IBOR-Reformen als erzwungene Chance
Das Universum umbauen
 

Spätestens mit der Lehman-Krise und dem LIBOR-Skandal kam einer der zentralen Taktgeber des internationalen Finanzsystems aus dem Tritt: das Universum der Referenzzinsen. Die Finanzindustrie steht nun vor der anspruchsvollen Aufgabe, dieses Universum umzubauen – wohlgemerkt bei laufendem Betrieb. Wir möchten hier einen Diskussionsbeitrag liefern, der der Frage nachgeht, welches Zielbild im Rahmen dieser erzwungenen Chance erreicht werden kann bzw. sollte.

Eine der folgenschwersten Reformen der letzten zehn Jahre rückte erst jüngst in das Zentrum allgemeiner Aufmerksamkeit: Mittels der zentralen Verordnung 2016/1011 (der sogenannten Benchmark-Verordnung), die seit dem 1. Januar 2018 gilt, soll in der EU sichergestellt werden, dass bereitgestellte und verwendete Referenzzinssätze zukünftig robust, zuverlässig und für den angestrebten Einsatzzweck geeignet sind. In Kombination mit verwandten internationalen Bestrebungen wurde letztlich mit regulatorischen Mitteln erreicht, dass das aktuelle Universum der Referenzzinsen grundlegend umgestaltet werden muss.

Hierbei wurde jedoch nicht festgelegt, wie ein zukünftiges Universum an Referenzzinsen aussehen könnte und konsequenterweise ebenso wenig, wie der Wechsel vom aktuellen Universum in das zukünftige gestaltet werden soll. 

Das neue Universum sowie der Wechsel sollen nach der Vorstellung von Gesetzgeber und Aufsichtsbehörden im Wesentlichen durch die Marktteilnehmer selbst definiert, erschaffen und durchgeführt werden – eine Aufgabe, der sich die im Kern privatwirtschaftlichen Arbeitsgruppen der Finanzindustrie aktuell annehmen. 

Der Umsetzungsstand hängt hierbei vom konkreten Referenzzins ab.

Tragweite und Ernsthaftigkeit der Aufgabe sind unbestreitbar. Es ist bereits bei oberflächlichem Blick zu erkennen, dass Geldwerte von vielen hundert Milliarden Euro, US-Dollar usw. in vielen Millionen an Einzelverträgen, die auf einschlägige Referenzzinssätze verweisen, betroffen sind.

Was ist konkret zu tun?

Für jeden betroffenen Referenzzins sind im Wesentlichen die gleichen Schritte zu prüfen bzw. durchzuführen:

  • Reform der Methodologie des Referenzzinses prüfen / herbeiführen,
  • Identifizierung eines zukunftssicheren Referenzzinses als Alternative,
  • ggf. Skizzierung eines gangbaren Übergangspfads zu dieser Alternative (sog. „Transition“),
  • Entwicklung robuster Vertragsklauseln insofern, als dass bei Wegfall des Referenzzinses eine rechtlich valide Auffanglösung besteht (sog. „Fallbacks“).

(...)

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Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
12.03.2019
Erschienen in Ausgabe:
02/2019
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Quelle(n):

Bildquelle: ©SolStock | istockphoto.com

Autor/in 
Stephan Blanke, Hans Peter Wächter
Stephan Blanke, Leiter Handel Derivate, CO2  bei der KfW. Er verantwortet den operativen Derivatehandel und begleitet dabei die Umsetzung neuer regulatorischer Vorgaben in die Praxis.

Dr. Hans Peter Wächter, Senior Manager bei der d-fine GmbH. Er berät die Finanzindustrie in allen Fragen zur Bewertung von Finanzinstrumenten, aktuell insbesondere in Bezug auf die Auswirkungen der IBOR-Ablösung.
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