Wissensdurst und Wissenslücken
Die meisten Jugendlichen und jungen Erwachsenen haben Interesse an Wirtschaft und wollen mehr darüber erfahren. Angesichts der Lücken in ihrem ökonomischen Grundwissen ist das allerdings auch bitter nötig. Allgemeine Wirtschaftsinformationen erwarten die Jugendlichen dabei vor allem von der Schule; und sie wollen ein eigenständiges Schulfach „Wirtschaft“. Für Informationen zu Geld- und Finanzangelegenheiten sehen junge Leute hingegen die Banken in der Pflicht. Ergebnisse der aktuellen Jugendstudie des Bankenverbandes. | Christian Jung
Manchem Vorurteil zum Trotz ist die junge Generation in Deutschland ökonomischen Themen gegenüber durchaus aufgeschlossen. Das belegt die aktuelle Jugendstudie des Bankenverbandes, für die das Mannheimer ipos-Institut rund 750 Jugendliche und junge Erwachsene im Alter zwischen 14 und 24 Jahren befragt hat. Auch wenn danach das Interesse der Jugend an Wirtschaft nicht ganz an das der Erwachsenen heranreicht, so interessieren sich vier von zehn der jungen Befragten zumindest „etwas“ und ein weiteres Drittel sogar „stark“ oder „sehr stark“ für Wirtschaft.
Mehr noch: Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind sich der Tatsache bewusst, dass wirtschaftlichen Sachverhalten in unserer Gesellschaft heute eine große Bedeutung zukommt. Sieben von zehn der jungen Befragten erachten Informationen über ökonomische Zusammenhänge für sich als „wichtig“ (59 %) oder „sehr wichtig“ (11 %). Demnach wollen die jungen Leute wissen, wie Wirtschaft funktioniert.
Dafür notwendige Informationen erwarten sie in erster Linie von den Medien und von der Schule. Die Medien haben hier schon hinsichtlich tagesaktueller Wirtschaftsnachrichten eine herausgehobene Funktion. Doch auch den Schulen weisen die Befragten inzwischen eine fast ebenso große Bedeutung zu: Nach 55 % vor sechs und 63 % vor drei Jahren erwarten aktuell 70 % der jungen Leute Informationen zu Wirtschaftsthemen von den Schulen.
Für mehr Wirtschaft in der Schule
Obwohl das Thema „Wirtschaft in der Schule“ in den letzten Jahren auch in der Bildungspolitik stärkere Aufmerksamkeit erfahren hat, sind die meisten Befragten nach wie vor der Meinung, die Anstrengungen müssten in dieser Hinsicht verstärkt werden. Sowohl unter den Jüngeren als auch den Älteren sprechen sich rund acht von zehn dafür aus, Wirtschaftsthemen in den Schulen einen breiteren Raum zu geben. Auch die konkrete Forderung nach einem eigenständigen Schulfach „Wirtschaft“ findet große Zustimmung. Ob Jugendliche oder Erwachsen: Ebenfalls nahezu acht von zehn Befragten sprechen sich für die Einführung eines solchen Faches aus.
Dass an den Schulen, aber auch andernorts, eine stärkere ökonomische Bildung nötig ist, belegen die nach wie vor deutlichen Wissenslücken der jungen Leute bei grundlegenden Wirtschaftsthemen. So können vier von zehn jungen Befragten mit dem für unsere Wirtschaftsordnung zentralen Begriff „Soziale Marktwirtschaft“ nichts Bestimmtes verbinden. Und dies, obwohl es in den zurückliegenden Jahren, und noch einmal verstärkt seit Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise, hierzulande eine intensive gesellschaftliche Debatte über Zukunft und Ausgestaltung der Sozialen Marktwirtschaft gegeben hat.
Auch zum wirtschaftlichen Grundprinzip von „Angebot und Nachfrage“ haben viele Jugendliche und junge Erwachsene keine klaren Vorstellungen. Rund die Hälfte der Befragten (47 %) vermag nicht einmal grob zu erklären, was damit gemeint ist. Was „Inflationsrate“ bedeutet, können 54 % nicht sagen, und gar nur 6 % sind in der Lage, die ungefähre Höhe der momentanen Inflationsrate in Deutschland zu beziffern.
Bei den Finanzkenntnissen der Jugendlichen sieht es nicht besser aus: Fast jeder zweite junge Befragte räumt selbst ein, dass er sich in Geld- und Finanzfragen kaum oder gar nicht auskennt. Und sechs von zehn geben an, dass sie keine oder nur wenig Ahnung davon haben, was an der Börse geschieht.
Großer Bedarf an Geld- und Finanzinformationen
Aus solchen Wissensdefiziten auf mangelndes Interesse zu schließen, wäre allerdings falsch. Trotz – oder gerade wegen – der eher geringen Finanzkenntnisse gibt es in der jungen Generation einen großen Bedarf an Geld- und Finanzinformationen: Acht von zehn Jugendlichen und jungen Erwachsenen sehen solche Informationen für sich als „wichtig“ oder sogar „sehr wichtig“ an. Für die wissbegierigen jungen Leute sind in diesem Zusammenhang die Banken ein zentraler Ansprechpartner. Denn grundlegende Informationen zu Geld- und Finanzthemen erwarten sie von ihnen am häufigsten – mit deutlichem Abstand vor den Medien, den Eltern oder der Schule.
Banken haben weiterhin gutes Standing
Sieben von zehn Jugendlichen und jungen Erwachsenen haben von Banken hierzulande eine „gute“ (66 %) oder „sehr gute“ (6 %) Meinung. Trotz unbestreitbarer Fehler, die auch von Kreditinstituten gemacht worden sind und die zur Finanzmarktkrise beigetragen haben, bleibt damit Die jungen Leute beziehen dabei ihre Einschätzungen zu den Banken keineswegs nur aus Medienberichten oder vom Hörensagen. Die meisten von ihnen sind vielmehr schon selbst Kunde bei einer Bank: Acht von zehn der 14- bis 24-Jährigen unterhalten bereits ein Spar- und/ oder Girokonto und verfügen somit über unmittelbare persönliche Erfahrungen.
Diese jungen Kunden stellen ihrer jeweiligen Bank auch hinsichtlich der erbrachten Bankdienstleistungen ein gutes Zeugnis aus. So sind mehr als acht von zehn Jugendlichen und jungen Erwachsenen (86 %) mit ihrer Bank entweder „zufrieden“ oder sogar „sehr zufrieden“. Damit ist die Zufriedenheit gegenüber 2006 – damals zeigten sich rund neun von zehn der Befragten (sehr) zufrieden – zwar leicht gesunken, bleibt jedoch immer noch auf hohem Niveau. Für die Banken sollte das Ansporn und Verpflichtung zugleich sein.

