Finanzplatz-Studie im Zeichen des Brexits
Frankfurt auf Pole-Position

Im Rennen um die Brexit-Banker liegt der Finanzplatz Frankfurt auf der Pole-Position. Zahlreiche Banken haben sich mittlerweile konkret dafür ausgesprochen, Arbeitsplätze von der Themse an den Main zu verlegen. Im Vergleich dazu wurden bisher kaum eindeutige Entscheidungen für andere Finanzplätze offiziell verkündet. Wie die aktuelle Finanzplatzstudie des Helaba-Bereichs Volkwirtschaft und Research zeigt, kommt Frankfurts Favoritenrolle nicht von ungefähr: Frankfurt ist das führende Finanzzentrum Kontinentaleuropas. Mit seinen vielen Assets besitzt es schon lange eine hohe Anziehungskraft auf Akteure aus dem In- und Ausland. Dabei kommen folgende Standortqualitäten besonders zum Tragen: Stabilität und Stärke der deutschen Volkswirtschaft, Sitz der EZB in ihrer Doppelfunktion, Verkehrsdrehscheibe mit guter Infrastruktur, relativ günstige Büromieten sowie eine hohe Lebensqualität bei reichhaltigem Freizeitangebot in der Stadt und im grünen Umland. Die Mainmetropole hat sich insbesondere in puncto Internationalität spürbar fortentwickelt und kann dem in- und ausländischen Publikum viel bieten.

Demgegenüber ist der Image-Schaden für London schon jetzt nicht mehr wegzudiskutieren, wenngleich die „City“ nach Einschätzungen der Helaba-Finanzexperten ihre herausragende Stellung in der Finanzwelt behalten dürfte. Die anhaltend hohe Unsicherheit über die künftigen Rahmenbedingungen in Großbritannien lässt es allerdings in der Gunst ausländischer Finanzplatz-Akteure sinken. Zudem ist das Scheitern der Fusion zwischen Deutscher Börse und London Stock Exchange als positiv für Frankfurt gerade im Verhältnis zum britischen Finanzstandort zu bewerten. Darüber hinaus könnte das deutsche Finanzzentrum als europäische Aufsichtsmetropole weiter gestärkt werden, sollte die länderübergreifende Bankenaufsichtsbehörde EBA hierher verlegt werden.

Angesichts seiner Pole-Position hat der Finanzplatz Frankfurt gute Chancen auf mindestens die Hälfte der von der Themse abwandernden Finanzjobs – dies wären über einen Zeitraum von mehreren Jahren etwa 8.000 Mitarbeiter. Bis Ende 2019 erwartet Helaba für Frankfurt eine gesamt Bankbeschäftigungszahl von rund 65.000. Dies wäre ein vierprozentiger Anstieg gegenüber dem letzten Stand von 62.400 Stellen Ende 2016. Sollte es zudem zu einem konfliktreichen Verhandlungsausgang zwischen Großbritannien und der EU kommen, wäre das Ausmaß der Jobverlagerung noch umfangreicher.

 

 

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Artikel veröffentlicht am:
31.08.2017
Quelle(n):

Textquelle: Helaba Volkswirtschaft/Research

Artikelbild: © fabioderby - Fotolia.com

Autor/in 
Redaktion die bank
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