Trotz hoher Aufwendungen für Regulierung und Compliance
HSBC Deutschland startet durch

Während die britische Großbank HSBC noch am Vortag eine Verlustexplosion im vierten Quartal in Höhe von 4,2 Mrd. US-$ verkünden musste, herrscht bei der Deutschland-Tochter in Düsseldorf derzeit eitel Sonnenschein. Carola Gräfin von Schmettow, Vorstandssprecherin bei HSBC Trinkaus & Burkhardt AG, konnte bei der Vorstellung der Jahresbilanz 2016 ausgezeichnete Zahlen präsentieren und beim Jahresüberschuss vor Steuern auf ein neues Rekordergebnis verweisen. Die Privatbank, die sich künftig HSBC Deutschland nennen will, konnte in einem schwierigen Umfeld weitere Marktanteile hinzugewinnen und den Ertrag deutlich steigern. Das Vorsteuerergebnis von 230 Mio. € wuchs um 5,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr und entspricht damit passgenau der Prognose aus dem Vorjahr. Der Jahresüberschuss beträgt 155,5 Mio. € und übertrifft damit ebenfalls den Vorjahreswert von 152,1 Mio. €. Das stärkste Wachstum erzielte die Bank im Segment Global Banking & Markets, das für fast 74 Prozent des Überschusses steht.

Vor allem das Eventgeschäft und die Kapitalmarktfinanzierung deutscher Unternehmen legte ordentlich zu, wie der kräftige Anstieg bei den Kreditprovisionen für die Finanzierung sehr großer Unternehmensübernahmen belegt, darunter etwa die Unterstützung von Bayer bei der Finanzierung der Übernahme von Monsanto. „Dieser Erfolg spricht für die Leistungsfähigkeit des HSBC-Netzwerks und die Kapitalkraft der HSBC-Gruppe“, so von Schmettow. Auch im Fixed Income-Bereich konnte HSBC Deutschland 2016 weiteren Boden gut machen; sie zählt heute zu den Top 3-Banken für das Geschäft mit Zinsprodukten in Deutschland. Eine weitere traditionelle Stärke der Bank sind die Wertpapierservices, die immerhin 141 Mio. € Erlöse beisteuerten. „Ich weiß, Themen wie Wertpapierabwicklung oder Fondsadministration klingen nicht sehr aufregend. Aber wer hier technologisch führend ist, hat damit eine stabile Einnahmequelle“, weiß von Schmettow.

Da durch den höheren regulatorischen Eigenkapitalbedarf für bislang gleiches Geschäft die Profitabilität der Banken generell abnimmt, sind stabile Erträge für das Geschäftsmodell zunehmend wichtiger geworden. Auch bei HSBC Deutschland ist der Verwaltungsaufwand um 7,1 Prozent gestiegen. „Die voranschreitende Regulierung ist zu einer dauerhaften Belastung bei den Betriebskosten geworden und schlägt sich überproportional zum Geschäftswachstum nieder“, sagt Finanzvorstand Paul Hagen. So habe die Bank in den letzten Jahren für Regulierung und Compliance mehr Personal einstellen und auf externe Berater setzen müssen, damit die regulatorischen Anforderungen vor den gesetzten Terminen vollumfänglich erfüllt werden konnten. Tendenziell rechnet Hagen mit weiter steigenden Aufwendungen, die aus der Verschärfung regulatorischer Bestimmungen zu erwarten sind. Dennoch will die Bank weiter wachsen. Gegen den Markttrend hat HSBC Deutschland die Bilanzsumme um 6,5 Prozent auf mehr als 23 Mrd. € vergrößert und ist damit in die Top 40 der deutschen Kreditinstitute aufgestiegen. „Wir wollen auch in Zukunft stärker wachsen als der Markt und als Dienstleistungsbank Marktanteile gewinnen“, sagt Hagen. Die Risikovorsorge ist mit 4,4 Mio. € (2016) erstaunlich gering, was auf die hohe Qualität des Kreditbuchs und eine gute Auswahl der Einzelkreditnehmer schließen lässt.

In das laufende Geschäftsjahr 2017 geht die Bank mit verhaltenem Optimismus. „Wir werden den eingeschlagenen Weg des ertragsorientierten Wachstums fortsetzen“, sagt von Schmettow. Darüber hinaus will HSBC Deutschland kräftig in die IT-Infrastruktur investieren mit dem Ziel, sich zukunftsfähig aufzustellen und die Plattformen für die Wertpapierinfrastruktur noch weiter zu stärken. Dazu zählen die Transaktionsabwicklung, die Depotbankfunktion sowie die Fondsadministration.

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Artikel veröffentlicht am:
22.02.2017
Autor/in 
Stefan Hirschmann
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