Bundesbank-Studie: "Schneller und günstiger"
Barzahlung toppt die Kartenzahlung

Im Ladenlokal spalten sich deutsche Käufer gern in zwei Lager: Hier diejenigen, die immer noch die Barzahlungen bevorzugen und Karten- oder gar Handyzahlung aus Sicherheitsbedenken ablehnen, dort jene, die Barzahler für Ewiggestrige halten, die an der Ladenkasse mit ihrem „Moment, ich hab´s passend!“ nur den Betrieb aufhalten.

20 Milliarden Transaktionen werden hierzulande jährlich im Einzelhandel getätigt, und immer noch werden drei von vier Bezahlvorgängen an der Kasse bar abgewickelt. Dabei wächst die Vielfalt der Möglichkeiten, Zahlmittel zu nutzen. Neben Bargeld, girocard und Kreditkarte können deutsche Konsumenten seit letztem Jahr auch mit dem Smartphone bezahlen (Google- oder Apple Pay). 

Eins haben aber alle Varianten gemeinsam: Sie kosten (den Händler) Geld. Bargeld muss vorgehalten und abgeholt werden, hinzu kommen Kartenlesegeräte, Hard- und Software, Kosten für Datenverkehr, und natürlich auch der Personaleinsatz. Über die Höhe dieser Kosten wurde in den vergangenen Jahren verstärkt diskutiert. Die Bundesbank will das natürlich ganz genau wissen. Schon 2014 hatte sie erste Schätzungen zum Thema Kosten und Nutzen des Bargelds und unbarer Zahlungsinstrumente veröffentlicht. Nun ließ sie eine neue Studie durchführen, gemeinsam mit dem EHI Retail Institute. 

Dabei wurden im Jahr 2017 insgesamt 3.125 Zahlvorgänge in 15 Einzelhandelsunternehmen gemessen. Zudem machten 30 Einzelhändler Angaben über ihre Kosten für Bar- und Kartenzahlungen. Ergebnis: „Die Gesamtkosten der Zahlungsverfahren belaufen sich für den deutschen Einzelhandel auf insgesamt 5.432 Mio. Euro pro Jahr“, teilte die Bundesbank nun mit. Zwei Drittel (oder 3.775 Mio. Euro) entfielen auf Barzahlungen, rund ein Drittel (1.657 Mio. Euro) auf alle betrachteten Kartenzahlungen zusammen. Rund drei Viertel der Transaktionen im Handel wurden mit Bargeld abgewickelt. „Im Jahr kostet jede Zahlung mit Bargeld also knapp 24 Cent. Eine Zahlung mit girocard bzw. SEPA-Lastschrift liegt bei knapp 33 bzw. 34 Cent. Kreditkartenzahlungen mit PIN (0,1 Mrd. Transaktionen) belaufen sich in Folge höherer Transaktionskosten auf 97 Cent bzw. auf 1,04 Euro bei einer Kreditkartenzahlung mit Unterschrift (0,3 Mrd. Transaktionen)“, so die Notenbank. 

Auch interessant: Die Schnelligkeit der verschiedenen Bezahlvarianten. Johannes Beerman, der für Bargeld zuständige Bundesbank-Vorstand, erläuterte, eine Bargeldzahlung dauere gut 22 Sekunden, eine Kartenzahlung mit PIN hingegen sieben Sekunden länger. „Gegenüber der Kartenzahlung mit Unterschrift ist die Zahlung mit Bargeld sogar 16 Sekunden schneller“, so Beermann.  

Was in der Untersuchung fehlt, sind genaue Angaben zum kontaktlosen Bezahlen. Diese Variante sei in Deutschland noch zu neu, und zum Erhebungszeitpunkt (2017) konnte nur ein geringer Anteil kontaktloser Kartenzahlungen gemessen werden. In der Studie werden deshalb Zahlen für NFC-Bezahlvarianten durch Simulationen berücksichtigt. Der Vorteil bleibe dennoch auf Seiten der Barzahlung, so die Studienautoren, selbst, wenn alle kontaktlosen Zahlungen ohne PIN-Autorisierung auskämen. Wegen der Schnelligkeit der kontaktlosen Bezahlungen seien dabei aber die variablen Kosten besonders niedrig. Die kontaktlose girocard-Zahlung weise – bezogen auf den Umsatz – die geringsten Kosten auf, gefolgt vom elektronischen Lastschriftverfahren und Kreditkartenzahlungen. (kra) 

Kontakt  
Diesen Artikel ...  
Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
12.02.2019
Autor/in 
Redaktion die bank
Weitere Artikel 
Newsletter

die bank | Newsletter

Abonnieren Sie den kostenlosen redaktionellen Newsletter der Fachzeitschrift „die bank“.
Der Newsletter erscheint mindestens einmal im Monat und informiert Sie über aktuelle Beiträge und News.

 Anmeldung

 Newsletter-Archiv