Steuervergehen
Betrugsskandal mit „Phantom-Aktien“
 

Die Staatsanwaltschaft Köln ermittelt gegen mehrere Mitarbeiter einer Bank in Deutschland wegen des Verdachts auf Steuervergehen bei Aktiengeschäften mit speziellen Wertpapieren. Die neue Masche ist offenbar noch perfider als Cum-Ex.

Bei den Papieren wurden keine Dividenden gezahlt, weil die Aktien mitunter gar nicht existierten, berichtet die Süddeutsche Zeitung am Donnerstag in ihrer Online-Ausgabe. Demnach geht es um Milliardengeschäfte und Steuerschäden in mindestens dreistelliger Millionenhöhe. Ein Finanzexperte, der früher an Cum-Ex-Geschäften in Deutschland beteiligt gewesen sei, spreche von „Phantom-Aktien“. Seines Wissens nach sei auf diese Weise die Cum-Ex-Masche sogar noch verfeinert worden. In Deutschland seien die Phantom-Aktien nicht von echten zu unterscheiden gewesen.

Die Papiere mit dem Namen ADR (American Depositary Receipts) werden den Angaben zufolge von Banken ausgestellt und an den Börsen in den USA stellvertretend für ausländische Aktien gehandelt. Bislang sei dies ein unverdächtiges Geschäft gewesen. Ursprünglich sei es erfunden worden, damit US-Investoren etwa Aktien europäischer Firmen in Dollar handeln könnten.

Deutsche Finanzbehörden getäuscht

Normalerweise müsse jedem ADR-Papier eine Aktie zugrunde liegen oder ein Bruchteil einer Aktie. Nach Erkenntnissen von US-Ermittlern seien in vielen Fällen aber solche Papiere ausgegeben worden, ohne dass die Banken die betreffenden Aktien hinterlegt hätten. Die Inhaber dieser sogenannten Vorab-ADRs sollen demnach deutsche Finanzbehörden getäuscht und Steuererstattungen kassiert haben, obwohl zuvor gar keine Steuern auf Dividenden gezahlt worden seien. Insofern ähnele das Vorgehen den Cum-Ex-Modellen. Cum-Ex steht für den Handel von Aktien mit (Cum) und ohne (Ex) Dividende.

Wie es weiter heißt, gibt die Finanzbranche zu, dass der Handel mit ADR-Papieren betrugsanfällig gewesen sei. Die Geldhäuser hätten oftmals solche Phantom-Aktien ausgestellt, mit dem Versprechen, die echten Aktien würden noch geliefert. Es sei darum gegangen, bei Geschäften zwischen Europa und den USA eine gewisse Zeitspanne bis zur Vorlage der tatsächlichen Aktien zu überbrücken. Das sei grundsätzlich legal.

Das Bundesfinanzministerium (BMF) versuche unterdessen, die Notbremse zu ziehen. Das Ministerium habe vorige Woche einen Erlass an die Steuerbehörden verschickt. Ein spezielles Erstattungsverfahren, welches es Kriminellen bislang leichtgemacht habe, sei vorerst gestoppt worden. Um die Aufklärung voranzutreiben, seien zudem alle Bundesländer und die beteiligten Behörden angewiesen worden, Informationen zum Thema an das BMF zu melden. (ud)

Kontakt  
Diesen Artikel ...  
Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
22.11.2018
Quelle(n):

Bildquelle: ©simoneminth | fotolia.com

Autor/in 
Redaktion die bank
Weitere interessante Artikel 
Artikel abonnieren 
die bank | Newsfeed
Newsletter

die bank | Newsletter

Abonnieren Sie den kostenlosen redaktionellen Newsletter der Fachzeitschrift „die bank“.
Der Newsletter erscheint mindestens einmal im Monat und informiert Sie über aktuelle Beiträge und News.

 Anmeldung

 Newsletter-Archiv