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Hedge-Fonds

Vor dem Neustart?

Konnten die Hedge-Fonds bis 2007 mit einer beeindruckenden Wachstumsdynamik glänzen, änderte sich im Zuge der Finanzmarktkrise das Bild: Der Trend drehte ins Negative, und im Jahr 2008 mussten weltweit fast 1.500 Fonds ihre Pforten schließen. Die Branche durchlebt momentan eine Schrumpfkur. Überdies ist eine strengere gesetzliche Regulierung in der Diskussion. Doch wie sieht die Zukunft der Branche aus? Kann ein Neustart gelingen? | Birga Teske

Hedge-Fonds-StrategienEs war fast zu schön, um wahr zu sein. Traumrenditen bei gleichzeitiger Unabhängigkeit von der Entwicklung an den Aktienmärkten. Das versprachen viele Hedge-Fonds ihren Investoren. Ermöglichen sollten das spezielle Anlagestrategien wie etwa der Verkauf geliehener Wertpapiere (Leerverkäufe) mit dem Ziel, sie später zu einem günstigeren Kurs wieder zurückzukaufen. Tatsächlich erwirtschafteten einige Vertreter der Branche in den vergangenen Jahren enorme Renditen für sich und ihre Klienten. Zu den bekanntesten Hedge-Fonds-Managern der Welt zählt George Soros, der mit seinem Quantum- Fonds ein Vermögen erwirtschaftete und heute selbst Dollar- Milliardär ist.

Zum Mythos der Hedge-Fonds trug ihre strikte Geheimhaltung bei. Welche Papiere sie hielten und welche Risiken sie dabei eingingen, wurde nur selten bekannt. Was mit wenigen Fonds in den USA begann, entwickelte sich zu einem Massenmarkt. Große Versicherungskonzerne investierten ebenso in Hedge-Fonds wie kleine Privatanleger. Risikofreudige US-Anleger waren ebenso engagiert wie japanische Pensions-Fonds. In den zehn Jahren bis Ende 2008 stieg die Zahl der Hedge-Fonds dem Datenanbieter Eurekahedge zufolge weltweit von 1.518 auf 8.445. Das von ihnen verwaltete Vermögen wuchs von 236 Mrd US-$ auf 1.486 Mrd US-$. Alleine in Europa schwoll die Summe auf zuletzt geschätzt 300 Mrd US-$ an. Dazu kam Fremdkapital in beträchtlicher Höhe. Genug, um mit Käufen und Verkäufen an Aktien-, Anleihe- und Rohstoffmärkten für kräftige Kursbewegungen zu sorgen.

Dennoch gerieten Hedge-Fonds vergleichsweise selten in die Schlagzeilen. Doch wenn, dann war der Tenor meist negativ. Kritik ernteten die Anlagevehikel unter anderem, weil sie sich häufig nicht mit passiven Investments zufrieden gaben. Manche der Fonds mischten sich ins aktive Management von Unternehmen ein, mit zum Teil drastischen Folgen. So geriet etwa die Deutsche Börse in Frankfurt unter Druck, als sich ihre Großaktionäre TCI und Atticus verbündeten und die geplante Übernahme der London Stock Exchange vereitelten. Nachdem sie die Fusion zum Platzen gebracht hatten, erzwangen die Fonds von der Deutschen Börse hohe Gewinnausschüttungen und drängten – allerdings ohne Erfolg – auf den Verkauf profitabler Geschäftsbereiche.

Blick auf die Rendite
Aufgrund ihrer kurzfristigen Gewinnorientierung wurden die Hedge-Fonds zusammen mit Private-Equity-Investoren von einigen deutschen Politikern gar als „Heuschrecken“ verteufelt. Ein Unwort, das auf den Renditehunger der Fonds abzielt. Glaubt man Datenanbietern wie der amerikanischen Hedge Fund Research (HFR), dann hat die Branche seit 1990 jährlich eine durchschnittliche Rendite von 11,8 % erwirtschaftet. Allerdings sind solche Zahlen mit Vorsicht zu genießen, da sie die Performance der vielen gescheiterten und geschlossenen Fonds nur unzureichend wiedergeben.

Nicht immer sind die Strategien der Hedge-Fonds von Erfolg gekrönt. Davon zeugen Beispiele wie Long Term Capital Management (LTCM). Mit geliehenen Geldern hatte der Fonds hochspekulative Zinswetten betrieben. Als Russland 1998 in den Strudel der Asienkrise geriet, wurde der Hedge-Fonds mit in die Tiefe gerissen. Die negativen Auswirkungen auf die Finanzmärkte waren enorm. Traurige Berühmtheit erlangte auch Tiger Management. Die Fonds der Gesellschaft mussten im Jahr 2000 schließen, nachdem Wetten gegen den Yen und gegen die damals so populären Technologie-Aktien das Anlegervermögen hatten zusammenschmelzen lassen. In beiden Fällen verloren Investoren Milliardenbeträge.

Auch im vergangenen Jahr haben sich viele Hedge-Fonds verspekuliert. Dem Datenanbieter HFR zufolge schlossen weltweit insgesamt 1.471 Fonds ihre Pforten. Das waren 15 % aller Vehikel und so viele wie nie zuvor. Das verwaltete Vermögen der Branche ging zum ersten Mal überhaupt zurück. Ende 2008 betrug es Schätzungen zufolge weltweit nur noch rund 1,4 Bio US-$, gut ein Viertel weniger als sechs Monate zuvor. Der Einbruch an den Aktien- und Rohstoffmärkten, bei Futures und Verbriefungen trieb auch die bisher so erfolgsverwöhnte Branche ins Minus. Für Fondsmanager und Anleger war das ein herber Schlag, hatten sie doch immer die Unabhängigkeit der Hedge-Fonds von der Entwicklung anderer Vermögensklassen gepriesen.

Kunden stornieren massiv
Scharenweise zogen Investoren Gelder ab. Laut HFR erreichten die Stornierungen allein im vierten Quartal 2008 rund 152 Mrd US-$. Einige Anbieter mussten ihre Fonds zeitweise schließen, weil sie Kundengelder nicht auf Verlangen zurückzahlen konnten. Die damit einhergehenden Notverkäufe brachten die internationalen Aktienmärkte zusätzlich unter Druck. Das rief die Politik auf den Plan: Um den Einfluss der Hedge-Fonds zu verringern, verboten Staaten wie die USA zeitweise den Leerverkauf von Aktien. So sollten die bedrohlichen Kursverluste besonders von Finanztiteln begrenzt werden. Gleichzeitig nahmen die Staats- und Regierungschefs der 20 großen Industriestaaten (G 20) weiterreichende Regulierungen in Angriff. Das Ziel: eine strengere Kontrolle der Branche.

Am weitesten gehen die Vorschläge in Europa. Neben einer Registrierungspflicht für Hedge-Fonds-Manager und einer strengeren Beaufsichtigung durch Regulierungsbehörden sind Vorgaben für die Aufnahme von Fremdkapital im Gespräch. Sollten sich entsprechende Vorschriften durchsetzen, könnten die Fonds dem Hedge-Fonds-Branchenverband AIMA zufolge je nach Anlagestrategie nur noch ein bestimmtes Verschuldungsniveau eingehen. Viele Hedge-Fonds spekulieren nicht nur mit dem Kapital ihrer Investoren, sondern zusätzlich mit Fremdkapital. Erwirtschaften sie mit ihren Anlagestrategien Renditen, die oberhalb der Kreditzinsen liegen, bringt dies den Anlegern zusätzliche Gewinne ein. Allerdings steigt mit der Verschuldung das Risiko, das die Hedge-Fonds an den Märkten eingehen. Nach Schätzungen des Datenanbieters HFR beträgt das Fremdkapital der Hedge-Fonds weltweit durchschnittlich etwa das Zwei- bis Dreifache ihres Eigenkapitals.

Derartige Verschuldungsbeschränkungen sind bisher nur in der EU im Gespräch. In den USA zeichnet sich lediglich eine Registrierungspflicht für Fondsmanager ab. Außerdem werden regelmäßige Berichte sowie Offenlegungspflichten diskutiert – insbesondere für Anlagevehikel mit hohem Volumen. So fordete US-Finanzminister Timothy Geithner unter anderem, dass Hedge-Fonds ihre Investoren sowie die Gegenparteien, mit denen sie Transaktionen abwickeln, bekanntgeben müssten. Diese Angaben sollten von der Finanzaufsicht SEC an eine neue Aufsicht für systemische Risiken weitergegeben und auf ihre Relevanz für das Finanzsystem überprüft werden, so Geithner.

Regulierung sorgt für Argwohn
Hedge-Fonds beobachten die aktuellen Regulierungspläne mit Argwohn. Zwar stimmen Branchenvertreter wie die AIMA einer Registrierungspflicht zu, und auch die Weitergabe „systemrelevanter Informationen“ stößt nicht auf vollkommene Ablehnung. Allerdings wehrt sich die Branche gegen Bestrebungen, die Kreditaufnahme zu beschränken. Auch Überlegungen, die Fondseinlagen der Kunden gegen einen möglichen Ausfall absichern zu lassen, sowie die geplante Einführung eines EU-Passes für Investmentfonds sorgen für Bedenken. So fürchtet die Branche höhere Kosten und jahrelange Verzögerungen bei der Vertriebsgenehmigung für Fonds, die ihren Sitz außerhalb der EU haben. Das wäre „potenziell desaströs“, warnt die AIMA. Endgültige Entscheidungen seitens der Politik sind jedoch in diesem Jahr kaum noch zu erwarten.

Im Stillen setzen die Betreiber alternativer Anlageprodukte ohnehin auf einen erträglichen Kompromiss mit den Regulatoren. „Es muss sich erst noch zeigen, ob aggressive Kontrollen der Investmenttätigkeit von Hedge-Fonds überhaupt möglich wären“, gibt etwa der Finanzdienstleister State Street in einem Bericht zu bedenken. Es sei nicht klar, welche Art von Behörde eine solche Regulierung forcieren könnte. Immerhin gebe es tausende Hedge-Fonds, die in hunderte verschiedener Vermögensklassen investierten und an Dutzenden von Standorten angesiedelt seien. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich etwa die G- 20-Staaten auf den kleinsten gemeinsamen Nenner einigen, ist daher hoch. Fest steht: Von einer international einheitlichen Regelung und Überwachung von Hedge-Fonds ist die Politik weit entfernt.

Mehr Verlass dürfte da auf die Kunden der Hedge-Fonds sein. Nach den Marktturbulenzen der vergangenen Monate verlangen sie mehr Informationen über die Risiken ihres Investments. Große Pensionsfonds wie die Kalifornische Calpers fordern, dass ihre Konten separat vom allgemeinen Hedge-Fonds-Pool geführt und bewertet werden. Dabei ist zunehmend die Meinung Dritter gefragt. Sie sollen eine möglichst objektive Bewertung der von Hedge-Fonds gehaltenen Vermögenswerte und Risiken garantieren. Ebenfalls heiß diskutiert: das Vergütungssystem. Berechneten die Hedge-Fonds früher üblicherweise jährliche Verwaltungsgebühren von 2 % zuzüglich 20 % Gewinnbeteiligung und hoher Maklergebühren, könnte es künftig Rückforderungen geben, wenn Performance-Versprechungen nicht eingehalten oder Verluste erwirtschaftet werden.

Fondsschließungen überwiegen

All das wird die Auslese unter den Hedge-Fonds beschleunigen und einen Neuanfang erleichtern. Bislang überwiegen die Fondsschließungen. Hatten sich laut HFR im vierten Quartal 2008 noch 778 Fonds aus dem Geschäft zurückgezogen, waren es im ersten Vierteljahr 2009 noch 376 – Tendenz sinkend. Insgesamt könnten bis zum Ende des Rückgangs 30 % bis 50 % aller Hedge-Fonds aufgegeben haben.

Doch die Trendwende kündigt sich bereits an. Im Mai und Juni 2009 flossen der Branche Eurekahedge zufolge netto wieder Gelder zu. Viele Branchenvertreter erwarten, dass die Talsohle in diesem Jahr durchschritten wird. Zwar will etwa die AIMA keine eigene Prognose wagen, doch verweist der Branchenverband auf Schätzungen, wonach die Hedge-Fonds bereits 2010 oder 2011 wieder ebenso zahlreich und eigenkapitalstark sein dürften wie vor der Finanzkrise.

Allerdings werden die Hedge-Fonds der Nach-Krisen-Zeit voraussichtlich mit weniger Fremdkapital auskommen müssen. Das beeinträchtigt die Renditeaussichten bestimmter Investmentstrategien, wie etwa der Arbitrage. Sie basiert auf dem Ausnutzen von Preisunterschieden an verschiedenen Handelsplätzen und wirft mehr Gewinn ab, wenn in kürzester Zeit große Summen billigen Geldes bewegt werden können. Ebenfalls zu erwarten ist, dass viele Hedge-Fonds ihren Anlegern künftig über ihre Aktivitäten detailliert und zeitnah Bericht erstatten werden – über einzelne Wertpapierinvestments ebenso wie über deren Risiken, über Strategieänderungen genauso wie über den Zu- und Abfluss von Investorengeldern.

Mehr Transparenz, kombiniert mit schärferen Kontrollen, könnten künftig sogar mehr Investoren anlocken, hoffen Branchenvertreter. So könnten Hedge-Fonds, die bestimmte Transparenzanforderungen erfüllen, etwa so genannten Mischfonds beigemengt werden, die auch an Privatanleger vertrieben werden. Ein weiteres Wachstum der Branche wäre durch einen breiteren Vertrieb gesichert. Eines jedoch ist sicher: Die Zeiten, in denen Investoren den Hedge-Fonds-Managern blind ihr Vermögen anvertrauten, wenn die Renditeversprechen nur hoch genug waren, dürften vorbei sein.

Birga Teske ist Finanzjournalistin in Ulm.
Der Artikel ist erschienen in der Ausgabe 10/2009
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