Banken setzen auf Outsourcing
Effizienz und Wachstum rücken in den Mittelpunkt
 

Während der Fokus in den letzten Jahren fast ausschließlich auf der fristgerechten Umsetzung nationaler und europäischer Regulierungsvorschriften lag, stehen in vielen Banken nun zunehmend Wachstums- und Effizienzprogramme im Mittelpunkt. Diese zielen darauf ab, den gestiegenen Kundenansprüchen gerecht zu werden und operationelle Effizienzpotenziale zu realisieren.

Bereits seit Jahren werden die Herausforderungen im Bankenmarkt vielschichtiger und komplexer. Der Wettbewerb zwischen den Instituten verschärft sich aufgrund sinkender Margen durch das anhaltende Niedrigzinsumfeld. Zudem prägen Unsicherheiten durch veränderte Kundenbedürfnisse und neue Technologien das Geschäftsumfeld. Die Konkurrenzsituation verschärft sich durch neue, kundenzentrische und agile FinTechs als innovative Konkurrenten, die den Markt und damit auch die Banken mit neuen Ideen treiben.

Während die letzten Jahre von der Umsetzung erweiterter, regulatorischer Anforderungen geprägt waren, müssen die Banken nun ihre klassischen Geschäftsmodelle hinterfragen, um weiterhin erfolgreich am Markt bestehen zu können. Zum einen müssen bestehende Ablauforganisationen und IT-Strukturen industrialisiert werden. Zum anderen ist es essenziell, die eigenen Geschäftsziele an den Kundenbedürfnissen auszurichten. In diesem Kontext können durch Business Process und IT-Outsourcing (BPO/ ITO) maßgeschneiderte, integrierte und digitale Lösungen umgesetzt werden, auch über das klassische Bankgeschäft hinaus. Für die notwendige Nachhaltigkeit sorgt eine stabile und gleichzeitig effiziente sowie regulatorisch konforme Ablauf- und IT-Organisation. Trotz initialem Mehraufwand bei der Umsetzung regulatorischer Anforderungen, können hier die Vorteile von BPO/ ITO durch Zentralisierung der Dienstleistersteuerung weiterhin überwiegen. Die fachliche Expertise bleibt darüber hinaus dezentralisiert.Vor diesem Hintergrund hat die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC zum dritten Mal – und in dieser Auflage erstmalig in Kooperation mit der Frankfurt School of Finance & Management – den Markt der bankfachlichen Dienstleister untersucht. In diesem Rahmen wurden ebenso Banken in die Befragung einbezogen. Ziel der Studie ist, den deutschen BPO/ITO-Markt zu analysieren und den Reifegrad der Unternehmen zu untersuchen. Gleichzeitig werden Entwicklungen in Hinblick auf Prozess-, Service- und Vertriebsmanagement betrachtet und aktuelle Auslagerungstrends identifiziert.

Der Markt für BPO-Dienstleistungen ist durch Dynamik und Wachstum geprägt
Eine Neuausrichtung der Geschäftsmodelle deutscher Bankhäuser erfordert primär die Fokussierung auf die eigene Kernkompetenz. Dieser Aspekt zeigt sich in einem veränderten Auslagerungsverhalten und den unternehmenseigenen Auslagerungszielen. Während deutsche Finanzinstitute bisher hauptsächlich die Auslagerung von Unterstützungsprozessen zur Realisierung kurzfristiger Kosteneinsparungen genutzt haben, stehen nun komplexere, wertschöpfende Bereiche außerhalb des Kerngeschäfts im Fokus. In diesen Bereichen stehen inzwischen vermehrt die Realisierung langfristiger Einsparungen sowie der Zukauf von Expertise im Vordergrund.

Die verfolgten Auslagerungsziele spiegeln dabei die erwartete Entwicklung des BPO/ ITO-Markts wider. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die Stimmung im Dienstleistermarkt durchweg positiv ist. Knapp drei Viertel (73 Prozent) der Dienstleister erwarten in Zukunft weit mehr Auslagerungen von Prozessen und Aktivitäten der Kreditinstitute. Dienstleistungen werden dabei primär extern hinzugekauft – lediglich 9 Prozent der Dienstleister sehen die Erbringung von Services zukünftig konzernintern. So wird der aufwendige und kostenintensive Aufbau eigener Kompetenzzentren umgangen und der Zugriff auf langjährige Expertise, niedrigere Kosten durch Skaleneffekte und hohe Innovationsbereitschaft durch Spezialisierung ermöglicht. Analog dazu erwartet die Mehrheit der Dienstleister ein deutliches Wachstum der Nachfrage in den Bereichen Marktfolge Passiv (94 Prozent) und Finance & Accounting (84 Prozent), während u. a. eine Stagnation bzw. ein Rückgang der Nachfrage in den Bereichen Postdienstleistungen (69 Prozent) und Personal (73 Prozent) erwartet wird. Für den Zahlungsverkehr, als einer der am höchsten standardisierten und automatisierten Prozesse in der Finanzwirtschaft, sehen die befragten Dienstleister kein weiteres Auslagerungspotenzial mehr.

Auslagerungspotenziale werden noch nicht vollständig genutzt
Der Trend hin zum Einkauf komplexerer Dienstleistungen ist nicht verwunderlich, da sich deutsche Banken im Sourcing-Lebenszyklus noch weit hinter den Dax-30-Industrieunternehmen und der internationalen Konkurrenz befinden. Diese profitieren bereits seit Jahren von der Auslagerung hochkomplexer Geschäftsbereiche und der Integration von Zulieferern im Wertschöpfungsprozess. Hierunter fällt im Financial-Services-Kontext etwa die Einbindung von FinTechs als weitere Zulieferer für die Bereitstellung von Softwarelösungen oder vollständiger Serviceleistungen für Endkunden, wie z. B. Robo Advice. Zwar haben deutsche Kreditinstitute bereits vor Jahrzehnten begonnen, sich über Outsourcing aus dem Spannungsfeld von Kosten,- Innovations- und Qualitätsdruck zu lösen, jedoch lag der Fokus in den 1990er Jahren vorwiegend auf der Auslagerung von IT. Durch die Auslagerung kompletter IT-Landschaften wurden signifikante Kostenvorteile realisiert. Seit der Jahrtausendwende ist bei deutschen Finanzinstituten ein zunehmender Trend zur Verlagerung von Geschäftsprozessen zu erkennen. Von Mitte bis Ende des ersten Jahrzehnts starteten insbesondere auch Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken mit Auslagerungsinitiativen und der Ausgründung von Service Centern. Im Zentrum dieser Initiativen standen jedoch hauptsächlich bereits stark standardisierte und weniger komplexe Prozessstrukturen sowie die damit einhergehende Erfüllung regulatorischer Anforderungen.

 

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07/2017

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Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
29.06.2017
Erschienen in Ausgabe:

07/2017

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Quelle(n):
Bildquelle: ©enviromantic - iStockphoto
Autor/in 
Holger Kern, Marcus Schmermer

Dr. Holger Kern ist Leiter Management Consulting, Marcus Schmermer ist Manager bei PwC.
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