Von Lars Skovgaard Andersen
Fehlen chinesische Aktien, hat das Portfolio einen Schwachpunkt
 

Die Volksrepublik China hat am 1. Oktober ihren 70. Geburtstag gefeiert. Es lud allerdings kein geschwächter Greis zur Party ein, sondern ein stämmiger Jubilar: Von 1978 bis 2014 verzeichnete China ein durchschnittliches jährliches Wachstum von fast zehn Prozent und das Land ist heute nach den USA die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt.

1978 lag das Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Einwohner deutlich unter dem Durchschnitt afrikanischer Staaten. Trotz des imposanten Wachstums rangiert China gemessen am BIP pro Einwohner aber immer noch weit hinter den Industriestaaten, wie beispielsweise den USA, Deutschland oder den skandinavischen Ländern. Seit der Finanzkrise trägt China am stärksten zum globalen Wachstum bei, obwohl sich seine Wirtschaft in den letzten Jahren verlangsamt hat. Wir erwarten, dass das Wachstum 2019 bei 6,2 Prozent landen wird. 

Für das rückläufige Wachstum gibt es mehrere gute Gründe. Zum einen altert die Bevölkerung, was eine schwindende Arbeitskraft zur Folge hat. Zum anderen haben die Chinesen allmählich die niedrig hängenden Früchte in Form des Wissenstransfers von der Außenwelt geerntet, durch den sie ihre Produktivität steigern konnten. Ab jetzt muss das Wachstum stärker durch heimische Innovationen vorangetrieben werden. Zudem wurde Chinas Wachstum von einem hohen Investitionsniveau getragen, das sich künftig nur schwer aufrechterhalten lässt, da das Land heute viel stärker verschuldet ist als noch vor zehn Jahren. Sein Wachstum liegt aber immer noch weit über dem Niveau westlicher Volkswirtschaften. Daher wird Chinas globale Bedeutung in den kommenden Jahrzehnten weiter steigen.

Aus einem weiteren Blickwinkel betrachtet ist der Handelskrieg zwischen den USA und China vermutlich nur ein kleiner Stolperstein, der für Unsicherheit sorgt und das chinesische Wachstum auf kurze Sicht weiter schwächt. 

Wichtiger Zwerg am Aktienmarkt 

Was die Börse betrifft, ist China auf globaler Ebene allerdings nach wie vor nur ein Zwerg. Chinesische Aktien machen lediglich 3,8 Prozent des globalen Aktienmarkts aus, gemessen am MSCI AC World Index. Zum Vergleich: Die USA verbuchen 56 Prozent für sich.

Fakt ist jedoch: Als Investor kommt man um China nicht herum. Alle Anleger sollten chinesische Aktien im Portfolio halten, sodass sie eine direkte Ausrichtung auf diesen bedeutenden Teil der Weltwirtschaft haben. Sonst würde das Portfolio einen Schwachpunkt aufweisen. Aktuell empfehlen wir eine neutrale Gewichtung in chinesischen Aktien, da der Handelskrieg für Unsicherheit sorgt. Dieser hat China härter getroffen als die USA. Gegen eine Untergewichtung spricht jedoch, dass die Aktien im Verhältnis zu den erwarteten künftigen Unternehmensgewinnen relativ günstig bewertet sind und zudem deutlich steigen können, wenn es früher als erwartet zu einer Handelsvereinbarung kommen sollte. 

Trotz der jüngsten Annäherungen zwischen Amerikanern und Chinesen und einer neuen Verhandlungsrunde im Oktober ist das Hauptszenario von Danske Bank Asset Management, dass es erst nach der US-Präsidentschaftswahl im November 2020 zu einem Handelsabkommen kommen wird. 

Viele staatliche Firmen in strategisch wichtigen Bereichen

Wirft man einen genaueren Blick auf den chinesischen Aktienmarkt, haben die Branchen IT und Finanzen aktuell eine extrem hohe Gewichtung im Index MSCI China, allen voran Technologieriesen wie Tencent, Alibaba und Baidu sowie die großen Banken China Construction Bank und Bank of China. Gleichzeitig dürfen Anleger nicht außer Acht lassen, dass der chinesische Aktienmarkt viele staatliche Unternehmen in strategisch wichtigen Bereichen wie Stahl, Kohle, Öl, Telekommunikation und Finanzen umfasst – und diese Unternehmen werden nicht unbedingt nur aus kommerzieller Hinsicht vorangetrieben. Im Allgemeinen sind sie weniger profitabel als in Privatbesitz befindliche Unternehmen. 

Seit vielen Jahren notieren chinesische Aktien im Vergleich zu Papieren aus entwickelten Märkten wie den USA, Europa und Japan mit einer beachtlichen Risikoprämie (das heißt mit einem niedrigeren Preis in Relation zum Unternehmensgewinn). Gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) auf Basis der erwarteten Unternehmenserträge der kommenden zwölf Monate werden chinesische Aktien im Vergleich zu globalen Titeln seit Jahren mit einer Risikoprämie gehandelt. Die Bewertung chinesischer Aktien liegt aktuell auf dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre.

Unsicherheit über das künftige Wachstum

Die Risikoprämie chinesischer Aktien ist unter anderem der Unsicherheit über das künftige Wachstum, der geringeren Transparenz, dem Währungsrisiko sowie aktuell auch dem Handelskrieg geschuldet. Die Streitigkeiten zwischen den USA und China produzieren fortlaufend neue Meldungen, Geschichten und Gerüchte, die chinesische Aktien beeinflussen. Dazu kommt das politische Risiko eines machtvollen Staats mit weitaus größerem Einfluss auf die Wirtschaft, als wir es aus unseren Breitengraden kennen. 

Dies gehört ebenfalls zu den Faktoren, die die Dinge für Anleger in China etwas undurchsichtiger machen. Wir halten die Risikoprämie und die Zukunftsaussichten jedoch für interessant genug, dass Anleger trotz allem chinesische Aktien im Portfolio haben sollten.

Ein Marktommentar von Lars Skovgaard Andersen, Investmentstratege bei Danske Bank Asset Management.

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Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
29.10.2019
Autor/in 
Lars Skovgaard Andersen
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