Ökonomische, ökologische und soziale Aspekte in Banken
Das Thema Nachhaltigkeit dringt nur langsam in die Köpfe
 

Nachhaltigkeitsgesichtspunkte finden im Bankensektor nach wie vor nur unzureichend Beachtung. Sie werden regelmäßig als isolierte Einzelmaßnahmen behandelt und sind nicht in die bestehenden Regelkreissysteme und strategischen Entscheidungsebenen der Institute integriert. Eine Studie der Fachhochschule Kiel gibt auf empirischer Basis Aufschluss zum derzeitigen Umsetzungsstand von Nachhaltigkeitsmaßnahmen nationaler Kreditinstitute.

Das beschleunigte globale Bevölkerungswachstum, der Klimawandel und damit einhergehende Wetterkatastrophen, aber auch die sich stetig verringernden natürlichen Ressourcen stellen die Menschheit vor große Herausforderungen und führten in den letzten Jahrzehnten zu einem Umdenken in Gesellschaft und Politik. Entsprechend rückte der Wunsch nach nachhaltigem Handeln der wirtschaftlichen Akteure vermehrt in den Fokus der Öffentlichkeit. Im Bankensektor ist der Einsatz natürlicher Ressourcen gegenüber dem Mitteleinsatz im Produktionssektor grundsätzlich vernachlässigbar. Jedoch offenbarte insbesondere die letzte Finanzmarktkrise die ökonomischen Folgen eines nicht nachhaltigen Agierens der Kreditinstitute.

Durch eine Vielzahl von Gesetzen konnte teilweise ein nachhaltigeres Wirtschaften bei Banken angeregt oder gegen Widerstände durchgesetzt werden. Die steigende Bedeutung der Nachhaltigkeit verdeutlicht insbesondere die Einführung der Verpflichtung zur Erstellung eines Nachhaltigkeitsberichts ab dem Jahr 2017 durch das „Gesetz zur Stärkung der nichtfinanziellen Berichterstattung der Unternehmen in ihren Lage- und Konzernlageberichten“ (CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz), das Anfang März verabschiedet wurde. Die rechtlichen Verpflichtungen dieses Gesetzes greifen dabei den wachsenden Informationsbedürfnissen diverser Stakeholdergruppen im Kontext einer standardisierten Nachhaltigkeitsberichterstattung vor. Diese neue Offenlegungsvorschrift wird erneut dazu führen, dass sich Kreditinstitute mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandersetzen müssen. Zum derzeitigen Zeitpunkt gibt es weder empirische Belege über die Nachhaltigkeitsarbeit bei Kreditinstituten in Deutschland, noch eine Analyse, wie sich der Nachhaltigkeitsgedanke bei Banken entwickelt. Diese Lücke soll der vorliegende Artikel mittels einer Umfrage unter Nachhaltigkeitsmanagern von Kreditinstituten schließen.

Die drei Säulen der Nachhaltigkeit
Der aktuelle Nachhaltigkeitsgedanke basiert auf dem Zusammenspiel der Ökonomie, des Sozialen und der Ökologie. Diese drei Säulen der Nachhaltigkeit gehen bis auf Aristoteles, Kant und Weber zurück. Sie beschäftigten sich schon in frühester Zeit mit der Ethik von Menschen und Unternehmen. Ziel ihrer Überlegungen hinsichtlich der Entwicklung einer Wirtschaftsethik ist die soziale und menschliche Gestaltung von ökonomischen Prozessen.

Ökonomische Relevanz der Nachhaltigkeit
Bei Käufern und Investoren besteht hohes Marktpotenzial für nachhaltig orientierte Bankprodukte, belegt eine Umfrage von Roland Berger Strategy Consultants aus dem Jahr 2012. Demnach sind neben den klassischen Ertragszielen weitere Kriterien in die Produktentwicklung mit einzubeziehen. Insbesondere die deutschen Banken bilden diesen Trend gemäß den Umfrageergebnissen nur unzureichend ab. Auch werden die Kreditinstitute von den Konsumenten als nicht nachhaltig orientiert wahrgenommen. Gründe für diese negative Einschätzung werden in der fehlenden Berichterstattung der Kreditinstitute gesehen. 68 Prozent der befragten Kreditinstitute bieten Geldanlagen mit nachhaltigen Anlagekriterien an, zeigte 2013 eine Studie der Verbraucherzentrale NRW. Einen Zusammenhang zwischen nachhaltigem Wirtschaften und Gewinnstreben bestätigt eine internationale Umfrage von Deloitte aus dem Jahr 2012. Hier gaben 49 Prozent der befragten Unternehmensleitungen weltweit an, dass sie eine enge Verbindung zwischen der Nachhaltigkeitsleistung ihres Unternehmens und deren Finanzergebnissen sehen und demzufolge verstärkt in nachhaltige Maßnahmen investieren.

Methodik und Stichprobe
Das gerade beschlossene CSR-Richtlinien-Umsetzungsgesetz legt Rahmenbedingungen für die Nachhaltigkeitsberichterstattung von großen kapitalmarktorientierten Unternehmen und Banken fest. Zu dieser Gesetzesinitiative hatte sich die deutsche Kreditwirtschaft bereits im Gesetzgebungsverfahren grundsätzlich positiv geäußert. Jedoch beinhaltet das Gesetz weder einen konkreten Standard für die Berichterstattung noch die Verpflichtung, andere außergesetzliche Standards zu erfüllen. Ferner sind in der deutschen Umsetzung der CSR-RL keine konkreten Nachhaltigkeitsindikatoren vorgegeben, die es offenzulegen gilt. Folglich gibt es seitens der Kreditinstitute auch nur wenig zu berichten, bis die Kommentarliteratur die Gesetzgebung ergänzt und sich Branchenpraktiken herausbilden. Ein Vergleich zwischen Unternehmen anhand ihrer freiwilligen Nachhaltigkeitsberichterstattung ist hingegen nur sehr eingeschränkt möglich.

Unter Nachhaltigkeit können verschiedene Komponenten subsumiert werden. Ein Ansatz, die Anstrengungen eines Unternehmens im Sinn des Nachhaltigkeitsgedankens quantitativ zu beurteilen, ist der sogenannte Grothe-Kodex, an dem sich die vorliegende Studie orientiert. Hierbei wird neben den drei bekannten Säulen der Nachhaltigkeit ebenfalls die Ablauf- und Aufbauorganisation wie auch die Unternehmensführung (Governance) der Kreditinstitute untersucht. Dies dient in erster Linie der Beurteilung des Umsetzungsgrads und der Prozessreife. Für die quantitative Bemessung der Umsetzung des Nachhaltigkeitsgedankens bei Banken wurde eine Fragebogenumfrage durchgeführt; der Fragebogen lehnte sich an verschiedene Vorgängerstudien an und enthielt Indikatoren des Deutschen Nachhaltigkeitskodex sowie des Grothe-Kodex. Abschließend wurde er mit Nachhaltigkeitsexperten aus dem Bankensektor abgestimmt. Die Antwortmöglichkeiten orientierten sich in der Regel an einer sechsstufigen Notenskala.

Die Umfrage wurde von Frühjahr bis Herbst 2016 anonym durchgeführt. Ein besonderer Fokus lag dabei auf öffentlich-rechtlichen Kreditinstituten, da bei ihnen aufgrund des öffentlichen Auftrags ein besonderer Fokus auf Nachhaltigkeitsgesichtspunkte vermutet wird. Insgesamt haben 31 Kreditinstitute (19 Sparkassen, vier Förderinstitute und zwei Landesbanken) an der Umfrage teilgenommen.

 

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07/2017

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Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
24.07.2017
Erschienen in Ausgabe:

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Quelle(n):
Bildquelle: ©aluxum / iStockphoto.com
Autor/in 
Jan-Hendrik Meier, Christoph R. Meinzer, Daniela Latendorf

Dr. Jan-Hendrik Meier ist Professor für ABWL und Kostenmanagement am Fachbereich Wirtschaft der Fachhochschule Kiel. Dr. Christoph R. Meinzer arbeitet als Unternehmensberater /-analyst bei der HWB Unternehmerberatung GmbH in Kiel. Daniela Latendorf, M. A. ist bei der Investitionsbank Schleswig-Holstein im Bereich Unternehmensentwicklung tätig.
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