Nachhaltigkeit
Banken erwarten starken Anstieg grüner Investments
 

Nachhaltige Geldanlagen spielen eine zunehmend wichtigere Rolle. Fast 90 Prozent der Banken und Finanzdienstleister sind davon überzeugt, dass nachhaltige Geldanlagen an Bedeutung gewinnen, so eine aktuelle Umfrage.

Wohl kaum ein Begriff hat die ökonomische Debatte der letzten Jahre derart stark geprägt wie Nachhaltigkeit. In der Finanzbranche spielen nachhaltige Geldanlagen eine immer wichtigere Rolle. Einer aktuellen Umfrage zufolge zeigen sich 87 Prozent der befragten Banken und Finanzdienstleister davon überzeugt, dass nachhaltige Geldanlagen an Bedeutung gewinnen würden. Die Branche sei bereit, Verantwortung für einen Wandel zu übernehmen und erwarte in der Mehrheit keine Rendite-Einbußen. Das sind einige der Ergebnisse der Studie „Nachhaltige Geldanlagen 2019“, für die VÖB-Service, ein Anbieter von Bankensoftware, und die Unternehmensberatung Cofinpro mehr als 160 Finanzexperten befragt haben.

Der Analyse zufolge gewinnen für 84 Prozent der befragten Finanzexperten Umwelt-, Governance- und Ethikthemen an Bedeutung. Mit der von der EU geforderten nachhaltigen Anlageberatung werde sich dieser Trend wohl noch verstärken. Erklärtes Ziel der EU-Kommission sei es, Investitionen in Nachhaltigkeit zu fördern – insbesondere um die Klimaziele bis 2030 zu erreichen. Wie es weiter hieß, würden immer mehr Investoren in den kommenden Jahren ihre Portfolios umschichten. Vor allem institutionellen Anlegern werde zugetraut, Umwelt- und Governance-Themen voranzutreiben. Jeder dritte Befragte erwarte, dass der Marktanteil für nachhaltige Investments in dieser Gruppe bis 2025 auf mindestens 40 Prozent steigen werde. Unter den Privatkunden werde der Anteil hingegen deutlich geringer ausfallen.

Kapitalmarkt kommt Schlüsselrolle zu

Die Finanzexperten nehmen sich der Studie zufolge selbst in die Pflicht, den Fokus auf Umwelt- und Governance-Themen zu legen. 67 Prozent sagen demnach, dass sie sich mit diesen Investments beschäftigen. Die Einhaltung regulatorischer Vorgaben sei dagegen nur für jeden Dritten ausschlaggebend. In der Branche sei die Überzeugung, einen positiven Beitrag leisten zu können, ausgeprägt: Neun von zehn Experten stimmen demzufolge der Aussage zu, dass die Finanzwirtschaft gesellschaftliche Verantwortung übernehmen und nachhaltiges Handeln in der Wirtschaft vorantreiben könne. Dem Kapitalmarkt komme damit eine Schlüsselrolle zu, um die von der EU gewünschten Ziele zu erreichen. 

Darüber hinaus wurde die Frage gestellt, ob grüne Investments und Rendite im Einklang miteinander stehen würden. Zwei von drei Profis sähen darin keinen Zielkonflikt und sagten: Nachhaltigkeit gehe nicht zulasten der Performance. Das Identifizieren und Klassifizieren von nachhaltigen Investments bleibe für die Bankenbranche jedoch eine Herausforderung: 85 Prozent der Finanzexperten sagen den Angaben zufolge, dass für nachhaltige Investments die Produktauswahl schwieriger sei und 72 Prozent glaubten, dass umfangreichere Informationen benötigt würden. Eine Möglichkeit, nachhaltige Investments schnell und sicher zu klassifizieren, stellten grüne Gütesiegel dar. Diese hätten sich jedoch noch nicht durchgesetzt: Nur 22 Prozent der Profis nutzten diese Möglichkeit.

Hohe Erwartungen der Bundesbürger an Finanzindustrie

Wie es weiter hieß, entfalten Investments nach ESG-Kriterien In der Bevölkerung jedoch noch nicht die Breitenwirkung wie unter den Finanzprofis – wobei der Geldanlage generell von vielen Bürgern keine besondere Beachtung geschenkt werde. Insofern liege der Anteil derjenigen, die ein gesteigertes Interesse an nachhaltigen Investments zeigten, mit 45 Prozent erstaunlich hoch. Zugleich sehe die Öffentlichkeit die Banken in der Pflicht, sich für Umwelt- und Sozialstandards einzusetzen. 74 Prozent der Bundesbürger erwarten demnach von Finanzdienstleistern, Druck auf Unternehmen auszuüben, damit diese nachhaltig arbeiteten. 43 Prozent der Befragten gäben an, dass Finanzdienstleister eine Vorreiterrolle beim Thema nachhaltiges Wirtschaften einnehmen könnten.

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass nachhaltige Investments in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen würden. Auffallend sei jedoch, dass viele Finanzmarktexperten schon weiterdenken würden als die Bundesbürger. Damit seien die Banken auch in einer besonderen Situation: Sie könnten das Thema Nachhaltigkeit positiv besetzen und somit aktiv den Wandel gestalten. (ud)

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Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
11.09.2019
Quelle(n):
Bildquelle: iStock.com/elxeneize
Autor/in 
Redaktion die bank
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