Bilanz nach der Finanzkrise
Bundesbank lobt Reformen im Bankensektor

Die Bundesbank hat die Reformen zur Stabilisierung des Bankensektors seit der Finanzkrise vor zehn Jahren gelobt, zugleich aber weitere Anstrengungen der Staaten gefordert. „Der Strukturwandel ist bei Weitem nicht abgeschlossen“, betonte Joachim Wuermeling, Mitglied des Vorstands der Bundesbank beim Jahresempfang der Hauptverwaltung in Nordrhein-Westfalen. Es gebe weiter Überkapazitäten, die vor der Finanzkrise aufgebaut und immer noch nicht vollständig abgebaut worden seien. Zudem hätten es viele Institute noch nicht geschafft, ihre Geschäftsmodelle an die neuen Realitäten anzupassen. Eine strukturelle Herausforderung bleibe zudem das seit vielen Jahren kontinuierlich sinkende Zinsniveau, welches das Zinsergebnis der Institute geschmälert habe.

Wuermeling lobte auf internationaler Ebene insbesondere die Basel III-Reformen. Im Jahr 2010 habe der Baseler Ausschuss Mindeststandards für die Qualität und die Quantität von Eigenkapital gesetzt und sich für die Verschuldung von Finanzinstituten Grenzen gesetzt. Zusätzlich sorgten seitdem neue Liquiditätsstandards dafür, dass Banken und Sparkassen in einer Krise nicht mehr – oder zumindest nicht mehr so schnell – auf dem Trockenen säßen. „Regeln wurden geschaffen, die verhindern sollen, dass der Steuerzahler im Fall von Schieflagen großer Banken belastet wird.“ 

Lücken im alten Regulierungssystem geschlossen

Die EU sei den Ursachen der Krise mit einem „wahren Paradigmenwechsel begegnet“, der mit der 2014 eingeführten europäischen Bankenunion vollzogen worden sei. Vor allem die gemeinsame Bankenaufsicht in der Eurozone (SSM) und der Übergang zu direkt in allen Staaten gültigen EU-Verordnungen („Single Rulebook“) hätten viele Lücken im alten Regulierungssystem geschlossen.

Auch der deutsche Bankensektor habe sich seit 2008 stabilisiert. Dieser Prozess habe den Instituten einiges abverlangt. „Mit der schrittweisen Umsetzung und Anwendung des Regulierungsrahmens Basel III hat sich die Eigenkapital- und Liquiditätsausstattung der Institute qualitativ und quantitativ grundlegend verbessert.“ Die durchschnittliche Kernkapitalquote deutscher Banken habe sich zwischen 2008 und dem zweiten Quartal 2018 von 9,6 Prozent auf 16,8 Prozent fast verdoppelt. „Der Strukturwandel wird den Bankensektor also weiter fordern – und wer sich nicht weiterentwickelt und anpasst, wird keinen dauerhaften Platz im Finanzsystem haben“, resümierte Wuermeling. (ud)

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Artikel veröffentlicht am:
08.02.2019
Autor/in 
Redaktion die bank
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