Ende des Embargos
Der Iran ist wieder im Spiel

Mit dem Inkrafttreten des lang erwarteten Atomabkommens gelang ein großer Schritt in der Annäherung zwischen dem Iran und dem Westen. Die Umsetzung des Abkommens begann, nachdem internationale Kontrolleure den Abbau eines Großteils des Atomprogramms bestätigten. Mit dem Abkommen werden eingefrorene iranische Gelder in Höhe von etwa 100 Mrd. US-Dollar von den Sanktionen befreit. Gleichzeitig wird der Weg für eine Lockerung der Beschränkungen für Handel und Investitionen geebnet, der über Jahre hinweg für unternehmerische Aktivitäten zwischen dem Iran und dem Westen versperrt war. Das Land plant, zunächst 500.000 Barrel Öl pro Tag an die internationalen Märkte zu bringen. Allerdings wird es einige Zeit dauern, bis der iranische Aktienmarkt direkt für ausländische Investoren zugänglich ist. Nicht alle Sanktionen wurden aufgehoben und es besteht nach wie vor ein komplexer rechtlicher und finanzieller Rahmen, den Investoren vor Markteintritt berücksichtigen müssen, einschließlich offener Fragen im Hinblick auf fehlende Verwahrungsmöglichkeiten, Rechnungslegungsstandards und eine schwache Marktinfrastruktur. Dennoch leitet die Lockerung der Sanktionen den Anfang dieses Prozesses ein. 

Aktienmarkt des Landes umfasst eine Kapitalisierung von etwa 790 Mrd. US-Dollar, womit Iran der zweitgrößte Markt im MSCI Frontier Markets Index wäre, würde man das Land dort integrieren. Mit einem geschätzten BIP von 416 Mrd. US-Dollar entspricht die Dimension der Wirtschaft beinahe der Österreichs und mit 80 Mio. Menschen ist das Land etwa so groß wie die Türkei. Positiv zu erwähnen ist, dass der Iran mit Blick auf Investitionen in Unternehmen der Grenzmärkte sowie des Nahen Ostens und Nordafrikas (MENA) viele attraktive Eigenschaften aufweist. Dazu zählt insbesondere das günstige demografische Profil des Landes mit einer jungen und sehr gut ausgebildeten Bevölkerung, die den längerfristigen Konsum und die Produktivitätsentwicklung unterstützt. Darüber hinaus ist der Infrastrukturbedarf des Landes, vor allem nach den Jahren der Sanktionen, immens.

Die Lockerung der Sanktionen gegen den Iran folgt auf die Entscheidung Saudi-Arabiens aus dem Jahr 2015, das Land für ausländische Direktinvestitionen zu öffnen, und dient als Erinnerung an die dynamischen Möglichkeiten, die Grenzmärkte und Märkte der MENA-Region immer wieder aufweisen. Im Hinblick auf die mögliche Öffnung des iranischen Marktes kann von einer schrittweisen Entwicklung des Kapitalmarktes als Finanzierungsquelle für Privatunternehmen sowie von Privatisierungen seitens des Staates ausgegangen werden.

Deutschlands Industrie hofft in diesem Kontext ebenfalls auf neue Absatzchancen im Iran. Auf die Unterstützung der hiesigen Banken können sich die Unternehmen dabei jedoch noch nicht verlassen. Erst, wenn es Klarheit gibt, welche Geschäfte im Detail wieder erlaubt sind, werden die Banken ihre Iran-Geschäfte wieder aufnehmen. Sanktionen gegen den Iran bestehen auch weiterhin im Bereich der Terrorismusfinanzierung. Daher ist es zunächst wichtig für die Institute, Klarheit darüber zu gewinnen, welche Geschäfte nun möglich sind und welche nicht.

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Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
20.01.2016
Autor/in 
Ghadir Abu Leil-Cooper und Michael Levy, Baring Asset Management, London.
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