Bankfiliale der Zukunft
Geschäftsstellen müssen attraktiver werden
 

In Deutschland schließen seit Jahren immer mehr Bankfilialen. Zwar lässt sich dieser Trend kaum noch umkehren. Doch mit innovativen Ansätzen könnten die Geldhäuser den Prozess zumindest verlangsamen.

Die Filiale vor Ort wird immer seltener. Banken schließen Geschäftsstellen, weil sich in Zeiten des Onlinebankings ein großes Filialnetz meistens kaum noch lohnt. Laut dem Webportal statista gab es im Jahr 2007 in Deutschland noch über 42.000 Filialen – 2016 waren es demnach nur noch knapp 32.000 Stück. Auch wenn sich dieser Trend kaum noch umkehren lässt, könnten die Banken mit innovativen Ansätzen das Filialsterben zumindest verlangsamen. Die Institute müssten hierzu jedoch bereit sein, über den nationalen Tellerrand zu schauen und sich im Ausland Ideen zu holen. „Deutsche Filialbanken begreifen erst allmählich, dass es für den persönlichen Kundenkontakt in der Filiale neuer ganzheitlicher Filialkonzepte bedarf, die über eine reine Modernisierung der Infrastruktur hinausgehen", erklärte Dr. Ingo Garczorz, Senior Partner der Managementberatung Berg Lund & Company (BLC).

Das mittelständische Beratungshaus warnte davor, dass in den kommenden fünf Jahren bis zu 15 Prozent der Niederlassungen der Banken geschlossen werden könnten. Steuerten die Geldhäuser gezielt um, könne es zu einer Verlangsamung des Fililalsterbens auf nur noch zehn bis zwölf Prozent kommen. Für einen erfolgreichen stationären Vertrieb seien folgende Punkte wesentlich: Grundsätzliche Positionierung, Standortwahl, Produktangebot, Preisstrategie, Ausstattung bzw. Erscheinungsbild, Filialprozesse, Vermarktung und Personal.

Den Kunden werden Regenschirme gereicht

Banken, die an einem oder mehreren dieser Punkte gearbeitet hätten, seien etwa die britische Metro Bank, M-Bank aus Polen, Santander aus Spanien sowie die kalifornische Umpqua Bank. Die Niederlassungen der Metro Bank öffneten zehn Minuten vor und schlössen zehn Minuten nach den offiziellen Öffnungszeiten – und das an 362 Tagen im Jahr. Bei Regen reichten die Mitarbeiter den Kunden an den Geldautomaten Regenschirme. Zudem stellten sie den Hunden der Kunden Wassernapf und Hundekekse vor die Nase. Der Service habe sich ausgezahlt: Seit der Gründung im Jahr 2010 habe die Bank rund 1,2 Mio. Kunden gewonnen.

Wie es weiter hieß, ist der Standort neben den Preisen nach wie vor das wichtigste Kriterium für die Wahl eines Instituts. Die Santander Select, die Premium Filialbank der spanischen Bank Santander, habe für ihre 200 exklusiven Filialen nur die besten Einkaufsstraßen ausgewählt. Die kalifornische Umpqua Bank kooperiere in ihren Geschäftsstellen mit lokalen Einzelhändlern, biete diesen Präsentations- und Verkaufsflächen an und stelle ihre Räumlichkeiten auch für Veranstaltungen zur Verfügung. „Um Filialen eine nachhaltige Legitimation zu geben, müssen auch deutsche Banken beginnen, ihr Filialnetz nicht nur zu straffen, sondern auch attraktiver zu gestalten", resümierte Garczorz. (ud)

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Artikel veröffentlicht am:
02.04.2019
Quelle(n):
Bildquelle: ChrisSteer | istockphoto.com
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Redaktion die bank
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