Zahlungen in Rekordzeit
Instant Payments auf dem Vormarsch

Instant Payments, auch Echtzeitzahlungen oder Realtime Payments genannt, sollen ab November 2017 den Euro-Zahlungsverkehr im Rahmen von SEPA bereichern. Wie Corinna Lauer (Foto), Zahlungsverkehrsexpertin bei der Unicredit Bank AG, im Rahmen der Konferenz „Zahlungsverkehr der Zukunft“ am 16.02.2017 in Köln erläuterte, planen 18 europäische Länder die Umsetzung von Instant Payments oder haben es bereits implementiert. Als Vorbilder dienten die Realtime Payment-Initiativen in Mexiko, Singapur und Australien.

Nachdem die Europäische Zentralbank EZB im Rahmen eines White Papers bereits im November 2014 die Entwicklung eines pan-europäischen Realtime-Zahlungsverfahrens gefordert hatte, veröffentlichte das European Payment Council (EPC) am 30. November 2016 das maßgebliche Regelwerk. Der Startschuss für die Umsetzung soll am 21. November 2017 fallen. Ab dann sollen mit Instant Payment-Zahlungen innerhalb von zehn Sekunden abgewickelt werden können – an 365 Tagen im Jahr, an sieben Tagen pro Woche und 24 Stunden rund um die Uhr.

Noch darf jedes Institut selbst über seine Teilnahme an dem neuen Verfahren entscheiden, allerdings erwarten Eurosystem und Europäische Kommission, dass die europäische Kreditwirtschaft das neue Verfahren zügig flächendeckend anbietet. Sollte die Resonanz auf diesen Aufruf nicht ausreichend groß sein, könnten Instant Payments doch noch zu einem regulatorischen Thema werden.

Die Banken sind neben der technischen und organisatorischen Umsetzung zurzeit damit beschäftigt, sinnvolle Verwendungsmöglichkeiten für Instant Payments auszumachen, die sich in verschiedenen Kundenbeziehungen niederschlagen können: Consumer-to-Consumer, Consumer-to-Business, Business-to-Person oder auch Business-to-Business. Die eher pragmatisch orientierteren Zahlungsdienstleister und die eher strikte European Banking Association (EBA) verhandeln derzeit diese wichtigen technische Details, eine abschließende Klärung wird für 2017 erwartet.

Aber auch auf der Seite der Händler gibt es einiges zu tun: Die notwendige Authentisierung der zahlenden Konsumenten und Kontoinhaber wird dazu führen, dass Kassensysteme und Online-Shops umgestellt werden müssen. Und das schlägt auf der Kostenseite zu Buche. Gleichzeitig erwartet der Handel, dass die geplanten 10 Sekunden deutlich unterschritten werden. Der Dienstleister Computop spricht in einer aktuellen Studie davon, dass der Handel von Instant Payments eine Antwortzeit von maximal 3 Sekunden erwartet.

Damit Instant Payments sich im Markt durchsetzen und zu einem echten Fortschritt für das reibungslose Bezahlen werden, muss auch auf einheitliche Standards für die Authentisierung und Regulierung geachtet werden. Ohne klare Vorgaben für die praktische Durchführung besteht eine Gefahr, die schon viele gute Ideen scheitern ließ: dass durch Abweichungen im Detail Unübersichtlichkeit und damit Unsicherheit beim Anwender entsteht. Drei Aspekte erachten die Experten bei Computop als besonders bedeutsam: 1. Der Konsument könnte verwirrt werden, wenn die Authentisierung nicht auf vernünftigem Niveau standardisiert wird. 2. Wenn sich der Kunde bei jedem neuen Händler aufwendig registrieren muss, wird das auf Dauer zu einer Konzentration auf große Händler mit breitem Sortiment führen und kleine Händler mit Spezialsortiment verdrängen. 3. Die Regulierungsanforderungen an die europäische FinTech-Branche dürfen diese nicht gegenüber den Banken benachteiligen.

Es sind also noch einige Hürden zu nehmen bis zum Start im November 2017. Und spannend wird es auch, ob und wie schnell die Konsumenten den neuen Service annehmen. Das Thema Instant Payments hat auch eine politische Dimension: Fast alle Kreditkarten und Debitkarten nutzen amerikanische Netzwerke von Visa, MasterCard, Amex oder Discover/Diners. Das gilt sogar für lokale Debitkarten wie die girocard/ec-Karte in Deutschland, Carte Bancaire in Frankreich oder Dankort in Dänemark. Auch hinter diesen scheinbar lokalen Zahlungsmitteln stehen MasterCard und Visa. Würden wir das Bargeld der EU heute abschaffen, liefen fast alle Kartenzahlungen in der EU durch amerikanische Netze. Ob Europa so abhängig sein will, muss die Politik entscheiden. Mit Instant Payments ist zumindest eine Entscheidung bereits gefallen – Europa bekommt so ein neues, rein innereuropäisches Zahlungssystem.

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Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
02.03.2017
Quelle(n):

Studie: Computop White Paper „Instant Payments“ (2017)

Foto: Niki Siegenbruck (Bank-Verlag)

Autor/in 
Ute Kolck
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