Jahrespressekonferenz der BaFin
Gefahr für traditionelle Geschäftsmodelle
 

Die Europäischen Finanzmärkte stehen nach Ansicht von BaFin-Präsident Felix Hufeld vor wichtigen Weichenstellungen, wobei die anstehenden Entscheidungen das gemeinsame Europa stärken und resistenter gegen Krisen machen müssten.

Dabei sei ihm Behutsamkeit wichtiger als Schnelligkeit, sagte Hufeld im Rahmen der Jahrespressekonferenz der Behörde laut vorab verbreitetem Redetext. Hufeld bezeichnete sich als „leidenschaftlichen Europäer“, dem das Subsidiaritätsprinzip am Herzen liege. Dass darum aber immer wieder gerungen werde müsse, zeige das Beispiel des Reviews rund um die Europäischen Aufsichtsbehörden (ESAs) EBA, EIOPA und ESMA. Es gebe keinen sachlichen Grund, die ESAs zu Aufsehern der nationalen Aufseher zu machen. Die ESAs ließen sich auch stärken, indem ihre bestehenden Kompetenzen besser genutzt würden. Niemand brauche ein bürokratisches Monstrum mit überlappenden Befugnissen und komplizierten Abläufen, so Hufeld. Und auch in Sachen europäische Einlagensicherung müsste vor einer Vergemeinschaftung der Einlagensicherung die Effizienz der Insolvenzrechtssysteme verbessert werden. Dazu gehöre es vor allem, die Risiken in den Finanzsektoren der Mitgliedstaaten ausreichend zu reduzieren. 

Über die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Bankenwelt sprach Raimund Röseler, Exekutivdirektor Bankenaufsicht. Vielen Instituten sei inzwischen klar, dass sie sich mit diesem Thema beschäftigen müssen. Der drastische Wandel werde wohl auch die traditionellen Geschäftsmodelle in Frage stellen. Es gebe große Player, die über große Datenmengen verfügten und ohne viel Personal und ohne Altlasten in der IT in den Finanzmarkt drängen könnten. Um in dieser digitalen Welt überleben zu können, müssten sich die Banken anpassen – und zwar schnell und fundamental, stellte Röseler fest. Gefragt seien neue Geschäftsmodelle, digitalere Wertschöpfungsketten und eine andere Kommunikation mit den Kunden. 

Die Digitalisierung fordert aber auch die Aufseher. Sie prüften, ob das gesamte Regelwerk und die Arbeitsprozesse noch zeitgemäß sind. Dies betreffe unter anderem das Thema Outsourcing und Fragen der Compliance. Durch Cyberkriminalität sind nicht nur Banken und Versicherungsunternehmen bedroht, die Hacker haben zunehmend auch die BaFin selbst im Visier. „Wir sind ein attraktives Ziel – allein wegen der Fülle an Daten, die uns Banken, Versicherer und andere Finanzdienstleister melden müssen”, sagte Béatrice Freiwald, Exekutivdirektorin Innere Verwaltung und Recht. Bislang blieben diese Angriffe glücklicherweise offenbar erfolglos, aber eine hundertprozentige Sicherheit gebe es nicht. Entscheidend sei, sich der eigenen  Verwundbarkeit bewusst zu sein, so Freiwald.  

Der aktuelle Jahresbericht 2017 ist ab sofort auf der Homepage der BaFin abrufbar. 

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Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
03.05.2018
Quelle(n):
Bildquelle: ©Markus Wegmann / istockphoto.com
Autor/in 
Redaktion die bank
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