Distributed Ledger-Technologie und Smart Contracts
Blockchain-Nutzung vor dem Durchbruch?

Distributed Ledger-Technologie (DLT) und in Smart Contracts (SC) finden derzeit enormes Interesse bei Banken und Technologieanbietern mit ihrem Versprechen, die Automatisierung innerhalb der Finanzdienstleistungsbranche zu transformieren. Allerdings ist für eine Anwendung im industrieweiten Maßstab ein gewisses Standardisierungsniveau erforderlich. Daher müssen die Marktteilnehmer gemeinsam daran arbeiten, Bedeutung und Formate der Daten abzustimmen, die auf DLT-Plattformen verwendet werden sollen, formalisierte Geschäftsabläufe festzulegen und rechtliche Auswirkungen zu klären. Eine aktuelle Studie der Finanzinformationsgesellschaft SWIFT untersucht die Funktion dieser Standards unter zwei unterschiedlichen Aspekten: Den erforderlichen Voraussetzungen für die Standardisierung von DLT/SC und den Möglichkeiten zur neuen Nutzung bereits bestehender Standards. „Die Distributed Ledger-Technologie verspricht die Synchronisierung der Finanzdaten zwischen vielen unterschiedlichen Organisationen, während Smart Contracts weitere, unmittelbar wirksame Effizienzsteigerungen des Ledger bieten sollen”, sagt Stephen Lindsay, Head of Standards bei SWIFT. Er kommt allerdings zu dem Schluss, dass es für eine vollständige Standardisierung von DLT/SC-Nutzanwendungen noch zu früh ist. Die Community müsste zunächst gemeinsam weitere Untersuchungen zur Neuanwendung bestehender Business-Standards durchführen, um die effizienten Auswirkungen der DLT/SC-Technologien für die Finanzindustrie insgesamt noch stärker zu fördern.” Im Potenzial von DLT/SC sieht Lindsay jedoch eine klare Chance für die Finanzindustrie, die Bemühungen um gemeinsame Nachrichten- und Datenstandards zu koordinieren und somit die Fragmentierung globaler Standards zu vermeiden. Neuere globale Standards wie ISO 20022 (Finanznachrichten) und ISO 17442 (Legal Entity Identifier – LEI) ermöglichen stabile, voll kompatible Abläufe zwischen mehreren Teilnehmern durch eine Reduzierung der Mehrdeutigkeit von Spezifizierungen und einen effizienten Neueinsatz von Wissen, Fähigkeiten und Technologien.

Derweil hat die Unternehmensberatung Accenture ein Verfahren entwickelt, mit dem unter besonderen Umständen in die Blockchain-Technologie eingegriffen werden kann. Die Technologie könnte insbesondere zur Behebung menschlicher Fehler, der Berücksichtigung rechtlicher und regulatorischer Anforderungen oder zum Adressieren von Missbrauch eingesetzt werden. Blockchain-Schlüsselelemente wie ihre kryptografischen Eigenschaften bleiben hingegen unangetastet. Der Prototyp stelle einen signifikanten Durchbruch für die Nutzung der Blockchain durch Unternehmen insbesondere aus dem Banken-, Versicherungs- und Kapitalmarktumfeld dar, glaubt Accenture. Die Entwicklung richtet sich an sogenannte „Permissioned“-Blockchain-Systeme, bei denen ausgewiesene Administratoren das System zentral unter festgelegten Regeln verwalten. Der Einsatz in offenen und dezentral organisierten „Permissionless“-Systemen wie dem der Kryptowährung Bitcoin ist nicht das Ziel. Da hier keine zentralen Aufsichtsinstanzen bestehen, ist die Unveränderbarkeit von Einträgen und Informationen unerlässlich. „Auf der Suche nach neuen Anwendungsgebieten für die Blockchain-Technologie jenseits von Kryptowährungen ist die absolute Unveränderlichkeit der traditionellen Blockchain Fluch und Segen zugleich“, sagt Richard Lumb, von Accenture. Für dezentrale Kryptowährungssysteme sei eine permanente Aufzeichnung der Daten absolut hilfreich für den Aufbau von Vertrauen zwischen den Teilnehmern gewesen. Für Finanzdienstleister stelle diese Unveränderlichkeit jedoch eine mögliche Hürde dar, da sie einer Vielzahl von Anforderungen mit Blick auf Risikomanagement und Regulatorik unterliege, so Lumb, dessen Entwicklung sich als Alternative zur bestehenden Technologie versteht. Die Nutzer des Systems selbst könnten Blockchains auch weiterhin nicht verändern. Bei Bedarf könnten jedoch festgelegte Administratoren unter Berücksichtigung definierter Governance-Regeln Informationsblöcke neu schreiben oder entfernen, ohne die Kette zu unterbrechen. Dies wird durch eine neue Variation der sogenannten „Chameleon Hash“-Funktion möglich, die durch Nachbildung von Algorithmen zwei separate Blöcke über die Nutzung sicherer Schlüssel verbinden kann. Änderungen an Blöcken können durch eine unveränderbare Markierung kenntlich gemacht werden. Sowohl in den USA als auch in der Europäischen Union wurden für die Entwicklung Patente angemeldet. Accenture will die Erfindung in der kommenden Woche auf der Sibos 2016 in Genf vorstellen.

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Artikel veröffentlicht am:
22.09.2016
Quelle(n):
Bildquelle: Fotolia.com/the lightwriter
Autor/in 
Stefan Hirschmann
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