Kleinere und mittlere Unternehmen
Finanzierungsmodelle für die digitale Ökonomie
 

Firmen benötigen die richtigen Finanzierungsinstrumente, um den digitalen Strukturwandel gestalten zu können. Doch wie gut können sich europäische Firmen am Kapitalmarkt finanzieren? Und welche Fördermöglichkeiten gibt es?

Die Digitalisierung schreitet in der Wirtschaft rasant voran. Immer mehr Geschäftsmodelle basieren auf neuen Technologien wie etwa der Blockchain oder Künstlicher Intelligenz. Um im globalen Wettbewerb zu bestehen, benötigen Unternehmen die richtigen Instrumente zur Finanzierung des Strukturwandels. Bei Banken können intangible Vermögenswerte bislang jedoch nur eingeschränkt als Kreditsicherheit hinterlegt werden. Wie gut können sich europäische Firmen am Kapitalmarkt finanzieren? Und welche Fördermöglichkeiten gibt es? Das waren nur einige der Fragen, denen die Referenten und die zahlreichen Gäste aus der Finanzbranche anlässlich des Workshops „Benötigt die digitale Ökonomie neue Finanzierungsmodelle?“ im Institut der deutschen Wirtschaft (IW) nachgingen.

Wenn kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) Kapital zur Finanzierung digitaler Projekte brauchen, kommt etwa der in Luxemburg ansässige Europäische Investitionsfonds (EIF) ins Spiel. Der EIF ist auf Risikokapitalfinanzierungen und Garantien zugunsten von KMU spezialisiert. Er vergibt jedoch keine direkten Darlehen, sondern kooperiert mit Durchleitungsinstituten (Intermediären) wie etwa privaten Banken, an die sich die Interessenten wenden müssen, erläuterte Dr. Helmut Kraemer-Eis, Chief Economist beim EIF, auf der Veranstaltung in Köln. Mit dem Kapital des EIF als Sicherheit würden Garantien gegeben.

Instrumente und Initiativen

Laut der Deutschen Fördermittelberatung Subventa hat der EIF für KMU mehrere Instrumente bzw. Initiativen im Angebot. Demnach gibt es seit 2014 das Programm COSME (Programm für Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen und für KMU). Das Gesamtbudget liege bei 2,5 Mrd. Euro, für Finanzierungsinstrumente stehen demnach 1,44 Mrd. zur Verfügung. Deutsche Intermediäre seien die KfW Bank und der Verband deutscher Bürgschaftsbanken (VDB). Zudem richte sich das RSI (Risk Sharing Instrument) des EIF gezielt an KMU aus den Bereichen Forschung, Entwicklung oder Innovation bei der Risikokapitalfinanzierung. Wichtigster deutscher Finanzintermediär sei die Deutsche Bank.

Darüber hinaus verweist Subventa auf die Initiative JEREMIE (Gemeinsame europäische Ressourcen für kleinste bis mittlere Unternehmen), die von der Europäische Kommission und der Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) ins Leben gerufen worden ist. Hierbei solle den KMU in den Regionen der Zugang zu Finanzierungen erleichtert werden. Die Länder könnten dabei, auch über regionale Verwaltungsbehörden, Teile ihrer Strukturmittel des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) in die Expansion von Firmen oder deren innovativer Forschung investieren, heißt es.

Dr. Kraemer-Eis verwies auf eine EU-weite Erhebung der Europäischen Zentralbank (EZB) über den Zugang zu Finanzmitteln. Fehlender Zugang zu Finanzmitteln stellt demnach für 9 Prozent der KMU in der Europäischen Union (EU) die größte Schwierigkeit dar. In den letzten Jahren habe sich die Lage jedoch stark verbessert. Der Anteil der KMU mit diesem Problem sei zwischen 2009 und 2016 von 16 auf 9 Prozent zurückgegangen. Allerdings unterschieden sich die Ergebnisse zwischen den einzelnen Ländern. Den höchsten Anteil an KMU, für die der Zugang zu Finanzmitteln das größte Problem sei, verzeichneten demnach Griechenland und Zypern (in beiden Ländern 24 Prozent).

Eigenkapital für Start-ups unverzichtbar

Der Erhebung zufolge bestehen zwischen den EU-Ländern zudem deutliche Unterschiede hinsichtlich der Finanzierungswege für KMU. Dies betreffe Aspekte wie den relativen Umfang der von den Firmen in Anspruch genommenen Finanzierungsquellen, den Entwicklungsstand der verschiedenen Arten von Finanzinstitutionen, etwa Banken und Investmentfonds, sowie den Entwicklungsstand der Segmente der Finanzmärkte, zum Beispiel der Wertpapier-, Anleihe- und Verbriefungsmarkt. Die wichtigsten Möglichkeiten der direkten Fremdfinanzierung für KMU seien Kreditrahmen, Bankdarlehen und Leasing. Für rasch wachsende Start-ups hingegen sei Eigenkapital unverzichtbar.

Krämer-Eis betonte, dass das EIF intensiv mit FinTechs zusammenarbeite, die nicht selten mit Schwierigkeiten zu kämpfen hätten. Laut einer Studie der Beratungsgesellschaft PwC stellten mehr als 230 Fintechs seit 2011 ihr Geschäft ein. Rund jede fünfte Firma verschwand demnach wieder vom Markt. FinTechs würden im Durchschnitt knapp vier Jahre alt, die meisten scheiterten im dritten oder vierten Geschäftsjahr. Die Finanzierung sei stets ein wesentlicher Erfolgsfaktor.

Krämer-Eis warnte jedoch davor, sich ausschließlich auf die kleinen, agilen Start-ups zu fokussieren, auch die BigTechs müssten im Auge behalten werden. Diese seien auf den Finanzmärkten derzeit extrem aktiv, da sie über viele Daten und weit entwickelte Technologien verfügen würden. So habe der Zahlungsdienstleister Paypal damit angefangen, Mittelstandskredite zu vergeben. Auch Apple, Google und Alibaba seien bereits im Finanzsektor unterwegs und übten erheblichen Druck auf die Akteure aus.

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Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
28.08.2019
Quelle(n):

Bildquelle: iStock.com/swissmediavision

Autor/in 
Dogan Michael Ulusoy
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