Prognose für 2020
Der Bankenbranche droht hohe Fluktuation
 

Wie entwickeln sich die Gehälter in diesem Jahr in Deutschland und welche Personaltrends gibt es? Einer Prognose zufolge halten die Firmen vermehrt Ausschau nach Fachkräften mit Nischenqualifikationen und hochqualifizierten Young Professionals. Starke personelle Veränderungen werde es wohlmöglich im Bankensektor geben. Dies hänge vom Ergebnis des Brexits ab.

Die globalen Krisen halten an: Auch im Jahr 2020 werden der Brexit und die Handelskonflikte Wirtschaft und Politik auf Trab halten. Zwar ist derzeit offenbar nicht damit zu rechnen, dass es zu einem Konjunkturabsturz kommt. Dennoch werden in diesem Jahr einige Branchen besonders zu kämpfen haben. Vor allem der digitale Wandel wird sich beschleunigen. Hierbei unterschätzen viele Unternehmen jedoch die tiefgreifende Disruption und die damit einhergehende Komplexität und Spezialisierung im Arbeitsalltag. Während der Bedarf an Generalisten abnimmt, halten die Firmen vermehrt Ausschau nach Fachkräften mit Nischenqualifikationen, hochqualifizierten Young Professionals sowie erfahrenen Spezialisten.

Das geht aus der neuen Gehaltsstudie der internationalen Personalberatung Robert Walters hervor, teilte das Unternehmen am Donnerstag in Hamburg mit. Der Report biete Prognosen über die Entwicklung von Gehältern und Personaltrends in Deutschland für dieses Jahr. Bedeutende Entwicklungen sind demnach besonders im Bereich Accounting & Finance zu erwarten. Während 2019 vor allem klassische Steuerspezialisten gesucht wurden, gehe der Trend im Jahr 2020 zum Financial Controller und International Tax Manager. Statt Business Partnering und Business Development würden Fachkräfte benötigt, die die Kosteneffizienz steigern, heißt es. Die Gehälter würden dabei im Vergleich zum Vorjahr weitestgehend gleich ausfallen.

Trend zum Interim Management

Eine Steigerung sei allerdings beim Tagessatz für Interim Manager zu beobachten. Der durchschnittliche Tagessatz eines Chief Financial Officers (CFO – die Berufsbezeichnung aus dem angelsächsischen Raum entspricht in Deutschland etwa dem Kaufmännischen Geschäftsführer einer GmbH) im Finance-Sektor steige etwa von 1.000+ auf 1.200+ Euro. Auch der Head of Controlling dürfe sich über eine Erhöhung freuen. Waren es 2019 noch 550 – 850 Euro, rechnen die Experten im Jahr 2020 mit 800 – 1.200 Euro. Der Trend zum Interim Management sei branchenübergreifend zu beobachten.

Das Einstellungsvolumen im Bereich Banking & Financial Services werde maßgeblich vom Ergebnis des Brexits abhängen. „Verschlechtern sich die wirtschaftlichen Bedingungen für deutsche Unternehmen, hat dies möglicherweise Auswirkungen auf die personelle Zusammensetzung in den Bankhäusern“, erläutert Rob Vermaak, Regional Managing Director Benelux & Germany bei der Personalberatung.

Um den strenger werdenden Regularien gerecht zu werden, stehen bei Banken- und Finanzdienstleistern demnach im Jahr 2020 neben Investment Banking Analysts vor allem Risk Manager und Manager Compliance hoch im Kurs. Südostasien verzeichnet laut dem Report eine starke Nachfrage nach diesen Fähigkeiten im Banken- und Finanzdienstleistungssektor, da die Unternehmen die neuen Vorschriften und Richtlinien ihrer Zentralbanken einhalten müssten. Auf dem Arbeitsmarkt werde es Bewegung geben, so die Personalberater. 71 Prozent der Befragten wollten ihren Job wechseln. Zum einen bestehe bei vielen der Wunsch nach dem nächsten Karriereschritt, andere wollten sich schlicht anderweitig orientieren und suchten nach einer neuen Herausforderung. „Um sich die begehrten Top-Talente im Banking zu sichern, sollten Unternehmen in erster Linie abwechslungsreiche Jobprofile mit interessanten Aufgabeninhalten schaffen und mehr Unterstützung durch das Management anbieten“, heißt es. 

Fortsetzung des Digitalisierungstrends

Auch der IT- und Digitalisierungstrend werde sich fortsetzen. Neben Datenschutz-Experten würden die Unternehmen vermehrt nach Software Developern, Data Managern und Projektmanagern Ausschau halten. In Bezug auf die Gehälter lasse sich im IT-Sektor ein deutlicher Unterschied zum Vorjahr feststellen. Vor allem Fach- und Führungskräfte mit weniger Berufserfahrung (drei bis sieben Jahre) dürften sich auf eine Gehaltserhöhung freuen. Verdiente etwa der Head of Enterprise Architecture im Durchschnitt im Jahr 2019 noch 90.000 – 115.000 Euro, belaufe sich das Gehalt im Jahr 2020 auf 125.000 – 140.000 Euro. Und auch Data Scientists bekommen demnach mehr Geld im Vergleich zu 2019 (75.000 – 95.000 Euro). 2020 würden Durchschnittsjahresgehälter von 80.000 – 110.000 Euro erwartet.

„Die Gehälter bleiben branchenübergreifend weitestgehend stabil“, so Vermaa. Nur hochspezialisierte Fachkräfte aus den Bereichen IT, Digitalisierung, Tax, Controlling, Risk und Auditing könnten im Jahr 2020 bis zu 10 Prozent Gehaltserhöhung bei einem Stellenwechsel erwarten. In den restlichen Bereichen beliefen sich Gehaltserhöhungen auf bis zu fünf Prozent. „Da flexible Arbeitszeiten und eine gute Work-Life-Balance bei vielen Kandidaten einen hohen Stellenwert einnehmen, sollten HR-Verantwortliche weiterhin sicherstellen, diese Faktoren in die Unternehmenskultur zu integrieren, um sich als attraktiver Arbeitgeber vom Wettbewerb abzugrenzen“, resümiert Vermaa. (ud)

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Artikel veröffentlicht am:
09.01.2020
Quelle(n):

Bildquelle: iStock.com/Fokusiert

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Redaktion die bank
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