Regulierungsdruck
Euler gegen alle

Klaus Euler, Vorstandsvorsitzender der Ethikbank, weiß, wie er sein Institut ins Gespräch bringt. Die Mini-Bank, genau genommen eine Zweigniederlassung der Volksbank Eisenberg eG, leidet unter den schwierigen Rahmenbedingungen für mittelständische Kreditinstitute, der anhaltenden Niedrigzinssituation und der Fülle regulatorischer Anforderungen. Der bürokratische Aufwand bringt die Ethikbank an den Rand der Belastungsgrenze, doch dieser Entwicklung will Euler nicht tatenlos zusehen. Der Mann hat Ideen. Um auf die bedrohliche Situation aufmerksam zu machen, treten er und seine Mitarbeiter einen Tag öffentlichkeitswirksam in den Ausstand. Da passt ein flankierender Gastbeitrag Eulers in der eher links gerichteten „Frankfurter Rundschau“ bestens ins Bild, der sich mit dem drohenden Aussterben des genossenschaftlichen Bankenmodells auseinandersetzt – übrigens parallel zum Jahresempfang der Deutschen Genossenschaften in Berlin. Insbesondere die Regulierungswut der Europäischen Union (EU) setze den regional verankerten Banken zu. Zwar sei es nachvollziehbar, dass die EU eine erneute Bankenkrise verhindern wolle. Doch die Kontrollmechanismen ließen sich von den kleinen Volksbanken und Sparkassen kaum noch schultern und schränkten ihren Handlungsspielraum erheblich ein. Der Bankchef sieht darin eine mehr als nur fehlgeleitete Bankensicherungspolitik, bei der „aus Versehen" die mittelständischen Banken unter die Räder geraten.

Auch die kreditwirtschaftlichen Verbände kriegen ihr Fett weg. Obwohl den politischen Vertretern beim Bundesverband der Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) und dem Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV) diese Entwicklung bewusst sei, vermieden sie die offene Konfrontation, schreibt Euler. Sie betrachteten das Problem fatalerweise als ein bankentechnisches und verkannten die politische und soziale Tragweite der Entwicklung. Im Ergebnis sterben „hierbei nicht nur ein paar Filialen, sondern vor allem stirbt die genossenschaftliche Idee im Bankensektor“. Euler gegen alle. Und dies ausgerechnet in einer Zeit der Hochblüte. Allein in Deutschland vereinen die rund 7.900 Genossenschaften etwa 22 Millionen Mitglieder. Sie bieten 930.000 Menschen einen Arbeitsplatz. Auch weltweit kommt den Genossenschaften eine enorme wirtschaftliche Bedeutung zu. Nach Angaben des Internationalen Genossenschaftsbundes ICA arbeiten mehr als 250 Millionen Menschen bei einer Genossenschaft. Rund eine Milliarde Genossenschaftsmitglieder gibt es rund um den Globus.

In einer Sache allerdings irrt der mutige Bankchef Euler: Dass Großbanken weitaus weniger unter den Auflagen der Regulierungsbehörden leiden und somit ein ungerechtfertigter Wettbewerbsvorteil aufrechterhalten wird, ist falsch. Das Gegenteil ist richtig, denn die großen Institute müssen noch viel mehr Normen berücksichtigen als die kleinen Banken. Wenn schon von einer fehlgeleiteten Bankpolitik die Rede ist, dann gilt dies zweifellos für alle. Erhebungen aus den USA haben gezeigt, dass die bloße Institutsgröße ihren Preis fordert und kleinere Banken mit Bilanzsummen zwischen 5 und 50 Mrd. US-$ etwa zehn Prozent profitabler sind als größere Banken.

Letztere müssen für zusätzliche Kapitalpuffer sorgen und so finanziert sein, dass sie ohne Einspringen des Staates und damit des Steuerzahlers abgewickelt werden können. Die Kapitalanforderungen für Großbanken sehen vor, ab 2019 einen Verlustpuffer von mindestens 16 Prozent der jeweiligen Bilanzrisiken vorzuweisen. Dieser Puffer soll drei Jahre später auf mindestens 18 Prozent anwachsen. Das ist eine ganze Menge, unterm Strich handelt es sich um einen höheren dreistelligen Milliardenbetrag allein an verlusttragendem Kapital für die globalen Banken.

Man muss aber gar nicht weit in die Welt blicken, denn auch direkt vor Haustür ächzen die großen Banken unter dem Regulierungsdruck. Glücklich kann sich etwa schätzen, wer nicht bei der jüngsten Stresstestrunde der EBA mitmachen musste, die 51 Geldhäuser in der EU – davon zehn aus Deutschland – erfasst hat. In einer mittelgroßen Bank bindet das Prozedere über Wochen hinweg schnell eine dreistellige Mitarbeiterzahl. Ohne die Unterstützung einer Armee von externen Beratern sind diese regulatorischen Großprojekte nicht mehr zu bewerkstelligen. Ein Wettbewerbsvorteil dürfte da wohl nur auf Seite der Beratungsunternehmen entstehen. Wer jetzt nicht aufrüstet, kann in einigen Monaten die Nachfrage nach kompetentem Personal nicht mehr befriedigen. Die Strategie- und Managementberatung zeb, spezialisiert auf den Bereich Financial Services, hat gerade angekündigt, in diesem Jahr 150 neue Berater einzustellen.

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Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
07.03.2016
Quelle(n):

Bild (oben): zeb-Gruppenfoto neuer Mitarbeiter
Bild (unten): Klaus Euler, Vorstandsvorsitzender der Ethikbank.

Autor/in 
Stefan Hirschmann
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