Alternative Finanzierungen
Hilfe für den Mittelstand
 

Zuletzt hat Deutschland es nur mit Mühe geschafft, nicht in eine Rezession zu geraten, und der Mittelstand – das Rückgrat der deutschen Wirtschaft – steht vor vielen Herausforderungen. Die benötigten Finanzierungen erhalten die Unternehmen heute seltener von Banken, die sich seit der großen Finanzkrise zunehmend aus der Kreditvergabe an KMU zurückgezogen haben. Für kleine und mittlere Unternehmen lohnt es sich daher, alternative Geldgeber unter die Lupe zu nehmen.

Deutschland bläst – konjunkturell betrachtet – scharfer Wind entgegen. Das Land verzeichnete im dritten Quartal 2019 ein Wachstum von 0,1 Prozent, nachdem es in den drei Monaten zuvor geschrumpft war und einer Rezession nur knapp entgangen ist. Darüber hinaus zeigten die jüngsten Daten des Statistischen Bundesamtes, dass die Unternehmen die Investitionen in Anlagevermögen reduzieren – ein deutliches Zeichen für einen negativen Ausblick. Thomas Gitzel von der VP Bank Gruppe kommentierte das so: „In den kommenden Quartalen wird die Wirtschaft auf der Schwelle zwischen Rezession und kleinem Wachstum bleiben".

Diese Aussichten und der Rückgang der Investitionen werfen erhebliche Fragen für die Gesundheit der deutschen Wirtschaft und für die 2,45 Millionen kleine und mittlere Unternehmen (KMU) auf, die fast 55 Prozent des BIP ausmachen und 18,3 Millionen Arbeitsplätze anbieten. Mittlerweile nutzten nach Angaben der Europäischen Zentralbank rund 56 Prozent der deutschen KMU externe Finanzierungen für Anlageinvestitionen, ein höherer Anteil als in anderen EU-Staaten.

Natürlich machen die unsicheren Konjunkturaussichten die Banken noch vorsichtiger, Kredite für KMU in ihren Bilanzen zu halten, da sie als risikoreicher angesehen werden und mehr Kapital vorgehalten werden muss, was die Rentabilität solcher Kredite einschränkt. Laut einer gemeinsamen Analyse der Technischen Universität Darmstadt und des Mittelstands konnten im Jahr 2018 63 Prozent der Unternehmen ihre Bank leicht vom Wert neuer Investitionen überzeugen. Ein Jahr später war dieser Wert um fast ein Fünftel auf 51 Prozent gesunken. Dieser Trend stellt den deutschen Mittelstand vor Herausforderungen, da Investitionen in neue Vermögenswerte und Produkte von entscheidender Bedeutung sind, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Der Mittelstand sieht sich aber wachsenden Schwierigkeiten gegenüber, die notwendigen Finanzmittel von Banken zu erhalten.

Alternative Finanzierungsoptionen

Eine Lösung für den Mittelstand sind alternative Finanzierungsmöglichkeiten, zum Beispiel der private Kredit. Dieser ist auf dem besten Weg, sich zu einer etablierten Finanzierungsquelle für KMU und mittelständische Unternehmen zu entwickeln, und diese Anlageklasse verzeichnet einen zunehmenden Kapitalfluss. Das Alternative Credit Council (ACC) schätzt, dass die verwalteten Vermögenswerte bis zum Jahr 2020 auf über 1 Mrd. US-$ steigen könnten.

KMU-Kreditnehmer bevorzugen diese Art der Kreditvergabe oft, weil sie maßgeschneidert ist, mehr Flexibilität als Bankfinanzierungen und wettbewerbsfähige Kreditbedingungen bietet. Sie wird auch als Quelle für langfristiges Kapital angesehen. Doch die Anlageklasse steht heute vor zwei wesentlichen Problemen, die für den deutschen Markt relevant sind.
Ein Problem sind beispielsweise die regulatorischen Barrieren für private Kreditgeber in Deutschland. Das deutsche Investmentgesetz schreibt strikte Regeln für bestimmte Anlagen, Leverage und Risikomanagement vor. Darüber hinaus sind einige der regulatorischen Merkmale, die Kreditfonds betreffen, tatsächlich dem Bankmodell nachempfunden und passen nicht unbedingt gut zusammen.

Vielleicht noch wichtiger ist, dass die Auswirkungen einer sich abzeichnenden Marktkorrektur den Zugang für KMU zu Finanzmitteln im In- und Ausland immer schwieriger machen könnten, insbesondere wenn private Kreditmanager bei ihren Investitionen selektiver werden. "Wir sind eindeutig zu spät im Zyklus und müssen uns dessen bei jeder Investition bewusst sein," sagte etwa Vermögensverwalter Mark Jenkins von der Carlyle Group kürzlich. Auch Ramesh Kashyap von Ninepoint Partners sieht einen wirtschaftlichen Abschwung kommen und warnt die Manager vor einer drohenden Kreditklemme.

ABF und Factoring zur Unterstützung des Mittelstands-Cashflows

Vor diesem Hintergrund wenden sich die deutschen Mittelständler zunehmend einem anderen Bereich der alternativen Finanzierung zu: Asset-Based Finance (ABF), insbesondere Factoring. Die KMU realisieren immer häufiger, dass die Kreditgeber zunehmend Appetit auf Kunden mit geringerem Risiko haben – was einfacher ist, wenn die Kredite durch physische Vermögenswerte und Rechnungen besichert sind. Aus diesem Grund haben ABF und Factoring so viel Potenzial und können die Cashflows der KMU sehr gut unterstützen.

Heute wird ABF durch ein fortschrittliches transaktionales Geschäftsmodell bereitgestellt, das auf allen Kontinenten eingeführt wurde. Denn ABF bietet mehr Erschwinglichkeit, Flexibilität, weniger Covenants und einen einfachen Zugang zu Betriebskapital. Es kann auch das Wachstum eines Unternehmens abbilden, sodass mit zunehmendem Umsatz und dem Ausbau des Unternehmens die Finanzierung automatisch erfolgt.

Offensichtlich nimmt das Factoring zu. Anfang letzten Jahres stieg der Umsatz der Mitglieder des Deutschen Factoring-Verbandes um 5 Prozent auf insgesamt 244,3 Mrd. €. Die Zahl der Kunden stieg um über 20 Prozent an, derzeit nutzen laut ibid mehr als 43.000 Kunden Factoring als alternative Finanzierungsform. Die Factoring-Quote, also das Verhältnis zwischen dem Volumen der angekauften Forderungen und dem Bruttoinlandsprodukt, lag zuletzt bei 7,1 Prozent. „Das beweist, dass Factoring im Bereich der Mittelstandsfinanzierung inzwischen fest etabliert ist", sagt Joachim Secker, Vorstandssprecher des Deutschen Factoringverbands.

Moderne, technologie-basierte Plattformen machen es möglich, diese Finanzierungsform auch für kleinste KMU zugänglich zu machen. Sie helfen dabei, die ABF-inhärenten Prozesse zu automatisieren, sodass Unternehmen über eine einzige Plattform alle Anlagen und Daten verwalten können, was die Prozesse erheblich erleichtert und beispielsweise Zahlungen automatisch zuordnen lässt.

Fazit

Für mittelständische Unternehmen scheinen alternative Finanzierungsmethoden der ideale Weg zu sein, sich in einer schwächelnden Konjunktur die benötigten Mittel zu sichern. Durch Vermögenswerte besicherte Finanzierungen stellen eine effiziente und effektive Alternative zu Bankkrediten dar. Neue Technologien haben den Zugang zu ABF für ein breiteres Spektrum von Unternehmen erleichtert, was dazu führte, dass der ABF-Einsatz in den letzten Jahren Rekordhöhen erreicht hat. Das ist gut für die Branche, aber auch gut für die deutschen Unternehmen.

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Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
20.12.2019
Quelle(n):

Bildquelle: Photo by Ibrahim Rifath on Unsplash

Autor/in 
Edwige Lemercier-White
  Regional Director beim Software-Hersteller HPD Lendscape.
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