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Publikumsfonds

Trotz Krisenjahrzehnt auf Wachstumskurs

Während institutionelle Anleger im zurückliegenden Jahr 45 Mrd € in Spezialfonds und rund 1 Mrd € in Mandate außerhalb von Investmentfonds investierten, flossen aus Publikumsfonds gut 16 Mrd € ab. „Der deutsche Fondsmarkt zeigt im vergangenen Jahr zwei Gesichter. Professionelle Anleger kauften, Privatanleger verkauften“, konstatiert Thomas Neiße, Präsident des BVI Bundesverband Investment und Asset Management.

Das in Publikumsfonds verwaltete Volumen ist in den vergangenen Jahrzehnten – aller Krisen zum Trotz – deutlich gewachsen. So stieg das Fondsvermögen bei privaten Haushalten sowie Organisationen ohne Erwerbszweck laut Statistischem Bundesamt von Ende 1991 bis Ende 2010 um das Sechsfache, während sich die Bestände in verzinslichen Wertpapieren oder Aktien lediglich verdoppelten. Angesichts der extremen Entwicklungen an den Wertpapiermärkten miteinem Einbruch des DAX im August von fast 20 % zeigte die deutsche Fondsbranche im europäischen Vergleich eine bemerkenswerte relative Stärke. Während bis Ende November europaweit lediglich 5 Mrd € in Investmentfonds flossen, sammelten die BVI-Publikumsfonds und Spezialfonds mehr als das Vierfache ein.

An Aktienfonds führt kein Weg vorbei

Insgesamt vertrauten Anleger der deutschen Investmentfondsbranche im vergangenen Jahr rund 30 Mrd € zusätzlich an. „Das Gesamtergebnis ist respektabel. Das schwierige Kapitalmarktumfeld wirkt allerdings unmittelbar auf unsere Branche ein“, sagt Neiße. Dabei sprechen die wachsende Angst vor Inflation und der Substanzwert unternehmerischer Beteiligungen für eine langfristige Aktienanlage. „Wer breit gestreut am globalen Wachstum partizipieren will,kommt an Aktienfonds nicht vorbei“, so Neiße. Man werde sich zwar europaweit zumindest in den nächsten fünf Jahren mit geringen Wachstumsraten begnügen müssen, die Weltwirtschaft expandiere jedoch trotz der Schwäche in Europa weiter mit Jahresraten von drei bis vier Prozent. Ungeachtet der europäischen Staatsschuldenkrise und der geringen Renditen von Bundesanleihen, sind auch Engagements an den Rentenmärkten sinnvoll. Allerdings hat dabei ein Paradigmenwechsel stattgefunden. „Anleihen der Industriestaaten sind nicht mehr risikolos. So muss auch die Bonität dieser Anlagen geprüft werden“, ergänzt Neiße.

Institutionelle Investoren schätzen Vorzüge der Fondsanlage
Die Fondsbranche ist die größte Investorengruppe in Deutschland. Sie verwaltet insgesamt ein Vermögen von 1.783 Mrd € per 31. Dezember 2011. Der Großteil des von der deutschen Fondsbranche verwalteten Vermögens kommt von institutionellen Investoren. Ausschließlich für professionelle Anleger verwalteten Kapitalanlagegesellschaften zum Jahresultimo 846 Mrd € in Spezialfonds sowie 286 Mrd € in Vermögen außerhalb von Investmentfonds. Dies unterstreicht, dass Institutionelle die gesetzlich regulierten Investmentfonds mit ihrem Insolvenzschutz sehr schätzen. Die bedeutendste Anlegergruppe bei Spezialfonds sind institutionelle Altersvorsorgeanbieter. Sie stehen für rund zwei Drittel des Spezialfondsvermögens.

Finanz- und Staatsschuldenkrise verunsichert Privatanleger

Publikumsfonds, die mit rund 651 Mrd € 37 % des branchenweiten Vermögens ausmachen, verzeichneten Rückgaben. Unter dem Strich flossen 16,6 Mrd € ab. Vor allem bei Rentenfonds überwogen die Verkäufe. Angesichts der Staatsschuldenkrise und niedriger Zinsen flossen netto 5,8 Mrd € aus diesen Fonds ab. Mischfonds verzeichneten im Jahr 2011 Rückgaben im Umfang von 2,3 Mrd €. Dabei setzten Anleger einerseits auf den breiten Investmentansatz und vertrauten weltweit, flexibel anlegenden Mischfonds 2,8 Mrd € an. Andererseits zogen Investoren aus rentenbetonten, global investierenden Mischfonds 3,9 Mrd € ab. Anhaltend verunsichert zeigten sich die Anleger über die Schwankungen der Aktienmärkte und verkauften Aktienfonds im Wert von 2,3 Mrd €.

Offene Immobilienfonds führen Absatzliste an
Bei Geldmarktfonds überstiegen die Rückgaben die Käufe im Umfang von 0,3 Mrd €. Auffällig ist, dass diese Gruppe bis Ende Juni 2011 unter dem Strich 2,5 Mrd € Abflüsse verzeichnete. Zum 1. Juli 2011 hat der BVI markante Umgruppierungen bei Geldmarktfonds und Rentenfonds vornehmen müssen, die durch Regelungen von der Europäischen Aufsichtsbehörde ESMA vorgegeben wurden. Anleger finden demnach seit 1. Juli 2011 in der Rubrik Geldmarktfondsrisikoärmere Produkte als zuvor. Offenen Immobilienfonds flossen im vergangenen Jahr per Saldo 1,2 Mrd € zu. Damit führen sie die Absatzliste im Jahr 2011 an.
 

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