LGBT in der Arbeitswelt
Ich bin schwul. Ist das auch gut so?
 

Wer in Deutschland lesbisch, schwul, bi- oder transsexuell ist, legt seine sexuelle Orientierung gegenüber Arbeitskollegen meist nicht offen. Nur jeder Dritte outet sich im Job, heißt es in der Studie „Out@Work“ der Strategieberatung Boston Consulting Group. Die großen Banken hingegen haben sich schon früh als eine der ersten Branchen mit Netzwerken positioniert und setzen sich für mehr Offenheit ein. Was machen die Netzwerke, wie profitieren die Arbeitgeber und was bringt ein „Coming Out“ für den Job?

Die Stille, diese unglaubliche Stille. An sie erinnert sich Holger Reuschling noch so, als sei es gestern gewesen. Die Stille, mit der seine neuen Kollegen vor fünf Jahren bei einem Führungskräftetreffen auf seine Antwort reagierten. „Worauf sind Sie stolz?“, das sollte jeder in der Runde vorab beantworten. „Stolz bin ich auf meine Karriere, und dass ich es geschafft habe, mich als Homosexueller nicht mehr zu verstellen.“ Da war es raus.

Was in seinem privaten Umfeld längst alle wussten, machte dann auch bei seinem Arbeitgeber, der Commerzbank, die Runde. „Bis dahin hatte ich im Job die gesamte Klaviatur von Lügen und Ausreden perfektioniert“, sagt der Bankbetriebswirt, der heute im Kundenmanagement arbeitet. Aus Angst vor einem ungewollten Outing wickelte Reuschling sogar die Finanzierung des neuen Hauses, das er mit seinem langjährigen Lebenspartner bauen wollte, über eine andere Bank ab. „Die Situation wurde immer bedrückender“, erinnert sich der heute 49-Jährige. Statt sich ständig neue Geschichten auszudenken, hätte er viel lieber Fotos vom neuen Heim gezeigt und Kollegen zu sich nach Hause eingeladen.

„Ich bin schwul, und das ist auch gut so.“ Mit seinem wohl berühmtesten Zitat hatte Klaus Wowereit 2001 als Spitzenkandidat der SPD für die Berliner Bürgermeisterwahl ausgesprochen, was fast 20 Jahre später für viele Manager in der Wirtschaft immer noch undenkbar ist. „Das Thema sexuelle Orientierung ist nach wie vor ein Tabu in vielen deutschen Unternehmen. Damit schaden sich die Unternehmen vor allem selbst: Denn häufig ist ein offener Umgang im Job mit einer höheren Arbeitszufriedenheit verbunden“, weiß Annika Zawadzki, Principal bei der Boston Consulting Group und Autorin der 2019 veröffentlichten internationalen Studie „Out@Work“, für die die Strategieberatung 4.000 junge Berufstätige und Studenten befragt hat.

Nur 37 Prozent der LGBT-Talente legten gegenüber Arbeitskollegen offen, dass sie lesbisch, schwul, bisexuell oder transsexuell seien (LGBT steht für die englischen Bezeichnungen Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender); jeder vierte Betroffene sieht das „Coming Out“ im Job als Karrierefalle.

Dabei würden Arbeitgeber und Arbeitnehmer von einer offeneren Kultur stark profitieren, davon ist die Commerzbank-Bereichsvorständin Jenny Friese überzeugt: „Studien zeigen, dass die Leistungsfähigkeit von Mitarbeitern in einem vorurteilsfreien Arbeitsumfeld deutlich höher ist.“ Es sei erwiesen, dass LGBT-Talente bei der Wahl ihres Arbeitgebers sehr genau auf dessen Werte achteten. Teams, die eine offene Kultur pflegten, seien eher bereit, neue Wege zu gehen und Innovationen voranzutreiben. Auf der Kundenseite beobachtet die Managerin, dass LGBT, deren Familien und Freunde mit Blick auf eine Willkommenskultur besonders sensibel seien. Last but not least gelte die Gruppe als besonders kaufkräftig.

(...)

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in der Fachzeitschrift "die Bank" 08/2019. Die Ausgabe kann im Abo oder einzeln bezogen werden. Zusätzlich kann auch dieser Artikel einzeln bezogen werden.
 Diese Ausgabe kaufen
 Den vollständigen Artikel jetzt online kaufen
Kontakt  
Diesen Artikel ...  
Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
01.10.2019
Erschienen in Ausgabe:
08/2019
 Diese Ausgabe kaufen
 Diesen Artikel kaufen
Quelle(n):

Bildquelle: iStock.com/Marc Bruxelle

Autor/in 
Eli Hamacher
ist Diplom-Volkswirtin und arbeitet seit 30 Jahren als Wirtschaftsjournalistin. Die Freelancerin schreibt für „die bank“ vor allem über die Branche und Porträts über einzelne Unternehmen. Ein weiterer Fokus ihrer Arbeit sind Auslandsmärkte.
Weitere Artikel 
Webkiosk 

Die Zeitschrift

Ausgabe 08/2019

Jetzt online lesen »

 

 

Newsletter

die bank | Newsletter

Abonnieren Sie den kostenlosen redaktionellen Newsletter der Fachzeitschrift „die bank“.
Der Newsletter erscheint mindestens einmal im Monat und informiert Sie über aktuelle Beiträge und News.

 Anmeldung

 Newsletter-Archiv