Studie über die Blockchain
Finanzindustrie vor massiver Umgestaltung
 

Die Blockchain werde den technologischen Kern der Finanzindustrie deutlich umgestalten, heißt es in einer aktuellen Analyse von Hartmut Giesen, zuständig für digitale Geschäftsmodelle bei der Hamburger Sutor Bank. Mit Hilfe der Technologie finde eine Art „zweite Digitalisierung“ statt.

Banken setzen immer mehr auf Blockchain. Entwickelt werden etwa auf Blockchain basierende Projekte für Zahlungsvorgänge oder für das Know-Your-Customer-Regulationsmanagement. Doch so sehr die Technologie den Bankensektor bislang schon geprägt hat: Die eigentliche Blockchain-Revolution hat bisher offenbar noch nicht mal angefangen. Das werde sich mit dem Auftreten der Kryptotechs – also Unternehmen, die sich auf den Bereich Blockchain und Kryptowerte fokussieren – ändern, heißt es in einer aktuellen Analyse von Hartmut Giesen, zuständig für digitale Geschäftsmodelle bei der Hamburger Sutor Bank: „Die Blockchain wird den technologischen Kern der Finanzindustrie massiv umgestalten. Nicht von heute auf morgen, aber dafür tief und nachhaltig. Die Blockchain wird die Art und Weise, wie Werte erzeugt, verarbeitet und verteilt werden, grundlegend verändern“, so Giesen.

Gänzlich neue Modelle für den Austausch von Werten, etwa beim Bezahlen, dürften nicht mehr lange auf sich warten lassen. So wie Spotify oder Netflix mithilfe von digitaler Technik den Konsum von Inhalten revolutioniert haben, werde es ähnliche Entwicklungen auch im Finanzbereich beim Umgang mit Geld geben. Das bedeutet, auch für Kunden würden die technologischen Veränderungen deutlich spürbar. „Nutzer werden auf den heutigen Umgang mit Geld zurückschauen wie wir auf den Umgang mit CD und Video-Kassette“, erklärt Giesen.

Nur wenige FintTechs erwarben eigene Banklizenzen

Bei näherer Betrachtung der FinTech-Entwicklungen müsse man konstatieren, dass es sich in erster Linie um Prozess- und Geschäftsmodell-Innovationen handele. „Das Verdienst von FinTechs ist primär, vorhandene Infrastrukturen und Banking-Systeme mit digitalen Services oder mobilen, intuitiv zu handhabenden Frontends zu versehen“, betont Giesen. Dafür gingen FinTechs und Banken in der Regel Kooperationen ein, wobei die Kernaktivitäten wie Kontenführung oder, Depotverwahrung normalerweise das Aktionsfeld der Banken geblieben sind. Nur wenige FintTechs erwarben bislang für ihren Betrieb eigene Banklizenzen.

Mit der Blockchain finde nun eine Art „zweite Digitalisierung“ statt. „Die ‚erste Digitalisierung‘ hat die Erzeugung, Verteilung und Verarbeitung von Informationen neu gestaltet. Nun werden Werte, auch monetäre, vollkommen anders erzeugt, verteilt und verarbeitet werden können“, erklärt Giesen. Komplexe, zentrale Banking-Systeme dürften von dezentralen Blockchain-Systemen abgelöst werden, die Transaktionen von Kunden ohne aufwändige Abstimmungsprozesse zwischen Banken sofort ausführen. „Die Parameter für die Geldschöpfung und Kreditvergabe könnten von Zentralbanken in die Protokolle der entsprechenden Blockchains programmiert werden. Kapitalmarkt-Akteure sind über Blockchains vernetzt, die Schnittstellen zu den Geld-Blockchains besitzen. Die Vergabe von Krediten oder der Handel von Wertpapieren werden durch Smart Contracts automatisiert ausgeführt“, sieht der Experte die zukünftige Entwicklung.

Folgen der Blockchain-Revolution erst in ein paar Jahren spürbar

Die wahren Auswirkungen der Blockchain-Revolution dürften für Unternehmen und Kunden wohl erst in ein paar Jahren spürbar sein. Im ersten Schritt würden bestehende Prozesse „blockchainisiert“, erst dann kämen die Blockchain-basierenden Geschäftsmodelle. Giesen: „Die Möglichkeiten von dezentraler Geldschöpfung, programmierbarem Geld, Smart Contracts oder der Tokenisierung von Werten aller Art werden erst die Banken der nächsten Generation erkennen und in neue Geschäftsmodelle umsetzen, die wir heute noch gar nicht absehen können“.

Banken werden seiner Meinung nach die technische Revolution überstehen, weil der Staat möchte, dass Geldaktivitäten auch künftig von Kreditinstituten ausgeführt werden. Allerdings werden sich ihre Aktivitäten deutlich verändern – etwa hin zum Verwalten von Kunden-Wallets oder dem Betrieb von Blockchain-Knoten. Doch werden auch neue Player auftreten: „Die Banken der Zukunft werden Blockchain-basiert gegründet“, ist Giesen überzeugt. (ud)

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Artikel veröffentlicht am:
28.01.2020
Quelle(n):
Photo by Austin Distel on Unsplash
Autor/in 
Redaktion die bank
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