Einkommensmillionäre in Banken
390 Top-Verdiener in Deutschland
 

Am 11. März 2019 hat die Europäische Bankenaufsicht EBA ihre jährliche Analyse der für Institute verpflichtenden Angaben zu Mitarbeitern und Führungskräften mit einem Einkommen von über 1 Mio. Euro pro Jahr veröffentlicht. die bank sprach mit den Vergütungsexpertinnen Petra Knab Hägele und Isabel Jahn (hkp/// group) über die Ergebnisse des sogenannten High Earner Reports.

Frau Knab-Hägele, Frau Jahn, der EBA High Earner Report analysiert die Vergütungsdaten von Instituten innerhalb der EU für das Geschäftsjahr 2017. Was sind für Sie wesentliche Ergebnisse?

Petra Knab-Hägele: Der EBA-Report bilanziert für das Geschäftsjahr 2017 einen Anstieg bei der Anzahl der Vergütungen von über 1 Mio. Euro. Insgesamt wurden 4.859 High Earner in Banken von Mitgliedsstaaten der EU ermittelt. Dies entspricht einem Anstieg von rund sechs Prozent im Vergleich zu 2016. 

Isabel Jahn: Mit 3.567 verzeichnet Großbritannien die mit Abstand höchste Anzahl an Top-Verdienern im Vergleich zu anderen Mitgliedsstaaten der EU. In Deutschland sind es 390 High Earner. In beiden Ländern ist die Anzahl gestiegen, und zwar um 38 bzw. 37 Personen.

Was ist der Hintergrund dieser Entwicklung. Könnte das Ergebnis für Großbritannien nicht durch Kursschwankungen verursacht sein?

Petra Knab-Hägele: Die steigenden Zahlen bei den High Earnern, die entweder Risk Taker und/oder Geschäftsleiter sind, basiert im Wesentlichen auf verbesserten Geschäftsergebnissen in den Instituten. Währungsschwankungen spielen natürlich immer eine Rolle. Aber der Einfluss des Wechselkurses zwischen EUR und GBP war in dem Betrachtungszeitraum nur gering. 

In welchen Bereichen fallen die Vergütungen besonders hoch aus?

Petra Knab-Hägele: Besonders und auch in der Breite hoch fallen die Vergütungen im Asset Management aus. Hier spiegelt sich wider, dass Asset Manager derzeit von der Regelung des Caps auf die variable Vergütung von maximal dem Doppelten der Fixvergütung für die variablen Bezüge ausgenommen sind. Daher gehen die variablen Bezüge zum Teil weit über 200 Prozent-Grenze des Verhältnisses fix zu variabel hinaus.

Isabel Jahn: In Deutschland finden sich die Top-Verdiener hauptsächlich im Management Board von Banken und im Investment Banking, wobei der Anteil der Investment-Banker mit den Vergütungshöhen steigt. Das Bild deckt sich mit den Ergebnissen unseres Top-Banken Vergütungssurveys. Es ist also keine Überraschung.

Es fällt allerdings auf, dass die Zahl der Risk Taker im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen ist.

Isabel Jahn: … und zwar um rund drei Prozentpunkte. Doch das würden wir als normale Schwankung sehen. Grundsätzlich ist der Anteil der Risk Taker unter den High Earnern seit Inkrafttreten der entsprechenden EBA-Vorgaben, den Regulatory Technical Standards (RTS) on Identified Staff im Jahr 2014, von 59 auf jetzt rund 87 Prozent gestiegen. 

Petra Knab-Hägele: Auffällig ist, dass nicht alle Vorstände mit High-Earner-Status auch als Risk-Träger identifiziert wurden. Diese Besonderheit erklärt sich nicht zuletzt aus dem Proportionalitätsansatz, nach dem kleine Institute – in Deutschland solche unter 15 Mrd. Euro Bilanzsumme – keine Risk Taker identifizieren müssen. 

Isabel Jahn: Und die Institute hoffen, dass es bei dieser Regelung auch nach der Einführung der Capital Requirements Directive CRD V bleibt. Hier steht – neben einer Vielzahl anderer Vorschläge – derzeit eine Grenze von 5 Mrd. Euro als Definition kleiner Institute im Raum. Dadurch würden in Deutschland deutlich mehr Institute unter die schärferen Regelungen fallen. 

Petra Knab-Hägele: Die CRD V steht für Mitte April im Europäischen Parlament zur Abstimmung an. Die angedachte Umsetzungsfrist für die nationalen Gesetzgeber wird voraussichtlich 18 Monate betragen. Das würde bedeuten, dass eine Umsetzung zum Januar 2021 erfolgen muss. Die Ergebnisse werden von allen Seiten mit Spannung erwartet. 

Ist der Aufwand in der Risk Taker Identifizierung tatsächlich so groß?

Petra Knab-Hägele: Einerseits ist die korrekte Identifikation der Risikoträger aufwendig, andererseits aber auch die damit einhergehende Umsetzung der Anforderungen an die Risikoadjustierung der Vergütung mit Auswirkung auf die Gestaltung, Überprüfung und Dokumentation der Vergütungsprozesse. 

Isabel Jahn: Der Notwendigkeit einer Risk-Taker-Identifizierung folgt ein ganzer Rattenschwanz an Aufgaben. Beispielsweise muss die Zielerreichung für Risikoträger auf mehreren Ebenen – Institut, Bereich und Individuum – bemessen werden. Es gelten besondere Aufschub- und Auszahlungsregelungen für die variable Vergütung, und es muss ein sogenanntes Back-Testing der Erfolgsbeiträge erfolgen. Im Extremfall steht auch eine Rückforderung der Vergütung, der sogenannte Clawback im Raum.  

A propos Clawback: Gibt der EBA-Report Aufschluss über die Anwendung dieser immer noch heiß diskutierten Anforderung?

Petra Knab-Hägele: Nein, es werden ja nur gewährte bzw. zugeflossene Bezüge erfasst. Ob diese im Nachgang dann durch ungerechtfertigte Praktiken oder aufgrund sonstiger Verstöße zurückgefordert wurden, sehen wir nicht. Aber unsere Beratungspraxis zeigt, dass Clawbacks ein Thema sind, das viel diskutiert, aber wenig angewandt wird – in Deutschland schon gar nicht, da die Regelungen erst im vergangenen Jahr eingeführt wurden. Uns sind aber selbst unter Einbeziehung des angelsächsischen Wirtschaftsraums bisher nur wenige Fälle bekannt, in denen Vergütungen auf Basis dieser Regelung tatsächlich zurückgefordert wurden. 

Aber lässt sich aus dem Report eine funktionierende Vergütungsregulatorik für den Bankensektor ableiten?

Isabel Jahn: Der Report belegt, dass seit Inkrafttreten der bereits angesprochenen Regelungen in 2014 signifikant mehr High Earner in ihrer Rolle als Risk Taker identifiziert wurden und damit dem strengeren Bemessungs-, Auszahlungs- und Rückforderungsregime der variablen Vergütung unterliegen. 

Petra Knab-Hägele: Diesem Kontrolleffekt steht jedoch der Fakt gegenüber, dass die absoluten Vergütungshöhen nicht gesunken sind. Einmal mehr bestätigt sich: Die aktuelle Bankenregulatorik bewirkt ein verändertes Wie der Vergütung, aber nicht das Wieviel.

Wird der Brexit an der Vergütungssituation bei Banken etwas ändern? Werden wir durch die zugewanderten angelsächsischen Führungskräfte und Experten höhere Vergütungen im deutschen Markt sehen?

Isabel Jahn: Es ist immer noch nicht klar absehbar, welche Funktionen genau künftig aus den europäischen Standorten und welche aus Großbritannien heraus abgedeckt werden. Die Diskussionen dazu sind noch im Gange. Die Banken haben sich in den letzten Monaten schon vorbereitet und werden neben Systemen und Prozessen auch Mitarbeiter in den EU-Staaten aufbauen, um zügig funktionsfähige Einheiten einsetzen zu können. Sie müssen ja den nationalen regulatorischen Anforderungen an die quantitative und qualitative Personalausstattung vor Ort nachkommen. 

Petra Knab-Hägele: Es ist dabei zwar auch vorstellbar, dass wichtige Entscheidungsfunktionen und Branchen- oder Key Client Leads im Heimatmarkt verbleiben, und somit auch die hoch vergüteten Mitarbeiter, zum Beispiel im Investment Banking. Wenn sich aber auch einige solche hochdotierten Funktionen in die EU Staaten verschieben, werden wir sicher einen Anstieg der Vergütungen bemerken.

Frau Knab-Hägele, Frau Jahn, haben Sie vielen Dank für das Gespräch!

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Artikelinformationen 
Artikel veröffentlicht am:
18.03.2019
Quelle(n):
Bildquelle: AndresGarciaM | istockphoto.com
Autor/in 
Redaktion die bank
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