Nachholbedarf bei öffentlich-rechtlichen Versorgungswerken
Zum Jahresende 2010 waren in Deutschland 57 Mrd € in nachhaltige Geldanlagen investiert. Laut aktuellem Marktbericht des Forums Nachhaltige Geldanlagen gehen gut zwei Drittel davon auf nachhaltig angelegte Gelder von Spezialbanken mit Nachhaltigkeitsfokus sowie Kirchen- und Entwicklungsbanken zurück (Anteil am Gesamtmarkt: 0,7%).
Das Volumen von Publikumsfonds, Mandaten und sonstigen Finanzprodukten lag bei 16 Mrd € (Anteil am Gesamtmarkt: 0,9%). Dabei hat die Bedeutung der privaten Anleger ab-, die der institutionellen Investoren hingegen zugenommen. Ihr Marktanteil lag zuletzt bei 77 % (2009: 55 %). Ein deutlicher Schub für nachhaltige Kapitalanlagen könnte sich seitens Institutioneller ergeben, wenn öffentlich-rechtliche Versorgungswerke ihren Nachholbedarf bei diesem Thema decken würden. Laut einer Studie von Allianz Global Investors beziehen rund 60 % der berufsständischen Versorgungswerke und der (Zusatz-)Versorgungskassen für den öffentlichen und kirchlichen Dienst zumindest ausgewählte Nachhaltigkeitsaspekte in ihre Anlagestrategie ein. Im Gegensatz dazu berücksichtigt keiner der befragten Beamtenpensionsfonds bzw. keine der Versorgungsrücklage-Einrichtungen des Bundes und der Länder entsprechende Kriterien. Umgekehrt ist die Situation beispielsweise in Frankreich oder in Skandinavien, wo öffentlich-rechtliche Altersversorgungs-Einrichtungen Vorreiter auf diesem Gebiet sind. Bei den Kriterien, nach denen nachhaltige Investments bei den Befragten definiert werden, dominieren derzeit ökologische (43 % bei Zusatz-Versorgungskassen bzw. 33 % bei berufsständischen Versorgungswerken) vor ökonomischen (je 33 %) und sozialen Aspekten (19 % bzw. 17 %). Die Integration von Nachhaltigkeitskriterien in den Investmentprozess erfolgt am häufigsten über die Orientierung an Nachhaltigkeitsthemen wie beispielsweise Klimaschutz, Best-in-Class-Ansätzen, Negativ- bzw. Ausschlusskriterien oder Engagement im Sinne eines intensiven Dialogs mit Unternehmen. Mehr als ein Drittel der befragten Versorgungskassen und berufsständischen Versorgungswerke, die bereits Nachhaltigkeitskriterien in ihrer Anlage berücksichtigen, plant in den kommenden zwei Jahren die Investmentrichtlinien zu verändern oder weitere Anlageklassen einzubeziehen. Bis 2015 rechnen die Versorgungskassen mit einer Steigerung der nachhaltig angelegten Vermögenswerte um 50 % bis 100 % gegenüber 2010.

