EU-Einlagensicherung
Das Anti-Geschäftsmodell

Selten herrschte in der deutschen Kreditwirtschaft eine solche Einigkeit: Der Plan der EU-Kommission für eine europäische Einlagensicherung setzt falsche Anreize und verringert die Risiken nicht. Im Gegenteil: eine Vergemeinschaftung oder Europäisierung der Einlagensicherung – mit einer damit verbundenen Vielzahl an Zugriffsrechten – würde das Vertrauen der Bürger in die Verlässlichkeit der vorhandenen Einlagensicherungssysteme und die Stabilität der Finanzmärkte leichtfertig aufs Spiel setzen. Das gilt für etwaige Rückversicherungen, Haftungsübernahmen oder eine schrittweise Zusammenführung der angesparten Sicherungsmittel. Gemäß einer aktuellen Umfrage zeigen sich 86 Prozent der Menschen davon überzeugt, dass ihre Spareinlagen in Deutschland sicher aufgehoben sind und an der geltenden Absicherung auf nationaler Ebene festgehalten werden sollte.

Diese Haltung darf wohl kaum verwundern, denn die EU-Kommission würde mit einer Verbindung von Sicherungseinrichtungen einen Schritt in Richtung einer Transferunion gehen. Und zwar zu Lasten von intakten Banksystemen. Dies wäre ein falsches Signal, denn nationale Regierungen müssen auch weiterhin einen Anreiz haben, sich um ein gut funktionierendes Finanzsystem und tragfähige Sicherungseinrichtungen im eigenen Land zu kümmern. Man muss nur wenige Jahre zurückblicken, um das Risiko mangelhafter Systeme im europäischen Ausland zu erkennen: 2008 brach das isländische Finanzsystem zusammen und mit ihm die größten Banken des Landes – Kaupthing, Landsbanki (Icesave) und Glitnir konnten nur durch milliardenschwere Notkredite gerettet werden. Darunter litten auch rund 34.000 deutsche Sparer, die aufgrund hoher Zinsen Geld auf Tages- und Festgeldkonten isländischer Banken angelegt hatten und danach nicht mehr an ihr Geld kamen. Nur durch politische Interventionen des Bundesfinanzministeriums konnte eine mühsame und zeitaufwändige Rückzahlung der Einlagen veranlasst werden. Den isländischen Steuerzahlern war 2009 übrigens nur schwer zu vermitteln, für die Verluste ausländischer Anleger aufzukommen und die Last der Finanzkrise zu tragen.

Offenbar ficht diese Negativerfahrung einige Privatanleger dennoch nicht an. Über Vermittlerportale wie Savedo werden heute wieder deutsche Einlagengelder massenhaft ins Ausland transferiert. Die Zielbanken heißen J&T Banka in der Tschechischen Republik, Vaba Banka oder Banka Kovanica in Kroatien. Haupteigentümer der Banka Kovanica ist die Cassa die Risparmio in der Republik San Marino. Wie auch immer man es betrachten will: Finanzmarktstabilität sieht anders aus. Spareinlagen-Fischerei und regulatorische Arbitrage ist das Anti-Geschäftsmodell dessen, was sich die Bankenaufsicht unter Risikokultur vorstellt. Angelockt werden die Kunden mit der europäischen Einlagensicherung, die eine Absicherung der Spareinlagen jedes Kunden bis zur Maximalsumme von 100.000 € vorsieht. Die Grundlage hierfür ist eine EU-Richtlinie aus dem Jahr 2009. Blöd nur, dass San Marino nicht zur EU gehört und die gültige EU-Richtlinie in Tschechien national noch gar nicht umgesetzt wurde.

 

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Artikel veröffentlicht am:
24.11.2015
Quelle(n):

Bildquelle: Fotolia, duncanandison

Autor/in 
Stefan Hirschmann
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