Bankenbranche
Digitalen Firmenkrediten gehört die Zukunft
 

Die meisten Banken sind nicht in der Lage, das SME-Kreditgeschäft profitabel zu gestalten. Das liegt an den vielen manuellen Prozessen und den damit verbundenen hohen Kosten. An der Digitalisierung der Prozesse führt daher kein Weg vorbei.

Im Bankenbereich galt das Geschäft mit Firmenkunden lange als nicht digitalisierbar. Dieses sei stark personalisiert, die Beziehung zwischen Kunde und Berater zentraler Dreh- und Angelpunkt der Verbindung, so das zentrale Argument. Doch der Markt hat sich verändert. Die Kunden sind anspruchsvoller geworden und verfügen oft über eine solide Kapitalbasis. Zudem ist das Geschäft mit mittleren und Kleinstunternehmen sehr kleinteilig und unübersichtlich für die Banken. Darüber hinaus sind Preisvergleiche und umfassende Transparenz durch die digitalen Angebote in den meisten Bereichen längst Standard. Im Zuge dieser Entwicklungen ist seit einiger Zeit deutlich Bewegung in den Markt gekommen.

Insgesamt bleibt das Firmenkundengeschäft für die meisten Banken in Deutschland eine wichtige strategische Säule. Daher buhlen viele Anbieter um die Gunst dieser begehrten Klientel. Insbesondere das SME- (Small & Medium Sized Enterprises) Kreditgeschäft mit Firmen mit bis zu 500 Mitarbeitern und bis zu 50 Mio. Euro Umsatz im Jahr ist für die meisten deutschen Banken ein wichtiger Ertragslieferant.

Starkes Wachstum des SME-Markts

Einer Studie von solarisBank/BarkowConsult zufolge erwirtschafteten deutsche Institute mit SME-Krediten (Firmenkredite mit Volumen von maximal 1 Mio. Euro) Ende 2018 Zinserträge von fast 5 Mrd. Euro. Dabei wächst der SME-Kreditmarkt aktuell mit rund 6,9 Prozent im Jahr und damit stärker als die privaten Baufinanzierungen (4,9 Prozent jährlich) oder Konsumentenkredite (0,8 Prozent jährlich).

Doch trotz dieser erfreulichen Zahlen und stabiler Bruttomargen sind die meisten Banken nicht in der Lage, das SME-Geschäft profitabel zu gestalten. Hintergrund sind zu viele manuelle Prozesse, zu wenige digitale Prozesse und im Ergebnis zu hohe Stückkosten. Im gegenwärtigen Niedrigzinsumfeld müssen sie daher nach weiteren Kostensenkungspotenzialen suchen.

Demgegenüber stehen die veränderten Ansprüche der Kunden. Sie wollen heute schnelle digitale Prozesse und sind bereit, dafür auch Aufgaben zu übernehmen – so wie sie es als Privatkunden auch bei vielen anderen Marktplätzen im Netz kennen. Laut der Studie „Mittelstandsfinanzierung 2019“ von Compeon steht die schnelle Kreditentscheidung mit fast 60 Prozent bei den Wünschen von SMEs auf Platz 1.

An der Digitalisierung des SME-Kreditgeschäfts führt kein Weg mehr vorbei. Digitale SME-Kredite haben der solarisBank/BarkowConsult-Studie zu Folge heute bereits einen zwei-Prozent-Marktanteil am Neukreditvolumen. Damit ist das Marktwachstum und der Anteil höher als bei digitalen Hypotheken mit 1,5 Prozent Marktanteil im selben Entwicklungsstadium. Unter Berücksichtigung des historischen Wachstums von digitalen Hypotheken erscheint ein Ansteigen des Volumens digitaler SME-Kredite auf vier Mrd. Euro in fünf Jahren wahrscheinlich. Dies entspricht gemäß der Studie einem Marktanteil von über 7 Prozent im Jahr 2023.

FinTechs als digitale Partner für Banken

Die Digitalisierung hilft Banken somit aktuell auf zweierlei Weise: Zum einen können Effizienzpotenziale gehoben werden, zum anderen kann dem Kundenwunsch nach mehr Einfachheit entsprochen werden. Viele Banken setzen bei der Entwicklung digitaler Teilprozesse bereits auf externe Partner – häufig auch auf FinTech-Startups. Sie sind für viele Banken ein attraktiver Kooperationspartner, da sie durch ihr regulatorisches Umfeld (bspw. besetzen Fintechs gezielt nicht von der BaFin-regulierte Geschäftsfelder, etwa als Vermittler von Finanzdienstleistungen) und ihre technische Kompetenz eher einen Schnellboot-Charakter haben. FinTechs sind deswegen ein idealer Outsourcing- und Kooperations-Partner für Banken.

Durch die Integration von FinTechs in die eigenen Prozesse und Systeme ist es Banken bereits heute möglich, nicht-Kernprozesse an Externe auszugliedern und so zum Beispiel an Schnelligkeit zu gewinnen und Kosten zu sparen. Die Kreditbearbeitungszeit im nicht-risikorelevanten Kreditgeschäft kann auf diese Weise um bis zu 70 Prozent reduziert werden – und das bei einer gleichzeitigen Steigerung des Kreditvolumens.

Prozess- und Systemintegration mittels API oder RPA

Um mit externen Kooperationspartnern zusammenzuarbeiten, nutzen Banken oft ein klassisches Web-Interface. Die Schwachstelle dabei: Medienbrüche, Zeitverlust, Kosten und Fehleranfälligkeit. Diese Nachteile können durch technische Integrationen gelöst werden. So bieten APIs (Application Programming Interfaces) und RPA (Robotic Process Automation) moderne Lösungsansätze, organisationsübergreifend Daten und Informationen auszutauschen. Durch eine solche Integration kann im Vergleich zu menschlichen Arbeitskräften schneller und genauer gearbeitet werden. Daten werden nach klaren und belastbaren Regeln gefiltert, übermittelt und bearbeitet. Für eine effiziente Integration ist ein Schritt-für-Schritt-Prozess das richtige Mittel der Wahl, bei dem genau geprüft wird, welcher Teil digitalisiert wird, um somit für den Kunden den größten Mehrwert zu bieten.

Bessere Durchdringung des Kunden

Ein wichtiger Prozessschritt, der durch eine Integration enorm beschleunigt werden kann, ist beispielsweise die Risikoprüfung. Hierbei sollte präzise analysiert werden, welche Schnittstellen nötig sind, um die Integration entsprechend vorzunehmen. Ein weiter wichtiger Aspekt im Kreditantragsprozess ist die Verarbeitung der Unternehmensinformationen über den Kunden. Je mehr hiervon digitalisiert werden kann, desto besser ist die Nutzung für die Risikoprüfung, das Pricing und schlussendlich eine bessere Durchdringung des Kunden.

Wenn in einem nächsten Schritt der Authentifizierungsprozess digitalisiert werden kann und Verträge zusätzlich digital zur Unterschrift erstellt werden können, wird der Prozess stärker automatisiert. Das ist eine Optimierung, die zu einer schnelleren Prozessverarbeitung und damit auch zu rascheren Kreditentscheidungen für Kunden führt – im Ergebnis also eine Win-Win-Situation für Kunde und Bank.

Fazit

Der Kostendruck im Firmenkundengeschäft und die steigenden Kundenerwartungen führen dazu, dass Banken zügig digitale Lösungen im gewerblichen Kreditgeschäft entwickeln müssen. Hierbei sind FinTechs oft die passenden Partner. Durch die technische und prozessuale Integration können auf der Bankseite Wachstumsziele erreicht und Kostenvorteile generiert werden. Durch die Integration und die damit verbundene Automatisierung des Kreditprozesses sind im Firmenkundengeschäft Entscheidungen möglich, die in punkto Schnelligkeit den Abläufen im Privatkreditbereich nahekommen. Damit können Banken heute schon auf Kundenbedürfnisse reagieren, die zukünftig immer stärker eingefordert werden. Die zusätzlich entstehende Kostenoptimierung im Bereich Processing ist zudem Wasser auf die Mühlen der von Effizienz und Kosten gesteuerten Banken.

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Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
01.10.2019
Quelle(n):
Photo by Drew Beamer on Unsplash
Autor/in 
Nico Peters


ist Managing Director von Compeon, einem Full-Service-Dienstleister für Mittelstandfinanzierung in Deutschland. Peters ist ist verantwortlich für die Bereiche Product Development, HR und Marketing.
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