Skandinavische Innovationskultur
Deutsche Banken können sich etwas abgucken

Bislang gelingt es noch nicht, die dreistellige Millionensumme, die Deutschlands Banken in digitale Angebote wie Apps investiert haben, zu einem finanziellen Erfolg zu machen. Mit diesem Problem sind die Banken aber nicht allein. Auch die FinTechs – insbesondere Start-ups – haben große Schwierigkeiten, mit ihren Angeboten Geld zu verdienen. Entscheidend hierfür ist zunächst einmal die Preistradition der deutschen Finanzinstitute: Viele Kunden sind es gewohnt, für Bankdienstleistungen kein angemessenes Entgelt zu zahlen. Die Institute haben bislang nur zaghaft versucht, den Wechsel auf digitale Kanäle zu nutzen, um neue Pricing-Strategien zu implementieren. Im Gegensatz dazu findet in der Medienbranche seit einiger Zeit ein Umdenken statt: Immer mehr Online-Artikel sind inzwischen kostenpflichtig und das wird akzeptiert. Zu oft bestand die Strategie der Banken schlicht darin, bewährte Produkte so einfach wie möglich online oder nun per App anzubieten. Bei neuen Funktionalitäten mit echten Mehrwerten – preislich und funktional – gibt es nur Überschaubares zu berichten. Große Kundenzuströme zumindest kann kaum ein Institut verzeichnen.

Ein anderes Bild zeigt sich hingegen in Skandinavien. Die Banken in Dänemark oder Schweden gehören weltweit zu den Innovationsführern im Bereich digitaler Angebote im Retail Banking. In der Öffentlichkeit besonders bekannt ist die Affinität der Skandinavier für digitale Bezahldienste. Der Bargeldanteil etwa liegt bei 50 Prozent statt den 80 Prozent in Deutschland.
MobilePay der Danske Bank ist eine Erfolgsstory, die über Dänemark hinaus Verbreitung fand. MobilePay schaffte einen Mehrwert, da es sich bei Betragsgrößen anbot, bei denen auch hierzulande niemand mehr gern mit Bargeld zahlt. Summen von 1.000 oder 2.000 Euro haben die meisten Kunden ungern im Portemonnaie. Nach zwei oder drei Jahren verdiente die Danske Bank mit ihrem Dienst Geld. Inzwischen mussten sich andere Banken bei diesem Marktführer einkaufen. In allen digitalen Bereichen sind die Angebote aus Skandinavien auch international wettbewerbsfähig. Klarna, iZettle und Co. sind bekannte Namen.

Ein Katalysator für diesen Erfolg waren sicherlich die FinTechs, die sich in wenigen Jahren zu wichtigen Spielern in den nordischen Ländern entwickelt haben. Besonders der Bereich Payments wurde durch eine sehr aggressive Markpolitik innerhalb weniger Jahre von neuen Spielern erobert. In Europa gibt es mit London und Stockholm kreative Zentren der Finanzbranche, in der ein eng gestricktes Netzwerk aus FinTechs, Finanzindustrie, Private Equity, Hochschulen aber auch Regulatoren neue, disruptive Ideen denken, finanzieren und umsetzen.

Getrieben durch den Erfindergeist der FinTechs versuchen auch die Banken, stetig neue Angebote zu launchen und Marktanteile zu verteidigen. Gleichzeitig ist der Finanzsektor in Skandinavien konzentrierter, die Banken und FinTechs schauen viel mehr nach links und rechts und treiben sich gegenseitig an. Vergleichbar ist die Situation mit der in Deutschland, als vor rund 15 bis 20 Jahren die Direktbanken am Markt erschienen. Verantwortlich für den kreativen Boom ist aber auch das skandinavische mittelstandsähnliche Unternehmerverständnis. Die Institute denken stärker in Geschäftsentwicklung. Sie investieren Geld und Mitarbeiter in neue zielgerichtete Projekte, kapitalisieren diese Gesellschaften, und nach zwei oder drei Jahren gibt es eine marktreife und -fähige digitale Wachstumsplattform.

Wie vielerorts, haben auch in Deutschland die meisten Institute einen - tendenziell weniger unternehmerisch mandatierten - Chief Digital Officer etabliert, der viel stärker in Stabsstrukturen gefangen ist und – qua Mission und organisatorischer Aufhängung – disruptive Wagnisse scheuen muss. Auch beim Pricing, der Achilles-Verse des Retailbanking in Deutschland, wagt sich kaum einer aus der „Gratis“ - Deckung. Zumindest können wir das konsequent Immitieren von Ertragsansätzen stärker digitalisierter Branchen bei Bankdienstleistungen noch nicht beobachten.

 

 

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Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
14.09.2017
Quelle(n):
Artikelbild: ©PocholoCalapre / iStockphoto
Autor/in 
Hans-Martin Kraus

Dr. Hans-Martin Kraus (Foto), Partner bei Capco, verantwortet dort als Head of Payments EMEA das grenzüberschreitende Zahlungsverkehrs-Geschäft.
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