Bezahlen über Drittanbieter im Online-Handel
Deutsche bleiben bei „Safety First“
 

Nicht nur aufgrund seiner anhaltenden Bevorzugung von Bargeld gilt der deutsche Verbraucher gemeinhin als eher skeptisch gegenüber neuen Technologien im Finanzbereich. Bei den immer wieder abgefragten Gründen für diese Vorliebe nennen viele Verbraucher Sorgen um die Sicherheit. Trotzdem sind die Deutschen aber begeisterte Online-Shopper, und greifen hier beim Bezahlen oft und gern auf anderen Finanzdienstleister als ihre Hausbank zurück. Dabei zeigen sich die Bundesbürger sehr aufgeschlossen, jedenfalls im Vergleich zum Rest Europas, wie eine aktuelle Studie der ING in 15 Ländern belegt.

Knapp jeder Dritte der deutschen Umfrageteilnehmer kauft mindestens einmal pro Woche online ein. Das ist der zweithöchste Wert in Europa und wird nur von Verbrauchern in den USA und Großbritannien übertroffen. Zur Bezahlung der so gekauften Güter und Dienstleistungen nutzten die hiesigen Konsumenten besonders gerne Paypal. Fast jede zweite Zahlung im Online-Shopping wurde über die ehemalige eBay-Tochter abgewickelt. Knapp 22 Prozent der Zahlungen erledigen deutsche Verbraucher über die Eingabe oder Hinterlegung von Konto- oder Kartendaten, andere Bezahlmethoden sind deutlich weniger beliebt.

Da für die Experimentierfreudigkeit der Deutschen in allererster Linie die Devise „Safety First“ gilt, machen sich auch die Drittanbieter dieses hohe Sicherheitsbedürfnis zunutze. Weil nur sie und nicht der jeweilige Händler die Zahlungsdaten erhalten, muss der Kunde nur einem einzigen großen Dienstleister wie Paypal oder Amazon vertrauen und sich keine Gedanken darüber machen, ob seine Daten bei einem kleinen Onlineshop sicher aufgehoben sind. Auf derartige Zahlungsdienste entfallen bereits über 70 Prozent der durchgeführten Zahlungen.

Wenig Vertrauen in Facebook & Co.
Wenig Vertrauen hingegen bringen Verbraucher dem sozialen Netzwerk Facebook entgegen, das in einigen Ländern bereits Zahlungsdienste anbietet. Zum Zeitpunkt der Befragung machte Facebook gerade Negativschlagzeilen mit der Datenweitergabe an Dritte, insbesondere im Zusammenhang mit dem Wahlkampf von Donald Trump. Vielleicht hängt es auch damit zusammen, dass unter allen abgefragten Anbietern Facebook derjenige war, den die meisten Befragten auf keinen Fall für Zahlungen online oder im Geschäft vor Ort verwenden wollen – und zwar quer durch alle Länder. In Deutschland sind es rund 58 Prozent, die dem Netzwerk ihr Vertrauen verweigern, im europäischen Durchschnitt 52 Prozent.
 
Mehrheit verlässt sich auf die Hausbank
Während die fleißigen Online-Shopper ihre Zahlungen also gern über Drittanbieter abwickeln, so verlassen sich die meisten deutschen Verbraucher in Finanzangelegenheiten allein auf ihre Hausbank. Knapp 54 Prozent geben an, regelmäßige Finanzdienste nur bei ihrer Hausbank zu tätigen. Wenn dann doch mal der Schritt zu Drittanbietern gemacht wird, werden vor allem Überweisungsdienste genutzt: Etwas mehr als ein Viertel der Befragten gab hierzulande an, innerhalb der letzten zwölf Monate einen solchen Service genutzt zu haben. Knapp 15 Prozent setzten für die Geldanlage auf andere Anbieter als ihre Hausbank, 13 Prozent gaben an, sogenannte Peer-to-Peer-Zahlungen an Freunde oder Verwandte mithilfe von Drittanbietern abgewickelt zu haben.

Und in Zukunft?
Die etablierten Banken sollten sich lieber nicht auf ihrem Vertrauensvorsprung ausruhen, denn die demografische Entwicklung spielt ihnen nicht gerade in die Karten: Der Anteil der Befragten, die sich in Finanzdingen nur auf ihre Hausbank verlassen, nimmt mit sinkendem Alter ab – und liegt bei unter 35-Jährigen in Deutschland nur noch bei 33 Prozent (europäischer Durchschnitt: 44 Prozent). Beste Aussichten also für Drittanbieter, sich künftig ein größeres Stück vom Kuchen zu sichern.

 


Studie:
Die Online-Befragung wurde im Rahmen der ING International Survey (IIS) durchgeführt, mit der mehrmals jährlich nach dem besseren Verständnis der finanziellen Entscheidungsfindung von Konsumenten geforscht wird. Das Ipsos Meinungsforschungsinstitut hat dazu Konsumentenmeinungen in 13 Ländern Europas sowie in Australien und den USA eingeholt. Der IIS-Report „How do you prefer to pay?“ steht online zur Verfügung unter https://www.ezonomics.com/ing_international_surveys/mobile-banking-2018/.

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Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
19.07.2018
Quelle(n):

Grafiken: ING-DiBa

Bildquelle: Pavel Losevsky / Fotolia

Autor/in 
Redaktion die bank
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