Neue Zweiklassengesellschaft
Gewinner und Verlierer im Private Banking

Bis zum Ausbruch der Finanzkrise zeichnete sich das Schweizer und Liechtensteiner Privatbanken-Universum durch überschaubare Regulierung und fast garantiertes jährliches Wachstum auf hohem Profitabilitätsniveau aus. Doch seit rund zehn Jahren stehen die Zeichen auf Veränderung. Das zeigt eine neue Studie der Unternehmensberatung Roland Berger, die knapp 60 Schweizer und Liechtensteiner Privatbanken umfassend analysiert hat. Demnach haben sich die Privatbanken in den vergangenen fünf Jahren verhalten positiv entwickelt. Es wird aber immer schwieriger, weiteres Wachstum und höhere Gewinne zu realisieren. Ein leichter, knapp zweiprozentiger Rückgang der Assets under Management (AuM) im Jahr 2015 hat eine Entwicklung unterbrochen, die zwischen 2011 und 2014 einen stetigen Anstieg der Kundenvolumina mit sich brachte. Auch beim Nettoneugeld zeigt sich ein klarer Dämpfer. Mit knapp 88 Mrd. CHF (ein Minus von fast 20 Prozent gegenüber 2011) wurde 2015 der geringste Wert der vergangenen fünf Jahre realisiert. Zusätzlich schrumpft die Bruttomarge auf mittlerweile noch 86 Basispunkte. „Drei Viertel aller Privatbanken haben in den letzten fünf Jahren einen Rückgang bei den Erträgen und der Bruttomarge verzeichnet“, sagt Markus Strietzel, Partner und Co-Head Financial Services von Roland Berger. "Die Cost-Income-Ratio blieb allerdings dank bereits ergriffener Kostenmaßnahmen mit einem Wert von rund 79 Prozent stabil."

Unverändert dominieren die beiden Schweizer Großbanken die Branche durch ihre schiere Größe – Kundenvermögen sowie Erfolgsrechnung – und globale Reichweite, nicht aber bei Wachstum, Bruttomarge und Effizienz. Zu den klaren Verlierern zählt Roland Berger dagegen die Gruppe der mittelgroßen Privatbanken mit AuM zwischen 25 und 100 Mrd. CHF, und dort vor allem die Private Banking-Geschäftseinheiten der größeren Auslandsbanken. Deren Problem des "stuck in the middle" ist aus der Studie klar ersichtlich, doch auch hier gibt es Ausnahmen. Generell ist die Größe eines Instituts kein Muss für den Erfolg: „Es gibt attraktive und erfolgreiche Nischen sowie passende Geschäftsmodelle, und es gibt Gewinner und Verlierer in jedem Größensegment“, so Bankenexperte Strietzel, der drei strategische Stoßrichtungen empfiehlt: Erstens "Volle Kraft voraus", zweitens "Wachstum und Konsolidierung auf hohem Niveau" und drittens "Fokussierung und Rentabilisierung". Die Privatbanken müssen ihre Geschäftsmodelle neu definieren und ihre Operating-Modelle den neuen Gegebenheiten anpassen. Besonders wichtig sei es außerdem für jedes Institut, so Strietzel, rasch die richtigen individuellen Antworten auf das Thema Digitalisierung zu finden. Denn die habe das Potenzial, die Branche nachhaltig zu verändern.

 

 

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Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
24.08.2016
Quelle(n):

Bildquelle: Fotolia.com/Thomas Söllner
Textquelle: Roland Berger-Studie "Quo vadis, Privatbank?" (August 2016)

Autor/in 
Stefan Hirschmann
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