Banken im Check
Die Vermessung der Nachhaltigkeit
 

Bis zum Dezember 2016 muss die CSR-Richtlinie in deutsches Recht umgesetzt werden. Damit werden große Unternehmen auskunftspflichtig über ihr Engagement im Umweltschutz, über soziale und auf die Mitarbeiter bezogene Initiativen sowie die Achtung der Menschenrechte und die Bekämpfung von Korruption. Die deutschen Privatbanken haben dazu mit dem Rat für Nachhaltige Entwicklung eine Kooperationsvereinbarung zum Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK) geschlossen und erstellen einen Leitfaden für die erforderliche Berichterstattung. Unsere Autoren haben vorab untersucht, wie nachhaltig deutsche Institute in allen Gruppen bislang bereits agieren.

Zunächst stellt sich die Frage, wie man die Nachhaltigkeit von Banken überprüft? Genutzt wurde ein empirischer Ansatz; das Untersuchungsdesign ging vom Blickwinkel eines Kunden aus, der keine spezifischen Insiderinformationen über das tatsächliche Agieren von Banken besitzt, sondern sich vielmehr über das Internet und andere Publikationen informiert und aufgrund der darin gefundenen Informationen eine Meinung bildet.

Es versteht sich, dass jeder Kunde eine andere Idee von Nachhaltigkeit haben könnte. Mittlerweile gibt es aber verschiedene Kodizes und Leitlinien, welche den schillernden Begriff der Nachhaltigkeit operationalisieren und in überprüfbare Einzelkriterien aufspalten. Viele Kreditinstitute haben sich mittlerweile solchen Kodizes unterworfen. Sie unterstützen den Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK), lassen sich nach der ISO-Norm 14001 zertifizieren oder erkennen das EMAS Gütesiegel der Europäischen Union an.

Solche Kodizes eignen sich dafür, die Einhaltung von Nachhaltigkeitsprinzipien objektiv zu überprüfen. Die Kodizes versuchen, den zunächst unscharfen Begriff der Nachhaltigkeit fassbar zu machen. Dazu wird der Begriff in verschiedene Dimensionen aufgeteilt:

  • Ökonomische Dimension: Auf Ressourcengenerierung ausgerichtetes Wirtschaften, welches die Position
    aller Stakeholder stärkt.
  • Ökologische Dimension: Erhalt der weltweiten Ressourcen, die als Lebensgrundlage auch in Zukunft gebraucht werden.
  • Soziale Dimension: Humaner Umgang mit Mitarbeitern und Menschen aller gesellschaftlichen Gruppen.

Diese sehr heterogenen Dimensionen zeigen, dass Nachhaltigkeit in allen Funktionsbereichen einer Bank Bedeutung haben kann.

Für die folgende Untersuchung wurde der Kriterienkatalog von Anja Grothe von der Hochschule für Wissenschaft und Recht in Berlin verwendet (Grothe-Kodex), der in Zusammenarbeit mit Sustainum eG und Sustainum e. V. entwickelt wurde. Dieser Katalog setzt nicht drei, sondern vier Dimensionen an die oberste Stelle. Einige Punkte des Katalogs mussten in der Anwendung auf Banken leicht sinngemäß angepasst werden. Tabelle 1 zeigt die vier Dimensionen der Nachhaltigkeit jeweils mit der ersten Merkmalsebene. Darunter schließt sich die Ebene ganz konkreter Handlungen („Kriterien“) an, welche nachhaltiges Wirtschaften in diesem Kodex repräsentieren. Durch dieses immer feingliedrigere Aufspalten der Nachhaltigkeit in Dimensionen, Merkmale und Kriterien wird Nachhaltigkeit fassbar und überprüfbar. Die Untersuchung ermittelt, in welchem Maße die Banken die Kriterien des Grothe-Kodex erfüllen. Dazu wurden Daten ausgewertet, die durch die Banken selbst öffentlich zugänglich gemacht wurden. Neben den Geschäftsberichten wurden Internetauftritte der Banken ausgewertet, die bis zum 30. März 2015 veröffentlich wurden.

Die gefundenen Angaben wurden folgendermaßen aggregiert: Jedes einzelne Kriterium wird in Abhängigkeit von den verfügbaren Angaben bepunktet. Drei bis fünf Punkte erhält das Institut, wenn es eine im Kriterienkatalog enthaltene Maßnahme bereits realisiert hat. Abgestuft wird dabei nach der Qualität der Umsetzung und Konkretheit der Maßnahmen. Zwei Punkte erhält ein Institut, wenn es Maßnahmen angekündigt hat, deren Umsetzung unmittelbar ansteht. Einen Punkt erhält ein Institut für eine langfristig anvisierte Maßnahme. Erfüllt eine Maßnahme nicht die Anforderungen des jeweiligen Kriteriums oder fehlen Aussagen zu einem Kriterium gibt es keinen Punkt.

Aufgrund des großen Aufwands der Datenbeschaffung konnte nur eine Stichprobe von 20 Kreditinstituten ausgewählt werden. Trotzdem mussten 1.260 Daten händisch erfasst werden. Private Banken, Genossenschaftsbanken und Sparkassen sind etwa in gleicher Weise repräsentiert. Innerhalb der Bankengruppen wurden Banken ausgewählt, die unterschiedliche Geschäftsstrategien verfolgen. Filialbanken, Direktbanken, Spezialkreditinstitute sind genauso vertreten wie regionale Banken oder Töchter ausländischer Banken, die in Deutschland operieren.

Ergebnisse
Welche Ergebnisse hat nun die Untersuchung gebracht? Betrachten wir zunächst die Werte für alle Banken insgesamt.

(...)

 

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in der Fachzeitschrift "die Bank" 02/2016. Die Ausgabe kann im Abo oder einzeln bezogen werden. Zusätzlich kann auch dieser Artikel einzeln bezogen werden.
 Diese Ausgabe kaufen
 Den vollständigen Artikel jetzt online kaufen
Kontakt  
Diesen Artikel ...  
Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
09.02.2016
Erschienen in Ausgabe:
02/2016
 Diese Ausgabe kaufen
 Diesen Artikel kaufen
Quelle(n):

fotolia.com / © paladin1212

Autor/in 
Tommy Jehmlich, Ricarda Koch, Friedrich Thießen
Prof. Dr. Friedrich Thießen, Lehrstuhl für Finanzwirtschaft und Bankbetriebslehre, Technische Universität Chemnitz. Tommy Jehmlich, wissenschaftlicher Mitarbeiter ebenda. Ricarda Koch, Sales Consult DIS AG.
Weitere interessante Artikel 
Artikel abonnieren 
die bank | Newsfeed
Newsletter

die bank | Newsletter

Abonnieren Sie den kostenlosen redaktionellen Newsletter der Fachzeitschrift „die bank“.
Sie erhalten jeden Monat zwei Newsletter mit aktuellen Beiträgen und News.

 Anmeldung

 Newsletter-Archiv