Innovations-Studie
Keine klaren Ziele und wenig Budget
 

Eine große Mehrheit der Unternehmen in Deutschland ist sich bewusst, wie wichtig Innovationen für ihren wirtschaftlichen Erfolg sind. Doch wie stringent setzen sie diese Erkenntnis um? Eine aktuelle Umfrage zeigt auf, wo in der Finanzbranche Nachholbedarf besteht.

84 Prozent der 200 befragten Geschäftsführer, IT-Leiter und Verantwortlichen für das Business Development sind sich einig, dass Innovationen in ihrem Unternehmen eine sehr große oder eher große Rolle spielen. Dabei liegen die Manager von Banken und Finanzinstituten mit 87 Prozent Zustimmung sogar im oberen Bereich. Lediglich in der Informations- und Kommunikationstechnik wird die Bedeutung von neuen Produkten, Dienstleistungen oder Geschäftsmodellen noch höher eingeschätzt. An der Studie „Innovationskultur in deutschen Unternehmen: Halbherzige Initiativen oder ambitioniert in die Zukunft?“ der Unternehmensberatung Axxcon nahmen Unternehmen aus den Bereichen Produktion und Maschinenbau, IT, Energieversorgung, Handel und Finanzen teil, so dass ein Vergleich der Branchen möglich ist.

Die Erkenntnis ist lediglich der erste Schritt. Wichtig ist auch, dass die erforderliche Innovationstätigkeit gut geplant und stringent umgesetzt wird. An diesem Punkt jedoch deckt die Studie über alle Wirtschaftsbereiche hinweg Defizite auf. So hat weniger als ein Drittel der Unternehmen die Zielsetzung für den aktuell verfolgten Innovationsansatz vorab klar definiert. 68 Prozent der Befragten erklären stattdessen, die Zielsetzung habe sich im Laufe der Zeit eher ergeben.

Ohne klare Stoßrichtung ist der Erfolg jedoch fraglich. So lässt sich das Ergebnis eines Innovationsprojekts zwar naturgemäß nicht vorhersehen, da ja gerade etwas Neuartiges entstehen soll. Auf jeden Fall aber sollte das verfolgte Ziel klar benannt werden. 

Finanzinstitute haben häufiger einen eigenen Innovationsbereich

Lediglich die Hälfte der befragten Unternehmen verortet das Thema Innovation organisatorisch in einem eigenen Bereich. Allerdings hängen die Antworten stark von der Unternehmensgröße ab. Von den Firmen mit einem Umsatz unter 100 Mio. Euro haben sogar 63 Prozent keinen eigenen Bereich, bei den Unternehmen mit einem Umsatz von mehr als 500 Mio. Euro sind es 26 Prozent. Logischerweise zeigt sich die Erkenntnis: Unternehmen mit eigenem Innovationsbereich messen Innovationen insgesamt eine höhere Bedeutung zu. Zudem definieren sie mit 43 Prozent eher Ziele für ihre Innovationsvorhaben als die Vergleichsgruppe mit nur 16 Prozent – einem alarmierend niedrigen Wert.

Im Branchenvergleich ergibt sich dabei für die Banken und Finanzdienstleister ein widersprüchliches Bild. Mit 73 Prozent verfügen sie überdurchschnittlich häufig über einen eigenen Innovationsbereich. Rund die Hälft der Befragten gibt an, ein eigenes, abteilungsübergreifendes Team zu haben, 27 Prozent haben die Verantwortung für das Thema Innovation an eine Stabsstelle übertragen. Einen positiven Einfluss auf die Zielformulierung hat dies jedoch nicht. Im Gegenteil: 87 Prozent der Banken und Versicherungen geben an, dass sich die Zielsetzung für die Innovationstätigkeit eher im Lauf der Zeit herausgebildet hat. Damit bilden sie das Schlusslicht aller Branchen und weisen ein mehr als deutliches Defizit auf.

Über alle Wirtschaftsbereiche hinweg gibt es lediglich in rund einem Drittel der Unternehmen ein abteilungsübergreifendes Team für das Thema Innovation. Knapp 20 Prozent haben eine eigene Abteilung dafür, 14 Prozent eine Stabsstelle und 2 Prozent eine neue Firma. Welche Organisationsform idealerweise gewählt wird, hängt von den individuellen Gegebenheiten im Unternehmen ab.

Banken investieren unterdurchschnittlich

Bei der Höhe des von den Befragten genannten Innovationsbudgets belegen Banken und Versicherungen mit deutlichem Abstand den letzten Platz. Im Mittel der Befragten aus allen Wirtschaftsbereichen werden 8,4 Prozent des Jahresumsatzes in Innovationen investiert, für die kommenden beiden Jahre ist sogar eine Investitionsquote von jeweils 10,2 Prozent geplant. Demgegenüber bleiben Banken, Versicherungen und Finanzdienstleister mit 5,0 Prozent vom Jahresumsatz aktuell und künftig 5,8 Prozent deutlich dahinter zurück. Dieses Ergebnis sollte die Unternehmen der Finanzbranche zum Nachdenken anregen, womöglich agieren sie an dieser Stelle zu defensiv. Immerhin sind sich die verantwortlichen Manager bereits bewusst, dass sie ihre Innovationstätigkeit verstärken müssen. So sagen knapp 70 Prozent der Finanzdienstleister, der Innovationsansatz werde ausgebaut – im Vergleich zu rund 50 Prozent der Befragten im Durchschnitt über alle Branchen.
Als Gründe für die Ausweitung der Innovationstätigkeit werden zumeist die Sicherung ihrer Marktposition sowie Wettbewerbs- und Preisdruck genannt, gefolgt von geänderten Kundenanforderungen und Anpassung an die Digitalisierung. Wachstum, Weiterentwicklung und Umsatzsteigerung hingegen stehen erst an fünfter Stelle. Hier wäre es wünschenswert, dass die Firmen eine sehr viel aktivere Rolle einnehmen und Innovationen als Chance betrachten.

Innovation ist oftmals Chefsache

Für die große Bedeutung des Themas in den Firmen spricht wiederum, dass die Verantwortung für den Innovationsbereich in 57 Prozent der Unternehmen bei der Geschäftsführung bzw. beim Vorstand liegt, bei Banken und Versicherung sogar zu 66 Prozent. Auch die Richtung wird im Finanzdienstleistungssektor oft von ganz oben vorgegeben: Haupttreiber für Innovationen sind laut den Befragten strategische Veränderungen durch den Vorstand, gefolgt von geänderten Anforderungen an die IT. 40 Prozent nennen Impulse aus der Unternehmensentwicklung.

Im Rahmen der Innovationstätigkeit arbeiten lediglich 13 Prozent auf ein komplett neues Geschäftsmodell hin. Dieser Wert ist deutlich zu niedrig: Gerade mit neuartigen, die Branche verändernden Geschäftsmodellen lässt sich die Zukunft eines Unternehmens sichern. Insbesondere in der Finanzbrache macht die Konkurrenz von FinTechs und BigTechs neue, einem veränderten Kundenverhalten angepasste Geschäftsmodelle zu einem wesentlichen Wettbewerbs- und Erfolgsfaktor.

Ein ähnliches Defizit zeigt sich über alle Branchen hinweg in der Innovationskultur. Während sich die meisten Unternehmen auf Prozess- und Produkt-Innovationen konzentrieren, wird an Daten- und Plattform-Innovationen vergleichsweise wenig gearbeitet. Das deutet darauf hin, dass oftmals das Bestehende verbessert wird, statt sich um neue Geschäftsmodelle zu kümmern. Denn gerade diese beruhen häufig auf Daten- oder Plattform-Innovationen. Auf diese Weise verspielen die Unternehmen die Chance auf bahnbrechende und gewinnbringende Innovationen. Banken und Finanzdienstleister haben mit 53 Prozent die höchste Affinität zu Plattforminnovationen, dicht gefolgt vom Handel. Bei den Daten-Informationen hingegen belegen die Finanzinstitute mit 47 Prozent den hintersten Platz.

Keine Euphorie bei den Ergebnissen

Die Unternehmen sind mit dem Erreichen der Innovationsziele nicht vollauf zufrieden. So wollten 60 Prozent den Bereich Kundennutzen und -zufriedenheit steigern, aber nur 17 Prozent sind mit ihren Ergebnissen „sehr zufrieden“. In Sachen Umsatzwachstum, einem Ziel von immerhin 48 Prozent der Befragten, zeigen sich nur 15 Prozent zufrieden.
Damit Innovation gelingen kann, ist nach Ansicht der Befragten neben einem umfassenden Markt-Know-how auch Klarheit über Ziele und Ambitionen gefragt. Im Bankensektor wird diesem Punkt mit 93 Prozent sogar ein besonders hoher Stellenwert beigemessen. Umfassende Methodenkompetenz, hinreichendes IT-Wissen und die Fokussierung des Top-Managements auf das Thema Innovation erachten die Befragten ebenfalls für wichtig. Wenig Einfluss wird hingegen der Nähe zu Regionen wie Berlin, Frankfurt oder München zugeschrieben. Rund 90 Prozent der Unternehmen setzen auch für Innovationen auf ihren Stammsitz. Diese Entscheidung ist zu begrüßen. Denn viel wichtiger als der Standort des Innovationszentrums ist, dass es überhaupt existiert und dass darin zielgerichtet und mit den richtigen Methoden gearbeitet wird.

Fazit

Langer Atem ist nicht nur bei großen Investitionen in Innovationen notwendig. Auch die angemessene Reaktion auf das Verhalten der Kunden erfordert viel Detailarbeit. Banken sollten in kleineren Etappen denken und sich in definierten Fokusfeldern und mit klar formulierten und messbaren Zielen aufstellen. Sie müssen außerdem langfristig eigenes Potenzial aufbauen, gerade im Bereich „Know Your Customer“, müssen mutig und diszipliniert an ihren Zielen arbeiten. Fest steht: den ROI für Innovationen müssen Banken wie andere Branchen langfristig und mit Risikoabschlägen kalkulieren.

Kontakt  
Diesen Artikel ...  
Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
07.08.2019
Quelle(n):

Bildquelle: iStock.com/benedek

Autor/in 
Michael Möller, Bernard Richter


Michael Möller, Partner bei der Unternehmensberatung Axxcon, Schwalbach.



Dr. Bernard Richter, ist Manager im gleichen Unternehmen.
Weitere Artikel 
Webkiosk 

Die Zeitschrift

Ausgabe 10/2019

Jetzt online lesen »

 

 

Newsletter

die bank | Newsletter

Abonnieren Sie den kostenlosen redaktionellen Newsletter der Fachzeitschrift „die bank“.
Der Newsletter erscheint mindestens einmal im Monat und informiert Sie über aktuelle Beiträge und News.

 Anmeldung

 Newsletter-Archiv