Overt Monetary Finance (OMF)
Die nächste geldpolitische Bombe

Trotz der aktuellen Diskussion um eine mögliche Verlangsamung der massiven Anleihekäufe durch die EZB bleibt die Geldpolitik in einem Ausnahmezustand. Zu dieser Einschätzung kommt eine neue Studie des FERI Cognitive Finance Institute. Klare Hinweise geben der ungebremste Ankauf von Staatsanleihen durch die Notenbank in Japan sowie aktuelle Pläne von Donald Trump zur Umsetzung einer massiven, aber weitgehend ungedeckten Steuerreform in den USA. Bereits heute gehen Experten davon aus, dass die unvermeidlich steigende Staatsverschuldung künftig von der US-Notenbank zu finanzieren wäre. Die „offene“ Finanzierung staatlicher Defizite und eine „offene“ Übernahme staatlicher Schulden durch die Notenbanken – von Experten als „Overt Monetary Financing (OMF)“ bezeichnet – wird aktuell in politischen Kreisen zunehmend salonfähig.

Die neue FERI-Studie revidiert in weiten Teilen die traditionelle Sichtweise ökonomischer und geldpolitischer Modelle, in denen die zentrale Rolle der Banken bei der Schaffung von neuem Geld meist ignoriert wird. Anhand einer quantitativen Szenarioanalyse wird die grundsätzliche Wirkungsweise von OMF auf Grundlage des japanischen Finanzsystems überprüft. „Eine fehlgeleitete Geldpolitik ist gefährlich und kann systemische Krisen hervorrufen oder verstärken“, sagt Dr. Heinz-Werner Rapp, Gründer des FERI Cognitive Finance Institute. Seit der großen Finanzkrise 2008 haben die wichtigsten Notenbanken weltweit durch Quantitative Easing (QE) ihre Bilanzsummen um bis zu 600 Prozent ausgeweitet. Eine derartige Geldflut erzeugt systemische Verzerrungen und Vermögensblasen;  es erodiert – auch durch zunehmende Anreize für „Moral Hazard“ – die Stabilität und Integrität ganzer Finanzsysteme.

Vor diesem Hintergrund würde die Abwehr einer künftigen Finanzkrise mit hoher Wahrscheinlichkeit echte OMF-Politik erforderlich machen. Im Zuge einer Krisenbekämpfung müssten die dann erneut steigenden Staatsschulden ganz oder teilweise von den Notenbanken bezahlt werden, so die Studie. Das schon jetzt problematische Ergebnis exzessiver Geldpolitik würde durch OMF folglich noch weitaus gefährlicher. „Das wäre die nächste geldpolitische Bombe“, so Rapp. Dies wäre gleichbedeutend mit einem extrem unsicheren Experiment, dessen Ausgang von der Politik kaum noch kontrolliert werden kann. Echtes OMF bedeute eine direkte Vermischung von Geld- und Fiskalpolitik und hätte signifikanten Einfluss auf die Preise an Güter- und Kapitalmärkten. „Das wäre der Einstieg in eine neue Dimension monetärer Verwässerung und steigender Inflation“, betont Rapp. Investoren müssten dann eine strikt sachwertorientierte Anlagephilosophie verfolgen.

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Artikel veröffentlicht am:
16.05.2017
Quelle(n):
Bildquelle: Fotolia.com/oneo
Autor/in 
Redaktion die bank
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