Studie
Banken sorgen sich um Datensicherheit
 

Vom Datenschutz, über Negativzinsen bis hin zur Digitalisierung und zur Plattformökonomie: Die Finanzindustrie ist mit einer Fülle von herausfordernden Themen konfrontiert. Was genau bewegt die Branche?

Als derzeit größte Herausforderungen nennen die meisten Banker einer aktuellen Umfrage zufolge Datenschutz und Datensicherheit (73 Prozent der Befragten), Regulierung und Compliance sowie die Optimierung der eigenen IT (jeweils 72 Prozent). Aber auch die weiterhin niedrigen Zinsen und die Kosten sind eine Hürde für bessere Geschäfte, wie jeweils 71 Prozent der Befragten sagen. Unter den „sehr großen Herausforderungen“ stehen Niedrig- oder Negativzinsen mit 40 Prozent, gefolgt von Kostendruck mit 32 Prozent der Befragten sogar an oberster Stelle. Das sind einige der zentralen Ergebnisse der Studie „Branchenkompass Banking 2019“ des Marktforschungsinstituts Survey Sampling Germany im Auftrag der Managementberatung Sopra Steria Consulting und dem F.A.Z.-Institut. Befragt wurden 101 Führungskräfte aus Kreditinstituten in Deutschland.

Wie es weiter heißt, wird auch die künftige Rolle der IT in den Banken als großer Problemfaktor genannt, wenn es etwa um die Digitalisierung von Geschäftsprozessen, das Risikomanagement, die Suche nach (Daten-)Fachkräften oder die zum 14. September 2019 vollumfänglich in Kraft getretene Zahlungsdiensterichtlinie PSD2 geht. Die Suche nach geeignetem Personal sei schwierig geworden, und zwar gerade bezüglich Experten mit Digital-Know-how. Da sich neben den Banken viele Branchen in der digitalen Transformation befänden und junge Start-ups ebenfalls um Mitarbeiter werben würden, sei der Arbeitsmarkt nahezu leergefegt. Die PSD2 sei zwar ein großer Schritt in Richtung Open Banking, berge aber für die Banken das Risiko, ihre Kunden-schnittstelle an Wettbewerber aus der eigenen oder aus fremden Branchen zu verlieren.

Die Regulierung sowie die Compliance mit den Vorgaben der Bankenaufsicht stehen den Angaben zufolge seit der Finanzkrise in den Befragungen zum „Branchenkompass Banking“ stets auf den ersten Positionen der größten Herausforderungen. Nun wachse die Hoffnung, dass der Zenit erreicht sein könnte und womöglich sogar deregulierende Maßnahmen folgen könnten. So gelte die dem Verbraucherschutz dienende EU-Finanzmarktrichtlinie MiFIDII mittlerweile als „Regulierungsmonster“, das Privatkunden ein Investment in Wertpapiere wie Fonds eher verleide als sie zu motivieren und besser aufzuklären. Solche Investments seien aber für Privathaushalte eine Grundlage für den systematischen Vermögensaufbau und die Altersvorsorge, hieß es.

Einheitliche Digitalisierungsstrategie notwendig

Neben den aktuellen Herausforderungen ist ein weiteres wichtiges Thema der Befragung der technologische Umbruch in der Branche. Die strategischen Überlegungen der Banken richteten sich derzeit vor allem auf die Digitalisierung und die Gewinnung neuer Kunden. Für 88 Prozent der Befragten sei es in diesem Kontext wichtig, eine einheitliche Digitalisierungsstrategie für ihr Institut zu entwickeln und umzusetzen. Nach dem Motto „digital first“ solle damit die Vielfalt von IT- und Datenprojekten konsequenter auf die Geschäftsinteressen ausgerichtet werden. 78 Prozent der Befragten wollten technologisch sogar eine Vorreiterrolle einnehmen – und sich so auch im Wettbewerb gegenüber Fintechs stärker positionieren.

Da über Bestandskunden eine große Datenfülle vorhanden sei, hätten die Banken hier die Chance, durch intelligente Analysen ihre Kunden individuell mit passenden Angeboten zur richtigen Zeit zu begeistern, so die Studie. Doch auch für die Neukundengewinnung würden Datenanalysen immer wichtiger, um Interessenten passgenau anzusprechen. Wachstum durch Neukunden sei für 84 Prozent der Banker eine zentrale Strategie. Für 81 Prozent sei es außerdem das Wachstum durch Bestandskunden.

Dass es jedoch auch in Zukunft trotz Digitalisierung nicht ohne persönliche Beratung gehe, sei die Überzeugung der großen Mehrheit der Banker. Der These stimmen demnach immerhin 77 Prozent der Befragten zu (40 Prozent sogar voll und ganz). Auch der Filiale trauten 76 Prozent weiter eine wichtige Rolle in den Kundenbeziehungen zu; insbesondere wenn es den Bankstellen gelinge, sich von ihrer Gestaltung her stärker an die Bedürfnisse junger Kunden anzupassen.

Plattformen verändern Banking

Laut der Studie planen Banken ferner zahlreiche Investitionsprojekte für Multibanking-Apps, Videoberatungen und den Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI). Bei der Umsetzung sollen demnach unter anderem auch Fintechs – eigene und Partner – zum Zug kommen. Mehrheitlich erkennen die Befragten demzufolge einen Trend in Richtung Plattformökonomie, die den Kunden umfassende Lösungen für ihre Bedürfnisse bieten solle. Unter den aktuell neu eingeführten oder geplanten Angeboten von Banken stünden Kundenservices wie Multibanking-Apps, Videochats und Videoberatung sowie digitale Zahlsysteme an erster Stelle. Bereits 43 Prozent der Befragten würden den Kunden eine Form von Videokommunikation zur Verfügung stellen, weitere 25 Prozent planten dies, und 17 Prozent seien derzeit im Diskussions- und Entscheidungsprozess.

Weitere 38 Prozent der Banken offerierten ihren Kunden bereits Multibanking-Apps, die mit Zustimmung des Kunden dessen Kontodaten bei unterschiedlichen Banken über PSD2-konforme Schnittstellen zusammentragen und übersichtlich in einem virtuellen Gesamtkonto zusammenfügen, hieß es. So erhalte der Kunde einen Überblick über seine aktuelle finanzielle Situation, ohne sich bei den einzelnen Banken einloggen zu müssen. Der Vorteil für die App-Anbieter: Sie behielten die Kundenschnittstelle und blieben damit erster Ansprechpartner des Kunden. 36 Prozent der befragten Banker planten solche Angebote, und 16 Prozent befänden sich noch im Entscheidungsprozess. (ud)

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Artikel veröffentlicht am:
17.10.2019
Quelle(n):

Bildquelle: iStock.com/deepblue4you

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Redaktion die bank
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