Studie des Bankenverbands
Digitales Bezahlen grenzenlos fördern


Wie, wo, womit und wie oft bezahlt der Verbraucher in Zukunft? Der Bundesverband deutscher Banken geht dieser Frage in seiner aktuellen Studie „Digitales Bezahlen 2020“ nach. Mit einem "Blick in die Praxis" soll darin ein Beitrag zur Modernisierung des europäischen Zahlungsverkehrs geleistet werden.

Die Auswirkungen des Zahlungsverkehrs auf den Verbraucher stehen im Mittelpunkt des Interesses. Für den privaten Verbraucher lässt sich folgendes Muster denken: Der Tag beginnt an Klaus Mustermanns Kaffeemaschine, die selbsttätig auf das leere Bohnenfach reagiert und eine Bestellung an den Retailer losschickt. Auf dem Weg zur Arbeit zahlt Klaus sein U-Bahn-Ticket und einen Snack natürlich kontaktlos per Handy und NFC-Standard. Die Kosten fürs gemeinsame Mittagessen mit dem französischen Kollegen werden gerecht geteilt und per paydirekt bzw. paylib ausgeglichen. Später zahlt er seine aktuelle Zahnarztrechnung in einer App, legt mit einem Klick Tagesgeld in Irland an und überweist seinem Sohn das Taschengeld Instant und ohne Konto. Bargeld spielt in diesem Tagesablauf keine Rolle mehr, und falls doch, legt Klaus auf dem Heimweg noch einen Stopp am Geldautomaten ein.
Viele dieser Punkte sind heute bereits möglich, aber eben noch nicht alle. Zum Beispiel ist eine Überweisung zwischen dem deutschen paydirekt-System und dem französischen Pendant unmöglich. Die Studie des Bankenverbands, die auf der Webseite (www.bankenverband.de) einzusehen ist, listet Handlungsbedarf in fünf Themenfeldern für Innovation, Wettbewerb und Regulierung auf. Durch die Ausschöpfung des Potenzials des Digitalen Bezahlens, durch Innovationen und mehr Wettbewerb erwarten die Bankenvertreter eine Steigerung des volkswirtschaftlichen Nutzens. Die Studie beschäftigt sich damit, wie sich Bezahlsituationen am POS oder im P2P-Bereich effizienter lösen lassen. Sie listet das Angebot an verfügbaren Zahlverfahren auf und gibt Empfehlungen, wie Verbraucher von mehr Wahlfreiheit bei Bezahlverfahren und fairem Wettbewerb profitieren können. Ein Punkt darunter ist beispielsweise die grenzübergreifende Erreichbarkeit von Zahlverfahren; hier bringt der Verband eine zentrale Registry ins Spiel.
Das Ziel soll sein, dass Verbraucher künftig europaweit einheitliche mobile Bezahlverfahren nutzen können, erläuterte Michael Mandel, Vorsitzer des Ausschusses für Privat- und Geschäftskunden des Bankenverbands. „Die privaten Banken wollen einen digitalen europäischen Binnenmarkt für Finanzdienstleistungen und diesen auch aktiv mit vorantreiben“, so der Commerzbank-Vorstand für das Segment Privat- und Unternehmerkunden.
Dabei müssten aber für alle Anbieter, also Banken wie FinTechs, gleiche Spielregeln gelten. Die Bankenvertreter sehen dies vor dem Hintergrund der Zahlungsdiensterichtlinie PSD 2 jedoch nicht gegeben. Andreas Krautscheid, Mitglied der BdB-Hauptgeschäftsführung, bezeichnete Details der PSD 2 als verbesserungswürdig. Beispielsweise sei unverständlich, dass Drittdienste einen gesetzlich definierten Zugang zur Infrastruktur der Banken haben, der allerdings umgekehrt nicht gelte. Krautscheid weiter: „Außerdem erwarten wir im März von der EU-Kommission einen Aktionsplan zu Finanzdienstleistungen für Privatkunden. Damit die Diskussion hier in die richtige Richtung läuft, wollen wir die Debatte darüber möglichst früh anstoßen.“
Als wesentliche Ansatzpunkte identifiziert der Bankenverband deshalb drei Anforderungen: Mobile Bezahllösungen für mehr Reichweite im Direktkontakt zwischen Privatpersonen (P2P) und an der Kasse müssen gefördert werden, mehr Wahlfreiheit und Wettbewerb bei E-Commerce-Zahlverfahren muss ermöglicht werden und darüber hinaus sollte ein zeitgemäßes digitales Onboarding als Standard verankert werden, um ein digitales und europaweites Angebot zu gewährleisten. Michael Mandel: „Hier sollten wir uns europaweit nicht verzetteln, sondern auf das Wesentliche konzentrieren – für uns sind das der Zahlungsverkehr und eine einheitliche Registrierung und Identifizierung der Kunden.“

Kontakt  
Diesen Artikel ...  
Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
15.02.2017
Quelle(n):
Bildquelle: Fotolia.com
Autor/in 
Anja U. Kraus
Weitere interessante Artikel 
Artikel abonnieren 
die bank | Newsfeed
Newsletter

die bank | Newsletter

Abonnieren Sie den kostenlosen redaktionellen Newsletter der Fachzeitschrift „die bank“.
Der Newsletter erscheint mindestens einmal im Monat und informiert Sie über aktuelle Beiträge und News.

 Anmeldung

 Newsletter-Archiv