Kampf gegen Geldwäsche
Digitalisierung in Compliance-Prozessen
 

Ob Panama-Papers oder Terroranschläge – beide verdeutlichen nur einen Teilaspekt der steigenden Bedeutung von Geldwäschebekämpfung für die Finanzinstitute. Die Regulatorik nimmt an Umfang und Geschwindigkeit stetig zu. Nur kurze Zeit nach der Vierten Auflage wurde im Juni bereits die Fünfte EU-Geldwäscherichtlinie verabschiedet, die unter anderem die Sorgfaltspflichten konkretisiert und erweitert. Bis Januar 2020 muss sie auf der nationalen Ebene umgesetzt werden. Im Zuge dieser Verabschiedungen wurde auch in Deutschland mit dem „GwG-Neu“ ein neues Geldwäschegesetz erlassen. Allerdings sind die erforderlichen Aufwände für dessen Umsetzung für die beteiligten Institute umfangreich und betreffen inzwischen auch neue Geschäftsmodelle. Viele Banken befürchten zudem, dass sich das Risiko für Geldwäsche und Betrug durch die Digitalisierung erhöhen wird.

Motivation: Reputationsschäden Sanktionszahlungen verhindern

Im Rahmen einer Studie von BearingPoint wurden mehr als 100 Banken aus dem privaten, öffentlich-rechtlichen und genossenschaftlichen Bereich zum Status quo und den aktuellen Entwicklungen der Bekämpfung von Geldwäsche, Terrorismusfinanzierung und sonstigen strafbaren Handlungen befragt. Die Ergebnisse zeigen, dass die Wertschätzung und Akzeptanz für das Thema Geldwäschebekämpfung bei Geschäftsleitung und Mitarbeitern der Banken seit 2012 deutlich gestiegen ist. Im Vergleich zur Vorgängerstudie messen mehr als doppelt so viele Befragte den Themen Terrorismusfinanzierung, Geldwäsche- und Betrugsbekämpfung Relevanz bei. 

Als Hauptantriebsfaktoren zur Bekämpfung von Betrugsfällen und Geldwäsche nennen die Finanzinstitute die Vermeidung von Reputationsschäden sowie die Verhinderung von Bußgeldern und Sanktionszahlungen. Diese können im Zuge des „GwG-Neu“ mit bis zu 10 Prozent des Jahresumsatzes erheblich sein. 

Bei Kunden mit einem erhöhten Geldwäscherisiko zeigen sich die Banken in Teilen jedoch nachlässig: 25 Prozent beziehen den Bereich Geldwäschebekämpfung bei der Kennzeichnung für Hochrisikokunden nur unzureichend oder teilweise gar nicht ein. Ähnlich wie 2012 schätzt auch in der aktuellen Untersuchung die Mehrheit (50-70 Prozent) der Teilnehmer die erforderlichen Aufwände für die Umsetzung des „GwG-Neu“ auf mittel bis hoch ein. Mittlerweile sehen auch 25 Prozent der Teilnehmer steigenden Mehraufwand bei neuen Geschäftsmodellen, sodass regulatorische Anforderungen eine zunehmend strategische Rolle spielen.

Damit sie sich selbst keinem erhöhten Risiko aussetzen, sollten Banken die Geldwäschebekämpfung weiterhin ernsthaft vorantreiben, empfiehlt Oliver Engelbrecht, Partner bei BearingPoint. Entscheidend sei, dass sich die Mitarbeiter mit neuen Technologien wie Data Analytics auseinandersetzen und über ein breites Wissen zu Produkten, Prozessen und IT-Systemen verfügen. Nur so könnten sie die Auswirkungen rechtlicher Anforderungen umfassend beurteilen und Prozesse zur Geldwäschebekämpfung effizient implementieren. Zudem sollte der Bereich Geldwäschebekämpfung bei Hochrisikokunden stärker eingebunden werden.

Begünstigt Digitalisierung Kapitalverbrechen? 

Die Studie untersuchte ebenfalls, wie sich die Digitalisierung auf Compliance-Prozesse in Unternehmen oder Banken auswirkt. Die digitale Transformation wird sich in Zukunft insbesondere im Bereich der Sorgfaltspflichten, Kundengewinnung oder auch bei automatisierten Risikoanalysen zeigen. 

Weitere digitale Lösungen mit Potenzial zur Verbesserung der Geschäftsanbahnungsprozesse und zur Minderung von Betrugsfällen sind neue Legitimationstechnologien wie Video-Identverfahren oder der Personalausweis mit e-Signatur. Diese werden von 35 bzw. 42 Prozent der Banken zwar eher als Chance statt als Risiko wahrgenommen. Dennoch wird die Legitimation vor Ort weiterhin bevorzugt und von rund drei Vierteln der befragten Teilnehmer als risikoärmer eingeschätzt. 

Gleichzeitig sehen sich die meisten Banken durch die Digitalisierung neuen Risiken ausgesetzt: So rechnen 60 Prozent der Teilnehmer mit einer künftigen Erhöhung des Geldwäsche- und Betrugsrisikos. Beim digitalen Zahlungsverkehr im Rahmen der EU-Zahlungsdienstrichtlinie (PSD 2) werden insbesondere die Bereiche Datensicherheit und Betrugsbekämpfung als die größten Risikobereiche eingeschätzt. Allerdings setzen sich nur knapp 35 Prozent mit entsprechenden Maßnahmen konkret auseinander.

Für Engelbrecht belegen die Zahlen, dass die Finanzinstitute in neuen Technologien eine Gefahrenquelle für kriminelles Verhalten sehen. Hilfe, potenzielle Risiken effizienter erkennen zu können, verspricht er sich etwa von Robotic-Technologien und Künstlicher Intelligenz. Mit derartigen Verahren könnten verdächtige Muster aufgedeckt und der Aufwand für komplexe Analysen und Überprüfungen erheblich reduziert werden, weshalb sich Kreditinstitute verstärkt mit neuen digitalen Lösungen auseinandersetzen sollten. 

Betrugsfälle häufig durch Mitarbeiterhinweise aufgedeckt 

Laut Studie bringen die deutschen Banken den neuen Gesetzesinitiativen zwar immer mehr Wertschätzung entgegen, jedoch greifen Maßnahmen zur Betrugsbekämpfung in weiten Teilen noch nicht. Über die Hälfte der befragten Banken gibt an, dass nur maximal 10 Prozent der Verluste durch Präventionsmaßnahmen vermieden werden können. Bei fast 50 Prozent der Betrugsfälle sind Mitarbeiter involviert, die Zahl ging jedoch im Vergleich zu den vorangegangenen Studien um fast 20 Prozent zurück. 

Ein Großteil der Vergehen wird jedoch weiterhin erst nach Auftreten des Schadens identifiziert. In Fragen der Betrugsverhinderung hat sich herausgestellt, dass spezielle IT-Systeme und auch Mitarbeiter bei der Aufdeckung von Betrugsfälle am erfolgreichsten sind. Die meisten Banken haben den nötigen Handlungsbedarf bereits erkannt: Im Vergleich zu 2012 haben mittlerweile doppelt so viele Banken (72 Prozent) Notfallkonzepte entwickelt, damit sie im Falle von größeren Betrugsfällen schnell reagieren können, um Reputationsrisiken zu minimieren.

Über die Studie

Die Umfrage erfolgte auf Basis eines Online-Fragebogens zu aktuellen Entwicklungen im Bereich Geldwäschebekämpfung, Terrorismusfinanzierung, Betrugsbekämpfung und Digitalisierung in Compliance. Die Details finden Sie hier.

 

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Artikel veröffentlicht am:
26.07.2018
Quelle(n):

Bildquelle: alvarez | istockphoto.com

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Redaktion die bank
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