Tradingtrends im Direct Brokerage
Betrachtet man die heutigen Bedingungen für Online Brokerage, so besteht gerade in der technischen Ausrüstung und Kursversorgung kaum noch ein Unterschied zwischen privaten und professionellen Handelsdesks. Dank Highspeed Internet handeln die „privaten Profis“ an schnellen Trading-PCs mit schon mal bis zu zehn angeschlossenen Flachbildschirmen, durchgehender Realtime-Kursversorgung und leistungsstarker Handelssoftware, die höchsten Ansprüchen genügt. Vor dem Hintergrund dieser technischen Revolution hat der Sparkassen Broker die aktuellen Tradingtrends bei Privatanlegern analysiert. | Jens Wöhler
Was hätte wohl André Kostolany, der berühmte ungarische Börsenexperte, zu dem vergangenen Börsenjahrzehnt gesagt? Als der Grandseigneur der Spekulanten am 14. September 1999 mit 93 Jahren starb, standen den deutschen Anlegern spannende und turbulente Börsenzeiten unmittelbar bevor. Sicher, Kostolany hatte bereits den Schwarzen Donnerstag am 24. Oktober 1929 und seine Folgen miterlebt. Damals startete er gerade seine Börsenkarriere. Auch in den folgenden rund 70 Jahren Börsengeschehen erlebte er zahlreiche Aufs und Abs. Ein halbes Jahr bevor er das Parkett für immer verließ, sagte er noch den Neuen-Markt- Crash voraus.
Doch die dann folgenden Verwerfungen und die hohe Marktvolatilität des vergangenen Jahrzehnts hätten wohl auch ihn überrascht. Sein berühmter Tipp, Aktien zu kaufen und die Papiere nicht mehr anzuschauen, um sich dann in einigen Jahren der Gewinne zu erfreuen, ist nach den jüngsten Erfahrungen wohl kritisch zu hinterfragen.
Buy-and-hold-Strategien haben natürlich ihre Berechtigung, doch warum sollte der Anleger nicht auch von einer gestiegenen Volatilität profitieren? Denn die Profis wissen: Verdienen kann man bei steigenden und bei fallenden Kursen. Auch die Vieltrader beim Sparkassen Broker nutzen diese Möglichkeiten und haben sich auf den hochaktiven Handel spezialisiert. Hier zählt vor allem die Bewegung in den Kursen, Seitwärtsbörsen sind dagegen nicht gefragt.
Professionalisierung des privaten Börsenhandels
Noch Mitte der 1990er Jahre war die rasante Entwicklung des Internets und dessen Bedeutung für den privaten Börsenhandel kaum abzusehen. War früher das aktive Traden an Wertpapierbörsen den Berufshändlern und institutionellen Anlegern vorbehalten, kann heute dank moderner Technik jeder die Börse ins heimische Wohnzimmer holen. Doch nicht nur die Ausrüstung hat sich stark verbessert, auch das Know-how der Anleger entwickelte sich weiter und ist heute auf höchstem Niveau. GRAFIK 1 vergleicht die Handelszahlen seit Januar 2008 auf Xetra und dem Frankfurter Parkett mit dem Transaktionsverhalten der Vieltrader des Sparkassen Brokers, dem zentralen Online Broker der Sparkassen-Finanzgruppe. Vieltrader sind dabei definiert als Anleger, die durchschnittlich 50 Transaktionen pro Jahr tätigen. Spitzenhändler machen mehrere hundert Trades am Tag. Schnell ins Auge fällt, dass sich diese aktiven Kunden im Vergleich zum Markt nahezu identisch verhalten. Unterstellt man, dass der Markt mit all seinen Teilnehmern optimal auf die gerade herrschenden Bedingungen reagiert, so kann man daraus schließen, dass die aktiven Anleger über ein ausgeprägtes, ja professionelles Know-how verfügen. Dies spricht für eine starke Lernkurve der privaten Anleger seit der Digitalisierung des Börsenhandels durch das Internet. Die persönlichen Erfahrungen aus Börsenseminaren, gemeinsamen Veranstaltungen und dem direkten Kundenkontakt mit Vieltradern des Sparkassen Brokers unterstützen diese These.
Depotstrukturen in Zeiten des Online Brokerage
Mit der Revolution des privaten Börsenhandels durch das Internet, der damit ermöglichten schnellen Reaktionsgeschwindigkeit und der zunehmenden Professionalisierung vieler privater Anleger haben sich im Laufe der Zeit auch die Präferenzen beim Einsatz von Anlage- und Finanzinstrumenten verändert. Die Aktie als Spekulations- und Anlageobjekt nimmt bei deutschen Vieltradern nach wie vor eine herausragende Stellung ein. Vieltrader beim Sparkassen Broker investieren durchschnittlich knapp 60 % des Depotwertes in Aktien. Etwas mehr als 34 % der Transaktionen gehen auf das Konto dieser Anlageklasse. Ergo, ein gewisser Aktienbestand dient auch bei den tradingaffinen Kunden der längerfristigen Geldanlage.
Wesentlich öfter handeln aktive Anleger mit Optionsscheinen und anderen Hebelprodukten wie zum Beispiel Straight Forward Dealings (SFDs). SFDs sind eine neue Assetklasse, die die Umsetzung von Long- und Short-Strategien in Aktien erlaubt und für Privatanleger vor allem durch die Kombination von Hebelwirkung und absoluter Transparenz attraktiv ist.
Bei knapp 60 % der Transaktionen werden Hebelprodukte eingesetzt – Tendenz steigend. Dabei ist deren Anteil im Depot der Anleger mit weniger als 3 % naturgemäß geringer. Doch gerade Vieltrader nutzen Hebelprodukte nicht nur zur Spekulation oder zur Absicherung von Positionen, sondern teils als Investment anstelle von Aktien mit den Vorteilen des geringeren Kapitaleinsatzes und damit verbunden der Möglichkeit, das vorhandene Tradingkapital auf mehr Positionen zu verteilen.
Festverzinsliche Papiere wie Anleihen haben mit einem Anteil von etwa 16 % ebenfalls ihren Platz im Depot. Genauso die aktiv gemanagten Investmentfonds, die in ähnlicher Konzentration im Depot vertreten sind. Dabei sehen die Vieltrader eher Vorteile im spekulativen Handel mit Fondsanteilen als in der langfristigen Geldanlage. Die bei den privaten Anlegern immer beliebteren börsennotierten Fonds (ETFs) schwimmen weiter auf der Erfolgswelle und machen mittlerweile 25 % des gesamten Fondsbestandes beim Sparkassen Broker aus. Zertifikate stellen im Schnitt etwa 7 % eines Vieltrader-Depots. Mit zunehmender Volatilität sind gerade Discountzertifikate bei den aktiven Anlegern immer mehr gefragt. Insgesamt werden einfache Strukturen gegenüber komplexeren Produkten bevorzugt.
Trendmarkt Contracts for Difference
In den 1990er Jahren erfanden UBS-Investmentbanker in London die Contracts for Difference (CFDs), um die britische Stempelsteuer beim Handel mit Wertpapieren zu umgehen. Zunächst nur auf dem dortigen Markt verfügbar, schwappte in den letzten zwei bis drei Jahren eine regelrechte CFD-Welle auch nach Deutschland. Laut der aktuellen Branchenstudie der Steinbeis Hochschule Berlin ist die Zahl der hiesigen CFD-Konten innerhalb des CFD Verbandes bis zum Ende des ersten Quartals 2010 auf 46.643 gestiegen. Dies entspricht einem Wachstum von 18,6 % gegenüber dem Vorjahresstichtag.
Seit Anfang 2007 ist die Kontenzahl in Deutschland jeden Monat gewachsen, insgesamt um mehr als das Dreifache. Leicht gesunken sind dagegen das gehandelte Volumen sowie die Transaktionszahl. Im ersten Quartal wurde ein Volumen von 107,3 Mrd € erreicht, nach 110,8 Mrd € im Vorjahresquartal. 4,9 Millionen Mal tradeten die Anleger in der Betrachtungsperiode mit Differenzkontrakten. Im Jahr zuvor waren es im gleichen Zeitraum 5,5 Mio Transaktionen. Im Schnitt setzen die Anleger heute im Vergleich zu den vorangegangenen Jahren einen kleineren Hebel ein. Dies führt trotz der gestiegenen absoluten Kundenzahl zu geringeren Umsätzen.
Auf dem deutschen Markt haben sich bereits verschiedene Anbieter etabliert, duktgattungen und Kundengruppen hinweg beträgt der Anteil des Direkthandels beim Sparkassen Broker mittlerweile zwischen 50 und 60 %. Dabei werden am häufigsten strukturierte Produkte außerbörslich gehandelt. Wie GRAFIK 2 zeigt, finden zwischen 70 und 80 % aller Transaktionen mit strukturierten Produkten über den Direkthandel statt. Keine andere Produktklasse erreicht einen so hohen Wert.
Professionelles Trading mit Limitorder-Management
Ein weiteres Zeichen des gestiegenen Know-hows der Anleger ist der zunehmende Einsatz von Orderzusätzen und Limitierungen. Gerade in Zeiten stark volatiler Märkte haben sich Limitorders als wichtiger Bestandteil eines intelligenten Geldmanagements bewährt. Beim Sparkassen Broker sind limitierte Wertpapierorders sowohl im börslichen als auch im außerbörslichen Handel einsetzbar. Insgesamt sind durchschnittlich mehr als 40 % aller Wertpapieraufträge durch die Anleger limitiert. Aktuell beträgt der Wert im außerbörslichen Handel rund 15 %, wobei das Angebot an Handelspartnern mit Limitfunktion innerhalb der letzten 24 Monate stark angewachsen ist.
Klassische Limitfunktionen dienen den Anlegern zur abschließenden Konkretisierung ihrer Order, vor allem aber zur Begrenzung von Verlusten oder dem gezielten, günstigen Einstieg in ein Wertpapier. Komplexere Strukturen wie Stop Buy Limit, Stop Loss Limit, One Cancel the Other oder Trailing Stop Loss erlauben darüber hinaus ausgefeilte Orderstrategien. Besonders die aktiven Vieltrader nutzen diese professionellen Orderformen vermehrt.
Beispielhaft soll an dieser Stelle die Funktionsweise eines Trailing Stop Loss (TSL) beschrieben werden. Diese Limitierung entspricht einer Stop-Loss-Verkaufsorder, bei der sich die Stop-Loss-Marke automatisch nach oben verschiebt, wenn der Kurs steigt. Der Vorteil dieser Strategie: Der Anleger profitiert von steigenden Kursen und schützt sich gleichzeitig vor größeren Verlusten, wenn der Markt nachgibt. Da diese Mechanik völlig selbstständig arbeitet, muss man das Marktgeschehen nicht persönlich beobachten und die Stop-Loss-Marke nicht kontinuierlich selbst „manuell“ nachjustieren, denn sie zieht in einem definierten prozentualen oder absoluten Abstand automatisch nach (GRAFIK 3).
Grundsätzlich kann der Trailing Stop Loss immer nur nach oben angepasst werden. Fällt der Kurs, bleibt der erreichte Stop-Loss-Wert bestehen. Fällt der Kurs anschließend auf oder unter diesen Wert, wird eine Verkaufsorder zum nächsten handelbaren Kurs ausgeführt. Besonders praktisch ist diese Orderart zur Absicherung bei längerer Abwesenheit vom Börsengeschehen, wie zum Beispiel zu Urlaubszeiten.
Weitere Professionalisierung wahrscheinlich
Wagt man einen Blick in die Zukunft des privaten Börsenhandels, so ist davon auszugehen, dass der Trend zur Professionalisierung dauerhaft anhalten wird. So ist zum Beispiel automatisierter Handel derzeit ein starkes Trendthema in der internationalen Vieltraderszene. Die Anleger imitieren hochkomplexe algorithmische Strategien der Profis oder entwickeln sogar eigene Computerprogramme, die den privaten Handel automatisch steuern. Investmententscheidungen werden nicht mehr in Sekunden oder Minuten, sondern durch die Software innerhalb weniger Millisekunden getroffen und ausgeführt. Der Sparkassen Broker hat diese Entwicklung aufgegriffen und plant derzeit die Entwicklung einer so genannten APISchnittstelle (Application Programming Interface). Über diese Schnittstelle könnten private Vieltrader mit eigenen Softwareprogrammen ihr Depot ansteuern und Wertpapiertransaktionen tätigen.
Es ist davon auszugehen, dass private Trader-Strategien, Technik und Knowhow des professionellen Börsengeschehens immer schneller adaptieren werden. Und entsprechend werden die Anforderungen der aktiven Anleger an ihre Online Broker gerade in Sachen Technik, Systemstabilität, Produktauswahl und Service weiter ansteigen.

