Sparsame Deutsche
Die schwerste Finanz- und Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg hat das Geldvermögen der Deutschen nur kurzzeitig schrumpfen lassen: Es nahm im Krisenjahr 2008 um 3 % ab, stieg aber 2009 bereits wieder deutlich an und erreichte einen neuen Rekordwert. | Bernd Sprenger
Obwohl das Bruttoinlandsprodukt Deutschlands 2009 um 5 % schrumpfte, nahm das Geldvermögen der privaten Haushalte (einschließlich privater Organisationen ohne Erwerbszweck) um 5,4 % zu. 2008 war das Geldvermögen noch um 2,8 % gesunken. Trotz Finanz- und Wirtschaftskrise ist nun Ende 2009 mit 4.672 Mrd € ein neuer Höchstwert erreicht. Zum Vergleich: Das Bruttoinlandsprodukt betrug im vergangenen Jahr 2.409 Mrd €, das verfügbare Einkommen der privaten Haushalte 1.591 Mrd €. Die Bundesbürger haben somit fast das Dreifache des jährlich verfügbaren Einkommens „auf der hohen Kante“.
Markante Strukturverschiebungen
Die Struktur des Geldvermögens weist Ende 2009 gegenüber 2007 markante Verschiebungen auf. Bankeinlagen (Sich-tund Spareinlagen, Sparbriefe, Termingelder) und Bargeldbestände beispielsweise erhöhten sich in den vergangenen zwei Jahren überproportional. Sie wuchsen um gut 10 % oder 167 Mrd € auf 1.788 Mrd €. Gemessen am gesamten Geldvermögen ist das inzwischen ein Anteil von 38,3 % gegenüber 35,5 % Ende 2007 (GRAFIK 1).
Als sehr solide werden Anlagen bei Versicherungen angesehen. Sie stiegen in den vergangenen zwei Jahren ebenfalls deutlich an und erreichten Ende 2009 einen Wert von 1.330 Mrd €. Das entspricht 28,5 % des Geldvermögens, gegenüber 27 % zwei Jahre zuvor (1.233 Mrd €). In diesem Betrag sind neben den klassischen Lebensversicherungen Anlagen bei Pensionskassen und Pensionsfonds, berufsständischen Versorgungswerken und Zusatzversorgungseinrichtungen enthalten. Zum Vorsorgesparen für den Ruhestand zählen außerdem noch Pensionsrückstellungen im Wert von 270 Mrd € (2007: 255 Mrd €).
Rechnet man die bisher genannten Größen zusammen, haben die Deutschen knapp 73 % und damit den weitaus größten Teil des Geldvermögens in Anlagen investiert, die als sehr sicher gelten. Hinzu kommt noch ein Teil der Inhaberschuldverschreibungen, deren Wert mit insgesamt 364 Mrd € (7,8 %) beziffert wird. Hierzu gehören sowohl Bundesanleihen, die höchste Bonität genießen, als auch Unternehmensanleihen mit sehr unterschiedlichen Qualitäten sowie Zertifikate, die in der Bundesbankstatistik nicht gesondert erfasst werden.
Ausgeprägte Risikoaversion
Die ausgeprägte Risikoaversion vieler Bundesbürger wird sehr deutlich bei den Aktienbeständen: Nur noch 181 Mrd € hatten die Deutschen Ende 2009 in Aktien investiert. Das sind gerade einmal 3,9 % des gesamten Geldvermögens, und nur noch halb so viel wie zwei Jahre zuvor (Ende 2007 waren es 369 Mrd € oder 8,1 %). Die historische Erfahrung zeigt hingegen, dass Anleger mit einer breit gestreuten und ausgewogenen Aktienanlage trotz starker Kursschwankungen auf Dauer überdurchschnittlich hohe Renditen erzielen können. Das Deutsche Aktieninstitut belegt dies zum Beispiel für die Nachkriegsära mit seinem regelmäßig aktualisierten „Renditedreieck“, an dem sich die durchschnittlich erzielten Renditen eines aus DAX-Werten bestehenden Aktiendepots für verschiedene Laufzeiten ablesen lassen.
Im statistischen Durchschnitt entfiel vom gesamten Geldvermögen der privaten Haushalte in Deutschland auf jeden Einwohner Ende 2009 ein Betrag von etwa 57.000 € (GRAFIK 2). Dabei summieren sich Bargeldbestände und Bankeinlagen (Sicht-, Termin-, Spareinlagen) auf etwa 21.800 €. Ansprüche aus Lebensversicherungen, an Pensionskassen und Pensionsfonds usw. belaufen sich im Durchschnitt auf etwa 16.200 € pro Person. Die Aktienbestände machen im Schnitt nur noch rund 2.200 € aus, Investmentfonds etwa 6.800 €. Diese Zahlen vermögen freilich keine Auskunft darüber zu geben, wie ungleich das Geldvermögen in der Bevölkerung verteilt ist.
Geringere Verschuldung
Während das Geldvermögen von 2007 bis 2009 trotz Finanz- und Wirtschaftskrise zunahm, haben die Bundesbürger im gleichen Zeitraum ihre Verschuldung leicht abgebaut. Die Deutsche Bundesbank beziffert die Verbindlichkeiten der privaten Haushalte für Ende 2009 mit insgesamt 1.532 Mrd €. Ende 2007 waren es 1.546 Mrd €. Zieht man vom Geldvermögen die Schulden ab, bleibt unter dem Strich ein beachtliches Nettogeldvermögen von 3,1 Bill €. Zu berücksichtigen ist freilich, dass der überwiegende Teil der Kredite für den Wohnungsbau aufgenommen wurde, diesen Schulden also Immobilienwerte gegenüberstehen, die bei einer Betrachtung des Gesamtvermögens der Bundesbürger zu berücksichtigen sind.

