KMU-Finanzierung
Klassische Bankkredite bleiben dominant

Rund zwei Drittel der mittelständischen Unternehmen in Deutschland rechnen in diesem Jahr mit erschwerten Finanzierungsbedingungen. Schon 2016 fiel es jeder zweiten Firma schwerer, ein Darlehen zu erhalten. So war die kurzfristige Finanzierung des laufenden Geschäfts durch Hausbanken für sie gekennzeichnet durch ein Mehr an Bürokratie und längere Wartezeiten. Das ergab eine gemeinsam von der TU Darmstadt und dem Kreditmarktplatz Creditshelf durchgeführte Erhebung. Demnach erwarten kleine und mittlere Unternehmen (KMU) auch im neuen Jahr nicht, bei der Kreditaufnahme von der immer noch anhaltenden Niedrigzinsphase zu profitieren. Im Gegenteil: Für 2017 herrscht Skepsis. 64 Prozent der Betriebe halten schwierigere Kreditkonditionen durch steigende Zinsen für wahrscheinlich, 67 Prozent fürchten dies als Folge einer verschärften Regulierung und 63 Prozent aufgrund einer restriktiveren Kreditvergabe seitens der Hausbanken.

„Der Mittelstand hat im vergangenen Jahr eher wenig von der angeblichen Kreditschwemme gespürt“, sagt Prof. Dr. Dirk Schiereck von der TU Darmstadt. Nur noch 62 Prozent der Unternehmen bezeichnen den Umgang mit ihren Hausbanken als „unbürokratisch“, nach 75 Prozent in der Vorjahresstudie. Und obwohl 73 Prozent die Schnelligkeit der Kreditvergabe seitens der Institute loben, waren es im Vorjahr mit 81 Prozent doch noch deutlich mehr. Überdies empfindet jedes vierte Unternehmen seine Bank als unflexibel und wenig partnerschaftlich.

Gleichwohl bleibt die kurzfristige Finanzierung des laufenden Geschäfts von herausragender Bedeutung für die Unternehmen. Schließlich zahlen neun von zehn Firmen einen Teil ihrer Produktionsmittel über klassische Bankkredite. Doch es bahnt sich ein Wandel an. „Die Bindung zur Hausbank nimmt ab und viele Mittelständler stehen digitalen Finanzierungslösungen aufgeschlossener gegenüber“, beobachtet Creditshelf-Geschäftsführer Dr. Daniel Bartsch, der Online-Kreditplattformen nicht als Konkurrenz zum Bankkredit sieht, sondern als eine sinnvolle Ergänzung. „Gerade in einer von geopolitischen Unsicherheiten geprägten Zeit legen kleine und mittlere Unternehmen großen Wert darauf, ihr laufendes Geschäft jederzeit zu tragfähigen Konditionen finanzieren zu können – das muss nicht mehr zwingend auf dem traditionellen Wege geschehen.“

Viele traditionelle Banken zögern hingegen noch, auch ihr Firmenkundengeschäft konsequent zu digitalisieren. Gemäß einer aktuellen Studie der Hochschule Luzern bieten größere Banken tendenziell mehr digitale Dienstleistungen und Produkte für Firmenkunden an als kleine Institute. Bei den Unternehmen scheinen insbesondere neue, innovative Funktionalitäten im E-Banking auf großes Interesse zu stoßen, wie z.B. Liquiditätsmanagement, digitale Rechnungslösungen sowie Transparenz über den aktuellen Kontosaldo und Kreditrahmen. Beim Management von Angeboten und Rechnungen können integrierte Fakturierungs- und Buchhaltungslösungen für Firmenkunden einen echten Mehrwert erbringen. Neue Kommunikationskanäle, wie z.B. Web-Chats oder Video-Beratung, sowie banknahe Dienstleistungen sind in den Augen der Befragten hingegen weniger relevant.

Zumindest für den Schweizer Markt lässt sich konstatieren, dass die Firmenkunden derzeit in digitalen Funktionalitäten und Produkten nur einen beschränkten Nutzen sehen. Dieses geringe Interesse kann nach Ansicht der Hochschule Luzern entweder darauf zurückgeführt werden, dass die KMU-Unternehmen mit den aktuellen Produkten und Dienstleistungen der Banken zufrieden sind, oder sie können den Zusatznutzen von neuen Angeboten, die sie noch nie testen konnten, nur schwer einordnen.

 

 

Kontakt  
Diesen Artikel ...  
Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
17.01.2017
Quelle(n):
Bild: Fotolia.com/marinini
Autor/in 
Stefan Hirschmann
Weitere interessante Artikel 
Artikel abonnieren 
die bank | Newsfeed
Newsletter

die bank | Newsletter

Abonnieren Sie den kostenlosen redaktionellen Newsletter der Fachzeitschrift „die bank“.
Sie erhalten jeden Monat zwei Newsletter mit aktuellen Beiträgen und News.

 Anmeldung

 Newsletter-Archiv