Ich bin dann mal weg
Der Ruf der Ferne
 

London, New York, Singapur – diese Metropolen stehen auf der Wunschliste von Bankern ganz oben. Wer für ein oder gleich mehrere Jahre ins Ausland geht, braucht nicht nur Entscheidungsfreude, sondern auch Mut und oftmals gute Nerven. Dafür locken wertvolle persönliche und berufliche Erfahrungen.

An den ersten Auslandsaufenthalt kann sich Yvonne Rosslenbroich noch gut erinnern. „Meine Eltern haben mich zum Frankfurter Flughafen begleitet, um mich zu verabschieden. Das war schon ein sehr bewegender Moment.“ Drei Jahre lang wollte die Tochter im gut 11.500 Kilometer entfernten Buenos Aires bleiben, wo sie die Leitung des Bereichs Finanz- und Rechnungswesen bei der Daimler-Benz InterServices AG übernehmen sollte. „Als erstes habe ich in ein Fax investiert“, erzählt die Diplom-Kauffrau. Denn Smartphones oder Skype gab es 1995 noch nicht. Heute, gut 20 Jahre später, weist der Lebenslauf der 48-Jährigen äußerst abwechslungsreiche internationale Stationen auf. Kehrte sie anfangs noch nach jedem Job für einige Jahre nach Deutschland zurück, ging es seit 2007 Schlag auf Schlag: Für Daimlers Finanztochter, die Daimler Financial Services AG, arbeitete Rosslenbroich als Managing Director in Buenos Aires sowie Mexiko City und schließlich für die Mercedes-Bank in Madrid. Zurück in Deutschland rückte die gebürtige Rheinländerin zum Vorstandsmitglied und zur Arbeitsdirektorin bei Daimler Financial Services in Stuttgart auf. In der Finanzwelt ist sie damit eine der wenigen Frauen, die es bis an die Spitze eines Unternehmens geschafft haben.

Auslandsmüdigkeit als Kulturphänomen
Ich bin dann mal weg: Wer bereit ist, die Brücken hinter sich abzubrechen, um für mehrere Jahre etwa nach Übersee zu gehen, braucht Entscheidungsfreude, Mut und oftmals gute Nerven. Vor Ort müssen die Expats nicht nur mit interkulturellen Unterschieden sowie mit neuen Aufgaben und Kollegen klarkommen. Auch die Familie muss sich im Alltag mit neuer Schule ebenso wie mit neuen Freunden zurechtfinden. Das liegt nicht jedem. Als einer der wenigen Dax-Chefs beklagte Allianz-Chef Oliver Bäte in einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ die Zurückhaltung öffentlich. „Leider sind manche Menschen in großen Unternehmen nicht mehr bereit, Abstriche zu machen. In München ist es schön, da wollen die Leute nicht weg. Schon gar nicht nach Jakarta oder Ho-Chi-Minh-Stadt, wo es gefährlich sein soll.“ Diese Denke habe nichts speziell mit der Allianz zu tun, das sei Teil unserer deutschen Kultur in Großkonzernen.

Zur Auslandsmüdigkeit dürfte auch der Blick auf die Risiko-Landkarte beitragen, auf der immer mehr rote Alarmlämpchen leuchten, sei es aus politischen oder wirtschaftlichen Gründen. Großbritannien bereitet sich auf den Brexit vor, Russland ächzt unter dem Embargo, in der Türkei fährt Machthaber Erdogan nach dem gescheiterten Putschversuch einen unberechenbaren Kurs, Brasilien machen schwache Wirtschaft und die hohe Kriminalität unattraktiv. Asiatische Megacities wie Shanghai, Peking oder New Delhi locken zwar mit zahlreichen Jobchancen. Verkehrsinfarkt und hohe Luftverschmutzung machen diese Städte jedoch vor allem mit Familie wenig lebenswert. Wer nicht nur privat, sondern auch beruflich großes Fernweh verspürt, lässt sich davon nicht kirremachen. Viele Expats haben schon während des Studiums erste Erfahrungen jenseits der vertrauten Heimat gesammelt. Das wirkt offenbar ansteckend.

Viele Rotflächen auf der Risk Map
Daimler-Managerin Yvonne Rosslenbroich etwa hat sich bei ihrer beruflichen Auslandspremiere weder von der großen Entfernung noch von ihren damals eher mageren Spanischkenntnissen und schon gar nicht von der Perspektive schrecken lassen, in einer „Start-up-Atmosphäre“ mit drei Mitarbeitern den neuen Berufsabschnitt in Argentinien zu beginnen. Für die Managerin, die schon als Kind häufig mit ihren Eltern und Geschwistern umgezogen war, hatte früh festgestanden: „Ich will unbedingt im Ausland arbeiten.“

Hürden galt es deshalb zu meistern, nicht zu fürchten. Dass der erste Schritt durch Begleitung ihres gleichfalls reiselustigen Partners erleichtert wurde, verhehlt sie nicht. „Persönlich muss es auch passen.“ Die vielen beruflichen und persönlichen Erfahrungen möchte sie heute, gut 20 Jahre nach der ersten Station, nicht missen. „Ich habe gelernt, mich auf andere Kulturen einzustellen, mit Misserfolgen und Rückschlägen klarzukommen, Krisen zu bewältigen und habe mein Führungsverhalten trainieren und verbessern können“, nennt sie als einige von vielen Vorteilen. Und die Nerven stählen die Stationen allemal. In Buenos Aires erlebte Rosslenbroich einen bewaffneten Überfall, in Mexiko City ein Erdbeben in der 15. Etage. Aber die Managerin räumt auch ein: „Ich hätte auch ohne die internationale Karriere Personalvorstand werden können.“

(...)

 

 

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04/2017

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Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
07.04.2017
Erschienen in Ausgabe:

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Quelle(n):
Bildquelle: © Oleh_Slobodeniuk / iStockphoto
Autor/in 
Eli Hamacher
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