Neue Stresstest-Studie
Europas Banken zeigen Kapitallücken

Im Fall einer neuen Finanzkrise mangelt es Europas Banken an genügend Eigenkapital, um die zu erwartenden Verluste auszugleichen. Wie groß diese Verluste ausfallen, hängt allerdings davon ab, welchem Stress-Level die Kreditinstitute ausgesetzt sind. Eine aktuelle Studie von Prof. Dr. Sascha Steffen, Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) Mannheim und Universität Mannheim, zusammen mit Viral Acharya, New York University Stern School of Business, und Diane Pierret, Universität Lausanne, hat die jüngsten Stresstest-Resultate der europäischen Banken untersucht – mit dem Ergebnis, dass die Fehlbeträge je nach Krisenszenario und Methode Schwankungen in Milliardenhöhe aufweisen. Die Schwankungen sind insbesondere bei Banken in Frankreich, Großbritannien, Deutschland, Spanien und Italien ausgeprägt. Für ihren Vergleich zogen die Wissenschaftler zunächst zwei Maßstäbe heran: zum einen den Ansatz der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde (EBA) für den Bankenstresstest 2014, zum anderen die Methode der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) für den Stresstest 2016 im Bankensektor der USA. Ausgehend von den Annahmen, die die EBA und die Fed zugrunde legten, erweiterten die Forscher ihren Vergleich um einen marktbasierten Ansatz, nämlich die Annahme eines Einbruchs der weltweiten Aktienmärkte um 40 Prozent innerhalb von sechs Monaten. Untersucht wurden – analog zum Bankenstresstest der EBA 2016 – 51 europäische Kreditinstitute, 34 davon börsennotiert.

Unter den Bedingungen des EBA-Krisenszenarios belaufen sich die Fehlbeträge aller 51 Banken auf insgesamt 5,6 Mrd. €. Das Fed-Krisenszenario dagegen weist Fehlbeträge in Höhe von insgesamt 123 Mrd. € für alle betrachteten Banken aus. Die Geldhäuser mit den größten Kapitallücken sind im Fed-Szenario die Deutsche Bank (19 Mrd. €), die französische Société Générale (13 Mrd. €) und die französische BNP Paribas (10 Mrd. €). Die Kapitallücken, die die Autoren anhand des Stresstests mit Marktdaten, also bei Annahme eines Einbruchs der weltweiten Aktienmärkte um 40 Prozent in sechs Monaten, für die 34 börsennotierten Banken aufgedeckt haben, beliefen sich auf 675 Mrd. €, im Fed-Stresstest auf 92 Mrd. €. Dabei erwiesen sich die französische Crédit Agricole (79 Mrd. €), BNP Paribas (75 Mrd. €) und die Deutsche Bank (60 Mrd. €) als die Banken mit den größten Fehlbeträgen. „Der kürzlich von der EBA durchgeführte Stresstest zielte in erster Linie darauf ab, die Eigenkapitalquoten der Banken in der Eurozone transparent zu machen, weniger darauf, die Kapitalschwächen der Banken offen zu legen“, erklärt Prof. Dr. Sascha Steffen, Leiter des ZEW-Forschungsbereichs. Der Vergleich zeige, weshalb die Differenzen zwischen den beiden Methoden so enorm seien: „Die Annahmen mit Blick auf die Eigenkapitalquoten weichen stark voneinander ab, das Verlustpotenzial ist je nach Szenario wesentlich höher und die Banken zeigen deutliche Unterschiede, wenn man den Marktwert ihres Eigenkapitals ins Verhältnis zum Buchwert setzt.“ Die Mängel, die die kombinierten Krisenszenarien offenbaren, könnten laut Sascha Steffen behoben werden: „Die USA haben ihre Schlüsse gezogen und bereits 2008 umfangreiche Maßnahmen zur Rekapitalisierung des amerikanischen Bankensektors getroffen. In Europa fehlt dazu noch der politische Wille.“

 

 

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Artikel veröffentlicht am:
10.08.2016
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Redaktion die bank
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