aus.

Das aktuelle Stressszenario führe zu einem Rückgang der harten Kernkapitalquote um 3,5 Prozentpunkte, so der Bankenaufseher. Jedoch hätten die Banken die Herausforderung durch das Niedrigzinsumfeld angenommen und Maßnahmen zur Rentabilitätssteigerung ergriffen, heißt es in einer Pressemitteilung. Dabei zögen die Banken auch die Weitergabe negativer Zinsen an Kunden in Betracht, ergänzte Joachim Wuermeling, der im Bundesbank-Vorstand für die Bankenaufsicht zuständig ist. Dies betreffe bislang vor allem für Geschäfts- und vermögende Privatkunden zu. 

Bisweilen kommt es dabei jedoch zu einer Situation, die auch im Rahmen der Pressekonferenz zunächst für einige Verwirrung sorgte. Wenn eine Bank generell keine Zinsen zahlt, aber von einigen wenigen Kunden Negativzinsen einnimmt, dann ergibt sich somit folglich ein Überschuss. Aber können Banken wirklich unter dem Strich durch die Weitergabe von Negativzinsen an die Kunden ein positives Ergebnis erzielen? Es gehe dabei um einen kleinen, nicht substanziellen Überschuss, hatte Joachim Wuermeling erklärt. Auf Nachfragen erläuterte er dann vor Journalisten ein „Verrechnungsmodell“: Die Aufsicht betrachte nur die Einlage- (=Passiv)Seite, also wie viel Zinsen die Banken von ihren Kunden durch die Negativzinsen einnehmen und wie viel sie andererseits für die Einlagen ausgeben müssten. Aus der Verrechnung dieser Werte könne sich dann zwar ein positiver Betrag ergeben. Dem gegenüber stehen aber natürlich noch die Summen, die die Bank ihrerseits auf der Aktivseite an die Bundesbank zahlen muss. 

 

Risikobereitschaft steigt

An der gemeinsamen Umfrage der Deutschen Bundesbank und der BaFin hatten etwa 1.400 kleine und mittelgroße deutsche Kreditinstitute, die unmittelbar unter nationaler Aufsicht stehen, teilgenommen. Dabei haben die Aufseher zum einen die institutseigenen Plan- und Prognosedaten erhoben, zum anderen haben die Kreditinstitute für fünf von der Aufsicht vorgegebene Zinsszenarien Ergebnissimulationen für den Zeitraum von 2019 bis 2023 durchgeführt. Dabei gingen die Institute von einer statischen Bilanzannahme aus, was bedeutet, dass sie ihre Portfolien nicht anpassen konnten. 

Die Kreditinstitute rechnen in fünf Jahren mit einem um 23 Prozent gestiegenen Jahresüberschuss vor Steuern, das entspricht einem Zuwachs ihrer Gesamtkapitalrentabilität von 10 Prozent. Dabei hat rund die Hälfte der Institute mit steigenden Zinsen kalkuliert. Häuser, die mit einer konstanten Zinsentwicklung geplant haben, rechnen hingegen mit einem Rückgang der Gesamtkapitalrentabilität um 2 Prozent. 

Die Simulationen zeigen, dass sich die Ertragskraft der Institute bei anhaltendem oder gar verschärftem Niedrigzinsumfeld deutlich verschlechtern würde. Im Durchschnitt rechnen die Institute mit einem Anstieg der harten Kernkapitalquote von 16,5 auf 16,8 Prozent bis zum Jahr 2023. Dabei geht jedoch ein Drittel der Institute von einem Rückgang der harten Kernkapitalquote aus. Dieser beruht vor allem auf der stärkeren Zunahme der risikogewichteten Aktiva.

Um abzuschätzen, wie sich eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen auf die Kapitalausstattung der Institute auswirken könnte, hat die Aufsicht den Instituten mehrere Stressszenarien vorgegeben. Hierbei simulierten die Institute ihre Ertragslage und Widerstandsfähigkeit für die Jahre 2019 bis 2021, und zwar jeweils in einem Basis- und einem Stressszenario. Das Stressszenario sah eine massive Wirtschaftseintrübung vor, in deren Verlauf unter anderem Zinsänderungs-, Kredit- und Marktpreisrisiken auftraten. Neu im Stresstest 2019 war eine Modellierung der Gewinn- und Verlustrechnung der Banken, die sich an einem aufsichtlich vorgegebenen Krisenszenario orientierte. So konnten Institute im dreijährigen Stresshorizont zwar Einkommen vor allem aus dem Zins- und Provisionsgeschäft generieren, mussten aber zugleich auch erhebliche Einbrüche der Ergebnisbeiträge im Stressszenario hinnehmen. 

Der Stresstest zeigt die Verwundbarkeiten jedes einzelnen Instituts. Danach gefragt, wie viele Banken nach dem Szenario ggf. Probleme bekommen würden, antwortete Röseler mit „eine mittlere zweistellige Zahl“. Das bedeute aber umgekehrt auch, dass 90 Prozent der Banken die Anforderungen erfüllen würden. Er erwarte keine Flut von Bankenpleiten, aber für manche Banken werde es künftig schwerer. 

 

Lockerung der Richtlinien für die Kreditvergabe

Die Institute machten zudem Angaben zu Volumina und Vergabekriterien für Wohn- und Gewerbeimmobilien. In beiden Bereichen gibt es eine Ausweitung der Kreditvergabe, was auf ein gestiegenes Risikovolumen hindeutet. Für Wohnimmobilien sanken die Vergabestandards in den vergangenen drei Jahren, was zu höheren Ausfallrisiken für Banken führt. Insgesamt würden die Banken aber besonnen agieren, konstatierte Raimund Röseler. Der Grad der Lockerungen sei aktuell unkritisch, allerdings sollten die Vergabestandards nicht weiter gelockert werden. Im Bereich der Gewerbeimmobilienfinanzierungen lässt sich keine eindeutige Verschlechterung der Kreditvergabestandards erkennen. Die Umfrage habe gezeigt, dass eine standardisierte Datenerhebung zu Immobilienfinanzierungen erforderlich ist, weshalb zeitnah eine Rechtsgrundlage dafür geschaffen werden sollte. 

Über 100 Banken und Sparkassen wurden auch zu ihren Kreditvergabestandards im Bereich der Unternehmensfinanzierung (ohne Gewerbeimmobilienfinanzierungen) befragt. Der Großteil der Teilnehmer berichtete hier von einer Zunahme für den Zeitraum von 2015 bis 2018. Auch in diesem Bereich ist eine Aufweichung der Kreditvergabestandards erkennbar, wenn auch bei gleichzeitiger Verkürzung der durchschnittlichen Kreditlaufzeiten und einem zunehmenden Anteil bonitätsstarker Kreditnehmer. (kra)

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Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
23.09.2019
Quelle(n):

Bildquelle (Artikelbild): Milan Virijevic | iStockphoto 

Grafik: BaFin und Deutsche Bundesbank

Autor/in 
Redaktion die bank
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