Analyse
Große regionale Unterschiede im Bankgeschäft
 

In der Bundesrepublik sind die Großbanken mit Blick auf die absolute Kredithöhe die einzige große Bankengruppe ohne nennenswertes Ost-West-Gefälle. Zudem seien sie in ganz Deutschland so ausgewogen vertreten wie keine andere der großen Bankengruppen, heißt es in einer aktuellen Analyse von Deutsche Bank Research.

Zwar seien die Großbanken im Südwesten eher schwach aufgestellt, hätten aber in den Stadtstaaten sowie, gemessen am dort insgesamt niedrigeren Kreditvolumen, in Ostdeutschland eine relativ starke Marktposition. Abgesehen vom Ausreißer Hamburg lägen die Kredite pro Kopf in einer Spanne zwischen dem „Spitzenreiter“ Schleswig-Holstein mit 3.347 Euro und dem „Schlusslicht“ Saarland mit 1.501 Euro.

Verglichen mit dem insgesamt ausstehenden Kreditvolumen verfügen die Großbanken in den Stadtstaaten und den östlichen Bundesländern über hohe Marktanteile von in der Regel 20-25 Prozent, hieß es. In Berlin seien sie mit 34 Prozent sogar die stärkste Bankengruppe. Im Südwesten kämen die Großbanken dagegen nur auf einstellige Werte. „Es scheint sich für sie bis heute auszuzahlen, dass sie nach der Wende in Ostdeutschland entschlossen die sich bietenden Chancen ergriffen, ein dichtes Filialnetz aufbauten bzw. die existierenden Niederlassungen der Staatsbank übernahmen“, so die Forscher. Zudem profitierten sie dort bis heute von der strukturellen Schwäche der Genossenschaftsbanken.

Der Untersuchung zufolge sind auch die Sparkassen – zumindest was den Westen Deutschlands angeht – bemerkenswert ausgewogen aufgestellt. Im Westen variiere das Pro-Kopf-Volumen der Kredite an Privatpersonen nur zwischen 4.345 Euro in Hessen und 5.598 Euro im Saarland. Im Osten des Landes liege das Volumen jedoch deutlich niedriger, im Schnitt bei weniger als der Hälfte des westdeutschen Werts. In Berlin falle das Kreditvolumen noch einmal erheblich geringer aus, was an der relativ starken (Filial-)Präsenz konkurrierender Finanzinstitute liegen dürfte. „Unter dem Strich kommen die Sparkassen damit flächendeckend – mit Ausnahme Berlins – auf eine starke Marktstellung mit einem Anteil am Bestandsgeschäft von rund 25-35 Prozent, in Bremen sogar noch etwas mehr“, schreiben die Experten.  

Genossenschaftsbanken: Starke Position bei der Kredithöhe

Wie es weiter heißt, sind die regionalen Unterschiede bei den Genossenschaftsbanken wesentlich größer. Sie verfügen demnach im Süden und Westen über eine sehr starke Position mit einer Kredithöhe von rund 4.000 bis 6.000 Euro pro Kopf, seien dafür jedoch in den Stadtstaaten, im Norden und insbesondere im Osten (einschließlich Berlins) viel schwächer aufgestellt (in den fünf neuen Bundesländern liegt demnach das von Volks- und Raiffeisenbanken vergebene Kreditvolumen bei weniger als 1.000 pro Euro Kopf). Das sei zu einem guten Teil in der Geschichte des genossenschaftlichen Finanzwesens in Deutschland begründet, die offensichtlich bis heute über die relative Stärke mitentscheide.

Die Analyse zeige markante regionale Stärken und Schwächen der einzelnen Bankengruppen, so die starke Marktposition der Genossenschaftsbanken im Westen und Süden, oder die Stärke der Großbanken in Ostdeutschland. „Diese beruhen offensichtlich auf vor Jahrzehnten oder sogar schon vor über hundert Jahren getroffenen Entscheidungen bzw. damals bestehenden Gegebenheiten und sind bemerkenswert langlebig. „Die entscheidende Frage ist, ob sich diese Besonderheiten auch in den nächsten Jahren als robust erweisen werden“, warnen die Forscher. Die Digitalisierung führe durch Online- und Mobile-Banking, abnehmende Bargeldnutzung sowie völlig neue Marktteilnehmer aus dem Technologiesektor zu fundamentalen Umwälzungen.

„Es sei durchaus möglich, dass diese die bisherige, überwiegend auf Filialen beruhende Beziehung zwischen Bank und (Privat-)Kunde so sehr erschüttern, dass die historisch gewachsene Marktdreiteilung ins Wanken gerät – samt der unterschiedlich starken regionalen Präsenz der Bankengruppen“, resümiert DB Research. (ud)

Lesen Sie hier die vollständige Analyse Regionale Unterschiede im Bankgeschäft von Deutsche Bank Research.

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Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
20.11.2019
Quelle(n):
© iStock.com/anela
Autor/in 
Redaktion die bank
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