Sparmaßnahmen
Das Filialsterben schreitet voran
 

Die Kreditinstitute in Deutschland schließen immer mehr Filialen. Nun kündigte auch die Sparda-Bank West einen deutlichen Abbau ihrer Zweigstellen an. Einer aktuellen Studie zufolge wächst zugleich die Zahl digitaler Bankkunden.

FinTechs und Online-Banken werden bei Verbrauchern in Deutschland immer beliebter. Das macht es traditionellen Banken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken immer schwerer, ihre Kunden zu halten. Die Institute sehen sich zu harten Sparmaßnahmen gezwungen. Die gute alte Bankfiliale um die Ecke wird fast schon zum Auslaufmodell. Jüngste Entwicklungen bestätigen den radikalen Trend: Die Sparda-Bank West, die größte deutsche Genossenschaftsbank, kündigte an, weniger genutzte Filialen in ihrem Kerngeschäftsgebiet, das fast ganz Nordrhein-Westfalen und die Region zwischen dem Münsterland und den Ostfriesischen Inseln umfasst, zusammenzulegen oder zu schließen.

Am Ende dieses Prozesses werde das Institut nur noch an 38 ihrer bislang 56 Standorte mit Filialen vertreten sein. Sukzessiv sollen demnach im Rahmen dieses Umbaus 43 Filialen geschlossen oder mit anderen am Standort zusammengelegt werden. „Aktuelle Analysen zeigen, dass unsere Kunden immer seltener eine Filiale besuchen und stattdessen andere Kontaktmöglichen bevorzugen. Als eine Genossenschaftsbank, die sich an den Bedürfnissen ihrer Mitglieder und Kunden orientiert, müssen wir darauf reagieren und unser Angebot an die Wünsche und Erwartungen unserer Kunden anpassen“, erklärte Manfred Stevermann, Vorstandsvorsitzender der Sparda-Bank West.

Einer aktuellen Studie von Deutsche Bank Research zufolge ging die Zahl der Bankfilialen in der Bundesrepublik in den letzten Jahren deutlich zurück. Im Jahr 2018 gab es demnach nur noch 28.000 Filialen, gegenüber rund 40.000 im Jahr 2007. Der Rückgang habe sich vor allem nach 2013 beschleunigt und sei bei den Sparkassen und Genossenschaftsbanken, die sich stärker auf das klassische Privatkundengeschäft konzentrieren, etwas ausgeprägter. Mit der Umstellung von Zahlungsverkehrs-Dienstleistungen auf alternative Plattformen wie Geldautomaten und Online-Banking und dem Rückgang der Nachfrage nach physischem Bargeld in Zeiten wachsender Karten- und Mobilzahlungen hätten die Filialen an Bedeutung verloren und viele wurden geschlossen, hieß es.

Immer mehr digitale Bankkunden

Wie schwer es klassische Kreditinstitute vor dem Hintergrund der voranschreitenden Digitalisierung haben, zeigt der aktuelle Global Retail Banking Report 2019 der Boston Consulting Group (BCG). In Deutschland gibt es demnach immer mehr digitale Bankkunden: 33 Prozent aller neuen Konten seien 2018 bei Digital- oder Direktbanken eröffnet worden. Die Offenheit der deutschen Kunden für Banking ohne Filialen sei groß: Die Bundesrepublik liege bei der Nutzung digitaler Services mit 58 Prozent auf Platz drei unter den untersuchten elf Ländern, knapp hinter Belgien mit 63 Prozent ausschließlichen Online-Nutzern und den Niederlanden mit 77 Prozent online-affinen Bankkunden.

Weltweit sei der Anteil von Bankkunden, die ausschließlich die Bankfiliale für ihre Geschäfte nutzten, seit 2015 von 35 auf zwölf Prozent gesunken. Der Anteil ausschließlicher Online-Kunden sei im selben Zeitraum von 28 auf 40 Prozent gewachsen. 48 Prozent nutzen der Erhebung zufolge 2019 sowohl digitale Bankservices als auch die Filiale vor Ort. Ein ähnliches Verhalten zeichne sich im deutschen Markt ab: Nur noch 13 Prozent der Deutschen nutzen demnach die Bankfiliale als einzige Anlaufstelle bei Finanzangelegenheiten.

„Die Zahl der Deutschen, die für Bankservices ausschließlich digitale Kanäle nutzen, nimmt immer rascher zu. Um im Wettbewerb um Kunden zu bestehen, müssen Banken an ihrem digitalen Angebot massiv arbeiten“, erklärte Holger Sachse, BCG-Partner und Leiter der Retail-Banking-Beratung in Deutschland und Österreich. Zugleich fügte er hinzu: „Kunden in Deutschland erwarten von ihrem Geldhaus zwar innovative digitale Lösungen, Produkte und Services. Wenn es aber um komplexe oder emotional bedeutsame finanzielle Entscheidungen geht, schätzen viele durchaus den persönlichen Kontakt in einer Filiale“, betonte Sachse. „Die Rolle der Filiale und der Mitarbeiter in den Filialen wird sich dadurch noch fundamentaler verändern, als wir es heute schon beobachten“, resümierte er. (ud)

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Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
21.11.2019
Quelle(n):
© iStock.com/pawel.gaul
Autor/in 
Redaktion die bank
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