Immer weniger Unterschriften
ELV-Umsatz brach 2018 ein

Liegt es nur an der geänderten Interchange-Fee, oder haben angesichts moderner, kontaktloser Systeme einfach immer weniger Kunden Lust, an der Kasse eine Unterschrift zu leisten? Das Nutzungsverhalten hat sich jedenfalls gewaltig verschoben, die Branchenexperten von der PaySys-Consultancy sprechen gar von einem „dramatischen Rückgang“ für das unterschriftsbasierte ELV-Verfahren, das jahrzehntelang von kontinuierlichem Wachstum verwöhnt wurde. 

Im Jahr 2018 sank sein Umsatzanteil um -18,8 Prozent auf 63,6 Mrd. € (2017 waren es noch 78,3 Mrd. € gewesen). Zugleich verzeichnete das girocard-System des deutschen Kreditgewerbes ein außerordentliches Wachstum um 15,1 Prozent. Mittlerweile erfolge nur noch jede vierte Zahlung mit der girocard in Verbindung mit der Unterschrift. Die Zahlen stammen aus der Hochrechnung der Frankfurter Unternehmensberatung zur jährlich herausgegebenen Kartenmarktstatistik Deutschland. 

Der Einsatzpreis dürfte laut PaySys Hauptgrund für die steigende Beliebtheit des girocard-Verfahrens sein. Bedingt durch die vom Kartellamt verordnete Abschaffung des einheitlichen Händlerentgelts (früher 0,3 Prozent vom Umsatz) und die europäische Interchange Fee-Verordnung mit der Obergrenze von 0,2 Prozent für Debitkartentransaktionen seien die seit November 2014 bilateral ausgehandelten Entgelte für die Akzeptanz der girocard am POS kontinuierlich gesunken. Das Entgelt liege jetzt im Durchschnitt deutlich unter 0,2 Prozent, was das girocard-System gegenüber ELV deutlich wettbewerbsfähiger mache. Seither zeige die Kartenmarktstatistik ein langsameres Wachstum von ELV im Vergleich zum girocard-Verfahren. 

„Den kartenherausgebenden Kreditinstituten ist es erfolgreich gelungen, das konkurrierende ELV-Verfahren durch substitutionsabhängige Preise erheblich zu schwächen“, sagt Dr. Hugo Godschalk von PaySys. Selbst die Mineralölkonzerne – sie haben aus preistaktischen Gründen früher gezielt auf ELV gesetzt – haben offensichtlich ihren Widerstand aufgegeben, denn auch in diesem Marktsegment hat das girocard-System zuletzt das ELV in erheblichem Umfang verdrängt. Insgesamt zeige der gesamte im Jahr 2018 mit der girocard getätigte Umsatz wieder ein moderates Wachstum in Höhe von 4,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr, was den Wachstumsraten der letzten Jahren entspreche (2016 waren es 3,9 Prozent, 2017: 6,2 Prozent). Der Durchschnittsbon der mit der girocard getätigten Zahlungen wird währenddessen kontinuierlich günstiger. Dieser Trend zeige, dass mit der Debitkarte immer mehr Bargeldzahlungen verdrängt würden, und dazu habe auch die zunehmende Beliebtheit von kontaktlosen Zahlungen beigetragen. (kra) 

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Artikel veröffentlicht am:
02.05.2019
Quelle(n):
Grafik: PaySys-Consultancy GmbH 
Autor/in 
Redaktion die bank
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