PSD2-Stichtag
Die Uhr tickt
 

Mitte März wird die Umsetzung der PSD2-Richtlinie konkret. Seit Januar 2018 erlaubt sie Drittanbietern den Zugriff auf Kontodaten, sofern der Bankkunde dem zustimmt. Damit öffnen sich neue Geschäftsfelder, sowohl für FinTechs als auch für erfahrene Player. Im Bewusstsein der Verbraucher ist das Thema PSD2 allerdings noch gar nicht richtig angekommen.

Am 14. März 2019 geht die Umsetzung der Payment Service Directive (PSD2) in die heiße Phase: Zahlungsanbieter müssen bis dahin für Kontoinformations- und Zahlungsauslösedienste eine Testumgebung ihrer technischen Schnittstellen inklusive Dokumentation bereitstellen. Viele Banken arbeiten unter Hochdruck daran. 

Gerade jetzt ist der Druck natürlich groß, alle technischen Anforderungen rechtzeitig umzusetzen. Banksysteme sind über Jahrzehnte dafür konzipiert worden, gerade nicht von außen zugänglich zu sein. Dieser Paradigmenwechsel ist für viele Banken extrem herausfordernd.

PSD2? Nie gehört!

Für die Kunden dagegen bedeutet das vor allem mehr Bequemlichkeit: Antragsprozesse laufen schneller, Sofortüberweisungen beim Online-Shopping werden einfacher, Haftungsfragen sowie die Verwaltung mehrerer Konten über eine einzige Website oder per App werden mit PSD2 gesetzlich geregelt. 

Im Bewusstsein der Verbraucher ist das Thema aber noch nicht so richtig angekommen: Laut einer repräsentativen Verbraucherumfrage vom November 2018 im Auftrag des Informationsdienstleisters Crifbürgel hatten 69 Prozent der befragten Teilnehmer noch nie von PSD2 gehört. Die übrigen 31 Prozent kannten zwar den Begriff, doch nur 3 Prozent der Befragten gaben an, zu wissen, was sich dahinter verbirgt. Nur etwa ein Zehntel der Befragten hat schon einmal PSD2-basierte Dienste genutzt, am häufigsten erinnerten sie sich an die Nutzung von Online-Vergleichsseiten oder Banking-Apps. 

Bekanntheit und Nutzung von PSD2-Diensten 

Grundsätzliches Interesse besteht jedoch: Bei der Frage „Wie interessant sind für Sie ganz allgemein solche PSD2-basierten Leistungen?“ wurde ein Wert von 28 Prozent erreicht. Betrachtet man nur die gewerbetreibenden Umfrageteilnehmer (N = 66), die solche Services für geschäftliche Zwecke nutzen würden, liegt das Interesse mit 41 Prozent noch deutlich höher als im privaten Bereich.

Generell recht hohes Interesse (46 Prozent) besteht an Benachrichtigungen, wenn Geld durch einen Vertragswechsel – etwa beim Stromanbieter oder der Versicherung – eingespart werden kann. Auch dieser Service findet unter den Gewerbetreibenden mit 52 Prozent etwas mehr Zuspruch. 

Für Bonitätsservices interessieren sich grundsätzlich 39 Prozent der Befragten. Eine Möglichkeit dazu sind etwa Benachrichtigungen, wenn der eigene Kontostand eine bestimmte Schwelle über- oder unterschreitet. Auch hier gilt: Für Gewerbetreibende sind solche Services mit 46 Prozent sogar noch etwas relevanter.

Darüber hinaus können PSD2-basierte Angebote auch helfen, die Bankdaten und die Identität des Bankkunden vor Missbrauch zu schützen. Dazu überwachen Drittanbieter im Internet die vom Kunden freigegebenen Daten, wie etwa Name, Adressdaten, Kontonummer oder Kreditkartendaten und geben Bescheid, wenn verdächtige oder gar gestohlene Daten auftauchen. 

Eine solche Benachrichtigung wäre laut Umfrage für Privatkunden wie für Geschäftskunden (63 bzw. 64 Prozent) gleichermaßen wertvoll und generell interessanter als Versicherungen oder persönliche Hilfestellungen. So ist ein Service-Center, das täglich 24 Stunden telefonisch erreichbar Beratung und Unterstützung anbietet, nur für 37 Prozent der Privatpersonen und 44 Prozent der Gewerbetreibenden interessant.

Vertrauenswürdigster Anbieter? „Meine Bank!“

Bei der Frage „Wenn Sie nun an mögliche Anbieter solcher Dienstleistungen denken: Wem würden Sie beim Zugriff auf Ihre Bankdaten vertrauen?“ rangieren Internetfirmen wie Facebook und Google, aber auch Anbieter wie numbers oder N26 mit einstelligen Prozentwerten wenig überraschend auf den hinteren Rängen. Software-Anbieter wie Kaspersky, McAfee, Norton und andere bringen es immerhin auf 23 Prozent. 

Etwa jeder dritte hält die Schufa oder das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) für vertrauenswürdig. Unangefochtener Spitzenreiter als vertrauenswürdigster Anbieter von PSD2-Diensten ist jedoch bei 64 Prozent der Befragten die eigene Hausbank. Sie verweist selbst andere Banken und Kreditinstitute mit nur 29 Prozent auf die hinteren Plätze.

Wer braucht eigentlich Drittanbieter?

Bei so viel Vertrauensvorschuss von den Verbrauchern bleibt die ketzerische Frage: Wer braucht eigentlich Drittanbieter für PSD2-Dienste? Im Grunde können die Banken die genannten PSD2-basierten Dienste auch selbst aufsetzen. 

Tatsächlich werden sie es mittelfristig wohl sogar müssen. Denn: Wenn traditionelle Banken nicht selbst aktiv nach neuen Geschäftsmodellen und Umsatzpotenzialen suchen, laufen sie Gefahr, dass sie zum Infrastrukturdienstleister degradiert werden. An die Kundenschnittstelle rücken dann die Tech-Giganten und FinTechs. 

Denn mit PSD2 endet das Monopol der Banken auf Kontoinformationen. Die neue Richtlinie ermöglicht es den Bankkunden, anderen Serviceanbietern Einblick in ihre Kontodaten zu gewähren. Die Schaffung offener Web-Schnittstellen (APIs) ist der erste Schritt und Voraussetzung, um zum Beispiel neue Apps und Services für die Kunden umzusetzen.

Kreditinstitute haben hervorragende Voraussetzungen, den Aufbau der jetzt neu entstehenden Ökosysteme zu gestalten. Es sind ja gerade die Banken, die die Kapazitäten und Möglichkeiten haben, digitale Plattformen für FinTechs, InsurTechs und andere externe Partner anzubieten, Kooperationen zu ermöglichen und so die interessanten Dienstleistungen für ihre Kunden vorzuhalten. 

Fazit

Vorrangiges Ziel muss sein, die Wertschöpfung für die Kunden, um weitere Dienste zu erweitern und so den Kunden Mehrwerte zu bieten, die diese als sinnvoll und preiswürdig erachten. So bleiben die Banken zum einen ganz nah an ihren Kunden, zum anderen heben sie mit solchen Kooperationen Cross- und Up-Selling-Potenziale, denn die Kunden sind bereit, dafür zu bezahlen.

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Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
13.03.2019
Quelle(n):
Bildquelle: BahadirTanriover | istockphoto.com
Autor/in 
Christian Bock
Geschäftsführer bei Crifbürgel. 
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